Rekordgebot Broadcom bietet 130 Milliarden Dollar für Qualcomm

In fast jedem Smartphone steckt Technologie des Chipkonzerns Qualcomm. Ein Konkurrent will das Unternehmen nun übernehmen - und bietet eine schwindelerregend hohe Summe.

Qualcomm-Gebäude im kalifornischen San Diego
REUTERS

Qualcomm-Gebäude im kalifornischen San Diego


Es wäre der bisher teuerste Firmenkauf in der Tech-Industrie: Der Chipkonzern Broadcom will für 130 Milliarden Dollar den Konkurrenten Qualcomm kaufen. Es ist der Versuch einer feindlichen Übernahme gegen den Willen von Qualcomm. Das neue gemeinsame Unternehmen soll unter anderem eine Schlüsselposition beim kommenden schnellen 5G-Datenfunk einnehmen.

Qualcomm selbst will sich gegen die feindliche Übernahme wehren: Man werde das Angebot als zu niedrig und regulatorisch riskant ablehnen, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf Insider.

Qualcomm ist im Großteil der Smartphones und Tablet-Computer mit Kommunikationschips vertreten, die für die Verbindung zu Netzen sorgen. Zudem stellt das Unternehmen in vielen Telefonen auch den Hauptprozessor. In der Qualcomm-Bilanz sorgen die Chips für den Großteil der Erlöse - der Gewinn hingegen wird vor allem mit Patentlizenzen auf diverse Technologien erzielt.

Der Deal könnte auch noch an Einwänden der Kartellbehörden scheitern. Da sich das Geschäft von Qualcomm und Broadcom an vielen Stellen überschneidet, gehen Experten davon aus, dass die Regulierungsbehörden den Mega-Deal streng prüfen werden. Ähnliche Geschäftsfelder beider Konzerne sind zum Beispiel die Bereiche WLAN und Bluetooth.

Anleger sind skeptisch

Das Angebot liegt bei 70 Dollar pro Qualcomm-Aktie. Das Papier war am Freitag bei 61,81 Dollar aus dem Handel gegangen. Qualcomm-Aktionäre sollen pro Anteilschein 60 Dollar in bar und Broadcom-Aktien im Wert von 10 Dollar bekommen.

Die geplante feindliche Übernahme ist unter anderem möglich, weil Qualcomm seit Monaten in einem erbittert geführten Streit mit Apple steckt, der die Geschäftszahlen der Chipfirma schmälerte und den Aktienpreis nach unten trieb.

Der iPhone-Konzern weigert sich, an Qualcomm einen Prozentsatz vom kompletten Gerätepreis abzuführen. Apple argumentiert, damit wolle Qualcomm an Technologien verdienen, die bei Apple selbst erfunden worden seien. Der Halbleiter-Konzern kontert, in den Apple-Geräten steckten Qualcomm-Technologien nicht nur in den Chips. Die Unternehmen verklagten sich gegenseitig in mehreren Ländern.

Vergangene Woche nun ließ ein Medienbericht, wonach Apple in kommenden Generationen seiner Geräte ganz ohne Qualcomm-Chips auskommen wolle, die Aktie der Chipfirma an einem Tag um sieben Prozent absacken.

Anleger zeigten sich am Montag in einer ersten Reaktion skeptisch, dass Broadcom sein Ziel erreichen werde: Die Qualcomm-Aktie stieg trotz des recht hohen Gebots im vorbörslichen Handel zunächst nur um vier Prozent auf etwas mehr als 64 Dollar.

ssu/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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naklar261 06.11.2017
1. Wiederlich
Wenn man sich überlegt dass das BIP von Griechenland 190Mrd ist und hier ein privater Konzern nahezu diese Summe erübrigen kann um seinen Konkurrenten loszuwerden...irgendwas stimmt hier nicht...
Wulff Isebrand 06.11.2017
2. Hinterher
werden irgendwelche Leute ganz viel Geld verloren haben. Ein paar haben verdient, wahrscheinlich Großanleger die sich schon lange vorher mit Aktien eingedeckt haben. Die größten Verlierer werden die Kunden und die Finanzämter sein, denn Broadcom wird doch jahrelang diesen Kauf gewinnmindernd ansetzen
alles.auf.horst 06.11.2017
3. Versuchen kann man es ja mal!
Vorab @buchenzal: Deutschland verfügt meines Wissens nach über keinen staatlichen Konzern, der einen Fonds in dieser Art und Weise speisen könnte, wie es in Norwegen der Fall ist. Auch ist unsere Staatsverschuldung, gemessen am BIP, ca. doppelt so hoch wie in Norwegen. Ergo sind unsere Überschüsse im Staatshaushalt Gelder, welche erst einmal für andere Zwecke benötigt werden, z.B. zur Modernisierung/dem Erhalt der Infrastruktur, der Entschuldung, des Aufbaus von sog. Humankapital oder eben auch für humanitäre Gründe. Sie vergleichen hier also nicht nur Äpfel mit Birnen und zeigen massive Unkenntnis in wirtschaftsfragen, sondern weisen sich auch noch als politisch ungebildet und inhuman aus. Bravo! Habe mich immer gefragt, wie ein AfD wählender Rechtsdrehender wohl aussehen würde. Jetzt weiß ich es. Nun zum Thema: die Situation stellt sich für Broadcom als aktuell günstig dar. Der größte Konkurrent ist angesichts der momentanen Drohkulisse, ob am Ende nun zutreffend oder nicht, vergleichsweise schwach und günstig zu erwerben. Insofern ist es logisch Übernahmeinteresse zu zeigen. Ob das am Ende wirklich ernst gemeint ist oder einfach nur mal auf Verdacht in die Luft geschossen wird, das dürfte sich in den nächsten Tagen/Wochen herausstellen. Die Summen klingen natürlich hoch und auf die Frage der Refinanzierung eines eventuellen Deals wird in dem Artikel nur bedingt eingegangen. Ich würde das daher erst mal nicht allzu ernst nehmen.
Markus Frei 06.11.2017
4. Unwahrscheinlich
Sehr unwahrscheinlich das es dazu kommt. Das Angebot mit $70 ist nicht gerade Berauschend. Wie erwähnt schwächelt der Kurs von Qualcomm wegen der Streitigkeiten mit Apple, aber auch die sind irgendwann vorbei. Zusätzlich dürfte es, wenn Überhaupt eine Zustimmung der Wettbewerbsbehörden zu bekommen ist, zu sehr harten Auflagen kommen, die beiden Firmen hätten in vielen Bereichen eine marktbeherrschende Stellung. Ich kann mir sogar vorstellen das Apple angesichts dieser Gefahr jetzt durchaus an einer Einigung mit Qualcomm interessiert sein dürfte, ich glaube nicht das man in dem Bereich mit einem Mega-Konzern der praktisch ein Monopol besitzt arbeiten möchte.
rkinfo 06.11.2017
5. Karl Marx live - am Ende nur noch eine Firma
Bis Ende des Jahrhunderts dürfe für jedes Produkt nur noch eine Firma existieren. So wie schon heute Microsoft, dessen Produkte auch Kartellbehörden nutzen ;-)
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