Ölgigant Rosneft Putin spricht von "gemischten Gefühlen" bei Deal mit BP

Rosneft steigt mit der Übernahme von TNK-BP zum weltgrößten Ölkonzern auf. Doch der russische Präsident Wladimir Putin ist von dem Deal seines Staatsbetriebs angeblich nicht völlig überzeugt. Das Geschäft sei aber nötig geworden wegen handfester Auseinandersetzungen der Anteilseigner.

Russlands Präsident Putin: "Sie sind handgreiflich geworden"
AFP

Russlands Präsident Putin: "Sie sind handgreiflich geworden"


Moskau - Der russische Präsident spielt seine Rolle vom Rosneft-Deal mit BP herunter. Dass der Staatskonzern den Briten die Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP abkaufe, habe er "mit gemischten Gefühlen" verfolgt, sagte Wladimir Putin. Das "Wall Street Journal" zitiert den mächtigsten Mann Russlands mit den Worten, das Geschäft entspreche nicht der neuen Strategie seiner Regierung. Diese sehe vor, das Wachstum staatlich kontrollierter Unternehmen zu begrenzen.

Putin weiter: Er habe den Deal dann doch durchgewinkt, weil der Streit zwischen den britischen und russischen Anteilseignern eskaliert sei. "Manchmal sind sie sogar handgreiflich geworden." Er habe den britischen Premier Tony Blair bereits 2003 gewarnt, dass eine 50-50-Aufteilung nicht funktionieren könne, weil dabei keine Seite die Kontrolle habe. BP habe ihn angefleht, seine Anteile an Rosneft verkaufen zu können.

Ob diese Darstellung des russischen Präsidenten der Wahrheit entspricht, ist zweifelhaft. Immerhin steigt Rosneft nun zum weltgrößten Ölkonzern auf. Direkt nach der Einigung am Montag sagte Putin noch: "Der Kauf ist ein gutes Geschäft zu einem guten Preis." Rosneft zahlt für den 50-Prozent-Anteil an TNK-BP 17 Milliarden Dollar in bar und überträgt BP zudem knapp 13 Prozent seiner Aktien. An der Spitze von Rosneft steht zudem mit Igor Setschin ein ehemaliger KGB-Agent, der Putin noch im Frühjahr als Vizeregierungschef gedient hatte.

Putins Ziel ist es, die Ölwirtschaft des Landes wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen - wie es bereits bei der Gasbranche der Fall ist. Nach Gazprom soll Rosneft zum zweiten Pfeiler der Energiegroßmacht Russland werden.

cte



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Stelzi 26.10.2012
1. Rubel gedruckt, Deal gemacht
Putin muss den kritischen Lenker mimen, hat man doch extra die Notenpressen angeschmissen um liquide zu sein für die beiden Geschäfte mit den russischen Oligarchen und BP.
flaschenöffner 26.10.2012
2. .
Demnächst bekommen wir bestimmt wieder erklärt, wie dämonisch und böse der Plan von Putin war. Mir persönlich ist eon Ölkonzern in staatlicher Hand lieber als wenn er rein privatwirtschaftlich rumwurschtelt wie BP.
symolan 26.10.2012
3.
Zitat von flaschenöffnerDemnächst bekommen wir bestimmt wieder erklärt, wie dämonisch und böse der Plan von Putin war. Mir persönlich ist eon Ölkonzern in staatlicher Hand lieber als wenn er rein privatwirtschaftlich rumwurschtelt wie BP.
Warum? Weil der russische Staat so super organisiert ist oder sich besonders für Umweltschutz einsetzt?
a.led. 26.10.2012
4. Aufkauf
Bei einer Gesellschaft wo beide Anteilseigner 50% besitzen, treten automatisch Spannungen auf, wenn einer der Anteilseigner eine andere Strategie fährt. Ob solche Großkonzerne von Dauer sind ist allerdings fraglich und ob dies überhaupt gewünscht ist, wenn die Kosten explodieren. Man betrachte hierzu einfach die anderen Großunternehmen die auf Dauer nicht unbedingt wirtschaftlicher werden.
Bordeaux09 26.10.2012
5.
Zitat von symolanWarum? Weil der russische Staat so super organisiert ist oder sich besonders für Umweltschutz einsetzt?
Bei einem Staatsbetrieb werden die Erlöse russischer Bodenschätze in Russland investiert. Das alternative unter Jelzin propagierte Modell der Privatisierung führte dahingehend zu einer Kapitalflucht ungeahnten Ausmaßes. 95% der Bevölkerung in Rußland hatten davon rein gar nichts. Die Banken in CH und GB dafür umso mehr. Anders formuliert - wo vermuten Sie, wo das Geld der Oligarchen angelegt ist? Dort wo es erwirtschaftet wurde?
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