Quotendebatte Telekom will Frauen-Trio für den Vorstand

Der erste Anlauf ging daneben, nun startet René Obermann einen neuen Versuch: Gleich drei Frauen will der Telekom-Chef laut "Handelsblatt" in den Vorstand holen. Um die Kandidatin für den Personalvorstand soll es jedoch Streit geben.

Telekom-Chef Obermann: Von null auf mehr als 40 Prozent
dapd

Telekom-Chef Obermann: Von null auf mehr als 40 Prozent


Bonn - Den Worten sollen Taten folgen: Gut ein Jahr nachdem sich die Telekom als erstes Dax Chart zeigen -Unternehmen eine Frauenquote verordnete, will das Unternehmen nun offenbar gleich drei Frauen in seinen Vorstand holen. Nach einem Bericht des "Handelsblatts" ("HB") will Konzernchef René Obermann drei der bislang sieben männlichen Vorstandsmitglieder durch Frauen ersetzen. Das Blatt beruft sich auf Informationen aus dem Umfeld es Aufsichtsrats. Dieser treffe sich am Montagnachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung, um über die drei Kandidatinnen zu beraten.

Neu besetzt werden sollen der Zeitung zufolge die Vorstandsposten für Europa, für Datenschutz sowie Recht und Compliance und das Personalressort. Alle drei Positionen sollten mit Frauen besetzt werden. Damit könnte die Frauenquote der Telekom im Vorstand auf mehr als 40 Prozent steigen. Das Unternehmen hatte im März 2010 eine Frauenquote beschlossen: Bis 2015 sollen 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt werden.

Sicher ist laut "HB", dass der Aufsichtsrat Claudia Nemat als Europa-Chefin bestätigt. Die 42-jährige Unternehmensberaterin solle den Posten Anfang Oktober übernehmen. Der bisherige Europa-Chef Guido Kerkhoff wechselte bereits im April als Finanzvorstand zu ThyssenKrupp. Die Stelle von Compliance-Vorstand Manfred Balz solle ebenfalls eine Frau übernehmen, deren Name aber noch nicht bekannt sei. Der Vertrag von Balz läuft bis Oktober 2012, der 66-Jährige hört aber früher auf.

Ausgerechnet um die Nachfolge von Personalvorstand Thomas Sattelberger, der als Vater der Telekom-Frauenquote gilt, gibt es dem Bericht zufolge Streit. Obermann wünsche sich für den Posten die ehemalige Bildungsministerin von Baden-Württemberg, Marion Schick. Der 62-jährige Sattelberger habe seinen Vertrag verlängern wollen, was jedoch auf heftigen Widerstand der Arbeitnehmervertreter gestoßen sei.

Zugleich seien die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat aber auch gegenüber Schick skeptisch, berichtet das "HB". Sie befürchteten, dass die CDU-Politikerin die Interessen der Mitarbeiter nicht ausreichend beachten werde. Außerdem gebe es Zweifel an Schicks Qualifikation, sie habe keine Erfahrung im Management von Unternehmen.

Zuletzt hatte die Telekom mit ihren Vorstößen bei der Frauenförderung wenig Glück. Ende Februar trennte sich das Unternehmen von der damaligen Produktions- und Innovationschefin Anastassia Lauterbach. Sie war als erste Frau in eine Spitzenposition aufgerückt, nachdem die Telekom ihre Quote beschlossen hatte. Lauterbachs Führungsstil soll im Unternehmen höchst umstritten gewesen sein.

