Personalmangel Qantas-Manager sollen Koffer schleppen

Weil die australische Airline Qantas in der Coronakrise viele Mitarbeiter vor die Tür setzte, fehlt jetzt Personal für die Gepäckabfertigung. Führungskräfte sollen die Lücke jetzt stopfen.
Passagiermaschinen von Qantas: Känguru-Airline in Personalnöten

Passagiermaschinen von Qantas: Känguru-Airline in Personalnöten

Foto: Mark Baker/ AP

Verspätete Flüge, verschollenes Gepäck und lange Schlangen am Schalter – davon bleiben auch Flugpassagiere in Australien dieser Tage nicht verschont. Um das Reisechaos zu lindern, setzt die australische Fluggesellschaft Qantas nun auf eine ausgefallene Idee: Manager der Airline sollen für drei Monate bei der Gepäckabfertigung helfen.

Laut übereinstimmenden Medienberichten hat die Airline rund 100 Führungskräfte in Melbourne und Sydney kontaktiert, damit sie ihren Bürojob gegen eine Stelle in der Gepäckabfertigung tauschen. In einer internen Mail erklärt der operative Geschäftsführer Colin Hughes das ungewöhnliche Vorgehen mit der großen Zahl an Wintergrippe- und Coronafällen sowie Knappheiten auf dem Arbeitsmarkt: »Es gibt keine Erwartung, dass sie diese Rolle zusätzlich zu ihrer Vollzeitposition übernehmen«, schreibt Hughes.

Die Mitarbeiter sollen etwa beim Be- und Entladen von Gepäck helfen oder Gepäcktransporter zwischen den Terminals fahren – und das an drei oder fünf Tagen je Woche für jeweils vier oder sechs Stunden. Eine Voraussetzung: Bewerber müssen in der Lage sein, bis zu 32 Kilogramm schwere Koffer zu heben.

Wie die Schichten in den Arbeitsalltag der Manager eingeflochten werden sollen, und wie sich der Wechsel an den Schreibtisch nach harter körperlicher Anstrengung am Gepäckband bewerkstelligen lassen soll, darüber ist bislang noch nichts bekannt. Auch über die Zahl derjenigen, die sich möglicherweise bereits freiwillig gemeldet haben, drang nichts aus dem Unternehmen.

Vonseiten der Arbeitnehmervertreter ist allerdings bereits scharfe Kritik zu hören: »Das ist nicht der Geistesblitz, für den es das Qantas-Management zu halten scheint«, zitiert der australische Nachrichtensender »Sky« den Gewerkschaftssekretär Michael Kaine. »Ungelernte Bürokräfte in spezialisierte Luftfahrtjobs einzuführen, steigert nur die Gefahr für ernste Verletzungen und Sicherheitsvorfälle, was die Flughäfen in weiteres Chaos stürzen würde«.

Die Airline selbst verspricht in der Mail an die Belegschaft ein umfangreiches Training, damit die betroffenen Mitarbeiter die Arbeiten »sicher« ausführen könnten.

Wie andere Fluggesellschaften – darunter auch die Lufthansa in Deutschland – hatte sich auch Qantas in der Coronapandemie von zahlreichen Mitarbeitern getrennt. Rund 1600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gepäckabfertigung verloren ihren Job. Angesichts der Personalnot fielen im Juni mehr als acht Prozent der Qantas-Flüge aus.

mic
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