Weltbank-Ranking zur Wirtschaftsfreundlichkeit Dänemark vor Deutschland

In Singapur, Neuseeland und Hongkong lassen sich laut einer Weltbank-Untersuchung am besten Geschäfte machen. Deutschland landet in dem Ranking nur auf Platz 14. Auch eine Studie zur Innovationsstärke sieht in der Bundesrepublik Aufholbedarf.
Der Nyhavn-Kanal im Kopenhagener Hafen: Platz für gute Geschäfte

Der Nyhavn-Kanal im Kopenhagener Hafen: Platz für gute Geschäfte

Foto: REUTERS

Washington/Mannheim - Deutschland ist in einer Untersuchung der Weltbank zu den wirtschaftsfreundlichsten Staaten der Welt zurückgefallen. Die Bundesrepublik rutschte von Platz 13 auf Platz 14 ab. Angeführt wird das Ranking von Singapur, Neuseeland und Hongkong. Unter den europäischen Ländern kamen Dänemark (Platz 4), Norwegen (Platz 6), Großbritannien (Platz 8) und Finnland (Platz 9) unter die ersten zehn.

Die Weltbank untersuchte in dem Bericht "Doing Business",  wie hoch die Hürden in den verschiedenen Ländern für Geschäftsgründungen und die Expansion von Unternehmen sind. So wurde etwa ausgewertet, an welchen Standorten Firmen am meisten Unterstützung bekommen und am wenigsten vom Staat behindert werden. Bewertet wurden dabei auch die Bedingungen für Kreditvergaben, wie problemlos Firmen Export- und Importgenehmigungen erhalten oder wie schnell sie Strom bekommen. In Singapur brauchen Unternehmer laut Weltbank beispielsweise nur zweieinhalb Tage für eine Firmengründung - in Eritrea sind es durchschnittlich 84 Tage.

Trotz der schlechteren Bewertung gehört Deutschland nach Ansicht der Weltbank auch weiterhin zu den besten Standorten für Privatunternehmer. Am Ende der Tabelle rangieren Eritrea, Libyen und die Zentralafrikanische Republik.

China landete als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nur auf Platz 90 von 189 Ländern und Regionen, verbesserte sich damit aber im Vergleich zum Vorjahr um drei Plätze. Die aufstrebenden Nationen Brasilien (Platz 120) und Indien (Platz 142) blieben noch weiter hinten. Selbst Krisenstaaten mit schwierigen Investitionsbedingungen wie Griechenland (Platz 61) und Russland (Platz 62) schnitten besser ab.

Veränderte Methoden nach Kritik aus China

Nach heftiger Kritik vor allem aus China hatte die Weltbank ihre Ranking-Methoden zwar modifiziert. Bei den Themen Insolvenz, Schutz von Kleinanlegern und Kreditvergabe benutzte die Weltbank nun neue Daten und andere Bewertungsmethoden. Die Ergebnisse dürften aber auch diesmal wieder zu Unmut bei einigen Regierungen führen.

80 Prozent der untersuchten Länder haben laut Weltbank im vergangenen Jahr ihre Gesetze im Wirtschaftsbereich verbessert. Die Kluft zwischen den Top-Ländern und den Schlusslichtern in der Tabelle verringere sich, hieß es. In den vergangenen zehn Jahren hätten sich die Bedingungen für Unternehmen kontinuierlich verbessert.

Vor allem in den Problemländern seien die Reformbemühungen verstärkt worden. Besonders viele Verbesserungen registrierte die Weltbank demnach in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. In Südasien dagegen wurde die geringste Zahl an Reformen gezählt.

Grundsätzlich gelte: Effizienz bei den Rahmenbedingungen gehe mit Qualität einher, erklärte die Weltbank. "Länder, die schnell und günstig Dinge abarbeiten, machen es auch genau."

Übersicht über die Top 10 der wirtschaftsfreundlichsten Staaten der Welt:

1. Singapur

2. Neuseeland

3. Hongkong

4. Dänemark

5. Südkorea

6. Norwegen

7. USA

8. Großbritannien

9. Finnland

10. Australien

14. Deutschland

Deutschland fällt bei Innovationsstärke zurück

Auch das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat einen Vergleich großer Wirtschaftsnationen angestellt. Die Forscher untersuchten für den "Innovationsindikator 2014" die Innovationsstärke von 35 Industrieländern. Insgesamt erreichte Deutschland wie im Vorjahr Rang sechs. Im Hinblick auf ihre Innovationsstärke schnitt die deutsche Wirtschaft aber schlechter ab und fiel von Platz drei auf Rang fünf zurück. Auch die deutsche Wissenschaft musste beim Thema Innovationen mit Rang neun eine Position abgeben.

Angeführt wird die Rangliste der innovationsstärksten Länder von der Schweiz und Singapur, gefolgt von Schweden, Belgien und Finnland. Im Vergleich der großen Wirtschaftsräume habe sich Europa seit 2000 langsam aber stetig verbessert und sei dann 2010 an Nordamerika vorbeigezogen. Asien halte lediglich im Bereich Wirtschaft mit den beiden anderen Regionen bei der Innovationskraft mit, hieß es.

Auftraggeber der Studie sind die Telekom-Stiftung und der Industrie-Verband BDI. "Wir brauchen eine stärkere staatliche Unterstützung privater Investitionen in Forschung und Entwicklung", forderte das Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung Dieter Schweer.

mmq/AFP/Reuters