dab



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Seite 1
stanislaw 04.07.2011
1. .
Zitat von sysopDer erste Anlauf ging daneben, nun startet René Obermann einen neuen Versuch: Gleich drei Frauen will der Telekomchef laut "Handelsblatt" in den Vorstand holen. Ausgerechnet der Vater der Frauenquote im Konzern soll sich aber*an seinen Posten klammern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772106,00.html
Ich denke, Frauen, die auf einen "Quotenplatz" kommen, haben es deutlich schwerer, als Frauen, die es von alleine schaffen.
semper fi, 04.07.2011
2. -
Zitat von sysopDer erste Anlauf ging daneben, nun startet René Obermann einen neuen Versuch: Gleich drei Frauen will der Telekomchef laut "Handelsblatt" in den Vorstand holen. Ausgerechnet der Vater der Frauenquote im Konzern soll sich aber*an seinen Posten klammern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772106,00.html
Welch ein Krampf!
Michael Giertz, 04.07.2011
3. Wo bleibt die Frauenquote?
Zitat von sysopDer erste Anlauf ging daneben, nun startet René Obermann einen neuen Versuch: Gleich drei Frauen will der Telekomchef laut "Handelsblatt" in den Vorstand holen. Ausgerechnet der Vater der Frauenquote im Konzern soll sich aber*an seinen Posten klammern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772106,00.html
Na ob der Anlauf diesmal gelingt? Wenn die drei Frauen vor allen Dingen wegen ihrer Eignung ausgewählt werden und eben nicht nur als "Quotenfrauen" auf wahlweise unbedeutenden oder extra für sie geschaffenen oder undankbaren und zum Scheitern verurteilten Posten landen, dann dürfte vielleicht das "Experiment" gelingen. Wobei sowieso eigentlich das alles völlig egal ist: Frauen sind per se keine schlechteren oder besseren Manager - es sollte nur nach Eignung und nicht nach Geschlecht aus einem Pool verfügbarer Führungskräfte gezogen werden, auch dann, wenn der "Stallgeruch" nicht stimmt. Was nützen Jasager als Manager, wenn sich mit solchen Leuten kein Unternehmen führen lässt? Im Prinzip zielt die Quote sowieso in die falsche Richtung. "Männerdynastien" bricht man nicht auf mit einer Frauenquote - denn das ist sowieso ein Nebekriegsschauplatz. Viel wichtiger ist doch die Frage, wie man die Seilschaften auflösen könnte, damit Aufsteiger aus ALLEN Schichten eine Chance haben und nicht nur jene, deren Papa mit dem aktuellen Oberboss Golf spielt ... PS: wo bleibt die Frauenquote auf dem Bau, beim Metzger und im Bergbau? Oder geht's immer noch nur um die Fleischtöpfe?
r-le 04.07.2011
4. K.t.
Zitat von sysopDer erste Anlauf ging daneben, nun startet René Obermann einen neuen Versuch: Gleich drei Frauen will der Telekomchef laut "Handelsblatt" in den Vorstand holen. Ausgerechnet der Vater der Frauenquote im Konzern soll sich aber*an seinen Posten klammern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772106,00.html
Vielleicht ist hier die Frauenquote das Mittel zum Zweck oder das Erschlagen zweier Fliegen mit einer Klatsche. Fakt ist, dass alle betroffenen Manager als höchst umstritten gelten/galten. Hoffentlich gerät das Ganze per Frauenquote nicht vom Regen in die Traufe.
semper fi, 04.07.2011
5. -
Zitat von Michael GiertzNa ob der Anlauf diesmal gelingt? Wenn die drei Frauen vor allen Dingen wegen ihrer Eignung ausgewählt werden und eben nicht nur als "Quotenfrauen" auf wahlweise unbedeutenden oder extra für sie geschaffenen oder undankbaren und zum Scheitern verurteilten Posten landen, dann dürfte vielleicht das "Experiment" gelingen. Wobei sowieso eigentlich das alles völlig egal ist: Frauen sind per se keine schlechteren oder besseren Manager - es sollte nur nach Eignung und nicht nach Geschlecht aus einem Pool verfügbarer Führungskräfte gezogen werden, auch dann, wenn der "Stallgeruch" nicht stimmt. Was nützen Jasager als Manager, wenn sich mit solchen Leuten kein Unternehmen führen lässt? Im Prinzip zielt die Quote sowieso in die falsche Richtung. "Männerdynastien" bricht man nicht auf mit einer Frauenquote - denn das ist sowieso ein Nebekriegsschauplatz. Viel wichtiger ist doch die Frage, wie man die Seilschaften auflösen könnte, damit Aufsteiger aus ALLEN Schichten eine Chance haben und nicht nur jene, deren Papa mit dem aktuellen Oberboss Golf spielt ... PS: wo bleibt die Frauenquote auf dem Bau, beim Metzger und im Bergbau? Oder geht's immer noch nur um die Fleischtöpfe?
Das ist aber ganz offensichtlich bei der Schick nicht der Fall. Wenn man sich deren Werdegang anschaut, dann liegt der Schluss nahe, dass die Dame - wenn es regulär laufen würde - bestenfalls für einen Job ein oder zwei Ebenen unterhalb des Vorstands geeignet ist. Da haben die Arbeitnehmervertreter vollkommen recht: Schick hat nichts, was sie für den Job geeignet macht. Aber der Obermann will seine Quote ja voll bekommen ... (Maybrit Illner lässt grüssen.)
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