Opioidkrise in den USA Oxycontin-Hersteller Purdue Pharma akzeptiert Milliardenvergleich

Die Pharmaindustrie fachte eine Opioidkrise mit Hunderttausenden Toten an. Im Streit über die Verantwortung hat Purdue Pharma einen Vergleich akzeptiert - und sich schuldig bekannt. Tausende Klagen laufen aber noch.
Umstrittenes Schmerzmittel Oxycontin: Purdue Pharma bekennt sich schuldig

Umstrittenes Schmerzmittel Oxycontin: Purdue Pharma bekennt sich schuldig

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George Frey/ REUTERS

Der insolvente Pharmakonzern Purdue zahlt im Streit um die massenhafte Abgabe opiathaltiger Schmerzmittel eine Milliardenstrafe. Das Unternehmen, gegen das noch Tausende Klagen wegen des süchtig machenden Schmerzmittels Oxycontin laufen, hat sich mit der US-Regierung auf einen Vergleich geeinigt.

Der Kompromiss sehe vor, dass das Unternehmen mehr als 8,3 Milliarden Dollar zur Beilegung zivil- und strafrechtlicher Verfahren auf Bundesebene überweist, teilte das Justizministerium in Washington mit. Zudem sollen Mitglieder der Eigentümerfamilie Sackler, die den Hersteller seit Anfang der Fünfzigerjahre besitzt, 225 Millionen Dollar zahlen.

Purdue werde darüber hinaus ein Schuldgeständnis wegen Verstößen gegen mehrere US-Bundesgesetze abgeben, unter anderem wegen Verschwörung zum Betrug. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen die Verantwortlichen dauern indes an, teilte das Ministerium mit. Ob die Vergleichssumme gezahlt werden kann, ist allerdings unklar. Die Entscheidung, inwieweit dies möglich ist, liege letztlich beim zuständigen Insolvenzgericht, so Vizejustizminister Jeffrey Rosen.

450.000 Tote durch Überdosierungen

Purdue Pharma und den Sacklers wird vorgeworfen, Schmerzmittel unter Verschleierung von Suchtgefahren mit rücksichtslosen und aggressiven Methoden vermarktet zu haben. Damit wurde aus Sicht der Kläger eine Basis für die Opioid-Epidemie in den USA gelegt, die nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC seit der Jahrtausendwende zu mehr als 450.000 Toten durch Überdosierungen führte. Purdue war bereits 2007 wegen seiner Rolle in der Epidemie zur Rechenschaft gezogen worden, danach verschlimmerte sich die Opioidkrise in den USA jedoch weiter.

Der nun erzielte Vergleich mit dem Justizministerium ist umstritten. Purdue hatte 2019 nach zahlreichen Klagen von amerikanischen Bundesstaaten, Städten und Landkreisen Insolvenz beantragt. Die Kläger fordern hohe Strafen und Entschädigungen für Milliarden von Dollar, die im Kampf gegen die Schmerzmittelkrise aufgewandt wurden. Kritiker wie die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James sehen die Insolvenz als Manöver von Purdue Pharma, um sich aus der Verantwortung zu ziehen und das Vermögen der Sacklers zu schonen.

Demokraten wittern faulen Kompromiss

Wie so vieles in den USA ist das Vorgehen gegen Purdue Pharma auch ein politischer Konflikt zwischen der demokratischen und der republikanischen Partei. Während die Regierung von Donald Trump sich in der Schlussphase des Wahlkampfs einen vermeintlich großen Schlag gegen illegale Machenschaften in der Pharmabranche auf die Fahne schreiben will, wittern die oppositionellen Demokraten einen faulen Kompromiss. Statt die Sacklers angemessen zu bestrafen, erlaube der Deal mit dem Justizministerium es der Familie, ihre Milliarden zu behalten, empörte sich New Yorks Staatsanwältin James. Sie führt eine Allianz diverser gegen Purdue Pharma klagender US-Bundesstaaten an.

"Forbes" schätzt das Vermögen des Clans auf 13 Milliarden Dollar. Wegen der Kritik an den Sacklers hatten mehrere berühmte Museen die jahrelange Zusammenarbeit mit der für ihr Mäzenatentum bekannten Familie beendet, etwa das Metropolitan Museum in New York, die Tate Modern in London und der Louvre in Paris. Opioide sind zum Teil synthetisch hergestellte Arzneimittel - wie etwa Oxycontin - mit unter anderem schmerzlindernden Eigenschaften. Sie bergen jedoch auch enorme Abhängigkeitsrisiken und hohes Missbrauchspotenzial.

apr/dpa
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