Zehn Jahre später Kneipen haben das Rauchverbot überlebt

Das Rauchverbot in Gaststätten sorgte 2007 für einen großen Aufschrei in der Branche. Heute wird das Gesetz von den Bundesländern mehr oder weniger strikt gehandhabt - und die meisten Kneipen haben sich arrangiert.
Irish Pub Dublin Inn in Hannover

Irish Pub Dublin Inn in Hannover

Foto: Peter Steffen/ dpa

Es ist noch früh am Abend, wenige Tage vor Weihnachten in Hannover. In einem Irish Pub in der Innenstadt ist bereits jede Menge los. Viele Menschen wollen sich in der großen Gaststätte auf die Feiertage einstimmen: mit Freunden, Musik und einem Bier oder Glas Wein. Auch in der kleinen Menschentraube vor der Tür herrscht gute Stimmung. Stimmgewirr, Lachen - und hier und da sieht man einen kleinen glimmenden Lichtpunkt - die Glut einer Zigarette.

Philip Rittberg ist einer von denen, die viel Zeit vor Kneipentüren verbringen. Denn Rauchen ist inzwischen nicht nur im Dublin Inn verboten. "Ich hab mich daran gewöhnt", sagt der 31-Jährige. Neben ihm steht seine Schwester Julia. "Mir kommt das sehr gelegen. Mich stört der Qualm", meint sie. "Man merkt es jedes Mal an den Klamotten."

Kaum ein Thema spaltet die Gemüter der Deutschen so sehr wie das Rauchen. Jeder hat eine Meinung dazu - denn fast jeder ist betroffen, sobald er am sozialen Leben teilhaben will.

Besonders hoch kochte die Stimmung vor bald zehn Jahren. Im Juli 2007 beschloss die damalige Bundesregierung ein neues Nichtraucherschutzgesetz. Darin hielt sie die Bundesländer an, Regeln für das Rauchen in Kneipen aufzustellen. Der Aufschrei in der Branche war riesig. "Viele befürchteten, dass ein Verbot vor allem den kleinen Eckkneipen den Rest geben werde", erinnert sich Christopher Lück, Sprecher des Gaststättenverbands Dehoga.

Bundesweit striktes Rauchverbot

Inzwischen haben alle Bundesländer ein mehr oder weniger striktes Rauchverbot in Kneipen umgesetzt. Doch was hat das Gesetz bewirkt? Zunächst einmal stiftete es Verwirrung. "Damals hat die Tabakindustrie durchgesetzt, dass die konkrete Ausgestaltung den Ländern überlassen wird", sagt Siegfried Ermer. Er ist Bundesvorsitzender des Vereins Pro Rauchfrei, einer der größten Nichtraucher-Initiativen in Deutschland. Diese föderalistische Hintertür habe dazu geführt, dass das Rauchverbot in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt werde.

"Am konsequentesten haben es Nordrhein-Westfalen, Bayern und das Saarland umgesetzt", erklärt Ermer. Tatsächlich herrscht dort in allen Gaststätten und Kneipen absolutes Rauchverbot - auch in den kleinen Eckkneipen. Wer am Wochenende durch die Düsseldorfer Altstadt läuft, sieht vor jeder Bar die Rauchergruppen stehen.

In Hannover ist das Bild ein anderes. Hier haben längst nicht alle Kneipen ein Rauchverbot wie das Dublin Inn. "In Niedersachsen, Bremen und Baden-Württemberg sind die Gesetze sehr lasch", klagt der Pro-Rauchfrei-Vorsitzende.

Aus Sorge davor, dass die kleinen Eckkneipen noch schneller verschwinden als ohnehin schon, hat der niedersächsische Gesetzgeber Einrichtungen mit einer Größe von weniger als 75 Quadratmetern vom Rauchverbot ausgenommen. Die Auflagen: Zutritt ab 18 Jahren und kein Essensangebot. Für die Kontrollen sind die Kommunen zuständig.

Kneipen sterben - aber aus vielen Gründen

Aufgehalten wurde das Kneipensterben durch solche Ausnahmen indes nirgendwo. Laut den aktuellsten Daten des Dehoga ist die Zahl der Schankwirtschaften zwischen 2008 und 2014 deutschlandweit um mehr als 7000 auf rund 32.000 gesunken.

"Das Rauchverbot ist dafür nur ein Grund von vielen", schränkt Dehoga-Sprecher Christopher Lück ein. Viele Kneipen hätten zunächst Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, sagt Lück. Beziffern ließen sich die Verluste allerdings nicht. Wirtschaftlich habe sich die Lage wieder entspannt. "Die Eckkneipe stirbt auch deshalb, weil das kommunikative Element bei den jungen Leuten nicht mehr eine so wichtige Rolle spielt wie früher. Die wollen Entertainment, die wollen Lifestyle." Die Zahl der Bars stieg im selben Zeitraum um mehr als 200 auf deutschlandweit knapp 2000.

Pro-Rauchfrei-Chef Ermer ist sich sicher: "Ein Großteil der Raucher, mit denen ich spreche, hält das Verbot für gut, weil sie dadurch weniger rauchen." Seine Aussage wird gestützt von einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Im Tabak-Atlas aus dem Jahr 2015 heißt es: "Überzeugte Raucher gibt es nur wenige: Lediglich gut ein Drittel der Raucher haben noch nie im Leben versucht, das Rauchen aufzugeben. Die Mehrheit möchte aufhören." Als motivierend wird dabei auch das Rauchverbot in Gaststätten hervorgehoben.

mik/dpa
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