Versteckte Preiserhöhung Verbraucherschützer kritisieren »Mogelpackung« bei Rama

400 Gramm Margarine statt 500 – bei gleichbleibendem Preis: Die Verbraucherzentrale Hamburg wirft Rama-Hersteller Upfield eine besonders dreist verdeckte Preiserhöhung vor – und geht von zahlreichen weiteren Fällen aus.
Rama-Margarine: Laut Verbraucherschützern durch Füllmengenreduzierung um 25 Prozent teurer

Rama-Margarine: Laut Verbraucherschützern durch Füllmengenreduzierung um 25 Prozent teurer

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Manfred Segerer / IMAGO

Noch nie zuvor will die Verbraucherzentrale Hamburg so viele Beschwerden in so kurzer Zeit wegen einer Mogelpackung bekommen haben wie wegen einer neuen Verpackung des Rama-Herstellers Upfield. Dieser fülle seit Kurzem bei seinem Klassiker nur noch 400 Gramm Margarine pro Becher ab statt wie bisher 500. »Der Preis blieb bei vielen verschiedenen Händlern trotz Schrumpfung konstant bei meist 2,19 Euro«, teilten die Verbraucherschützer mit  und bedachten das Produkt mit dem Negativpreis der »Mogelpackung des Monats«.

Die Umgestaltung entspreche einer versteckten Preiserhöhung von 25 Prozent. Besonders dreist sei, dass die Dose im Vergleich zur 500-Gramm-Version gleich groß bleibe: »Damit täuscht Upfield aus unserer Sicht mehr Inhalt vor, denn in die Packung schauen kann man vor dem Kauf natürlich nicht.« Die Lebensmittelwächter bezeichnen das Phänomen der schrumpfenden Packungsgrößen als »Shrinkflation«.

Eigenen Angaben zufolge konfrontierten die Verbraucherschützer Upfield mit ihrem Rechercheergebnis. Das Schreiben veröffentlichten sie auf ihrer Internetseite. Der Margarinehersteller verteidigte sich damit, dass es »dramatische Kostensteigerungen« gebe: »Deshalb haben wir die Grammatur einiger unserer Produkte leicht reduziert. Diese Änderung ist auf unseren Verpackungen deutlich erkennbar.« Es handele sich um einen außergewöhnlichen Schritt.

Üblicherweise erhält die Verbraucherzentrale Hamburg nach eigenen Abgaben etwa 2000 bis 3000 Beschwerden pro Jahr. Zuletzt seien aber deutlich mehr Meldungen eingegangen als für diesen Zeitraum üblich. »Die Meldungen der Verbraucher und Verbraucherinnen sind in den letzten zwei Wochen enorm gestiegen: Circa hundert Meldungen allein zu versteckten Preiserhöhungen hatten wir noch nie in den letzten Jahren«, sagt Armin Valet, der sich bei der Verbraucherzentrale Hamburg um die Abteilung Lebensmittel und Ernährung kümmert, dem SPIEGEL.

Weitere versteckte Preiserhöhungen erwartet

»Das könnte schon mit der Inflation und der Krise zusammenhängen«, sagte Valet. Er rechnet jedoch auch mit mindestens einem halben Jahr Vorlauf für Firmen, die versteckte Preiserhöhungen planen. »Alte Packungen abverkaufen, neue planen, produzieren, ausliefern«, all das koste Zeit. Er geht deshalb von zahlreichen weiteren versteckten oder sichtbaren Preiserhöhungen aus. »Wir schätzen, dass im Herbst, Winter und Anfang nächsten Jahres weiterhin die Masche mit der Shrinkflation stark angewendet wird.«

Auffällig sei beim Phänomen der Shrinkflation zudem, dass inzwischen auch immer häufiger die Eigenmarken der Handelsketten damit auffielen. Bisher sei das eher ein Problem bei Markenprodukten gewesen.

sol/apr
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