Nach Kirch-Prozess Razzia bei der Deutschen Bank

Betrugsverdacht: Im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess hat die Deutsche Bank erneut ungebetenen Besuch von der Staatsanwaltschaft. Die Ermittler durchsuchen Geschäftsräume in Frankfurt.
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Durchsuchung der Büroräume

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Durchsuchung der Büroräume

Foto: Mauritz Antin/ dpa

Frankfurt am Main - Die Münchner Staatsanwaltschaft hat im Fall Kirch erneut die Deutsche Bank durchsucht. Sprecher der Behörde und des Instituts bestätigten am Dienstag die Aktion. Es seien Räume des Geldhauses in Frankfurt sowie die Privaträume eines Beschuldigten in Hessen durchsucht worden, hieß es. An der Aktion seien rund 12 Beamte beteiligt gewesen.

Hintergrund sind Ermittlungen gegen Top-Manager des Geldhauses - darunter Co-Chef Jürgen Fitschen. Die Ermittler werfen Fitschen und seinen Vorgängern Rolf Breuer und Josef Ackermann vor, sich im Verfahren um eine Mitschuld an der Pleite von Kirchs Medienimperium abgesprochen zu haben. Die Banker sollen vor Gericht angeblich abgestimmte falsche Aussagen gemacht haben, um Schadenersatzansprüche abzuwehren, so der Vorwurf.

Die Ermittlungen seien am Dienstag ausgeweitet worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Man ermittle inzwischen gegen weitere Mitarbeiter des Kreditinstituts.

Am Montag war bekannt geworden, dass Ermittler am 18. März die Rechsantwaltskanzlei Hengeler Mueller durchsucht hatten. Demnach gingen die Beamten dem Verdacht der Beihilfe zum Prozessbetrug nach und beschlagnahmten Unterlagen. Hengeler Mueller hatte die Bank in dem Fall bis kurz vor dem Vergleich mit den Erben Kirchs jahrelang beraten.

Das Verfahren, mit dem die Erben von Leo Kirch milliardenschweren Schadenersatz bekommen wollten, ist inzwischen durch einen Vergleich beigelegt worden. Gegen Zahlung von rund 925 Millionen Euro einigte sich die Deutsche Bank mit den Kirch-Erben auf ein gütliches Ende der Dauerfehde um eine Verantwortung der Bank für die Pleite des Kirch-Medienimperiums 2002.

Der Fall Kirch aber lässt der Deutschen Bank auch jetzt keine Ruhe. Nach Informationen des SPIEGEL hat Fitschen inzwischen das Angebot der Anklagebehörde ausgeschlossen, das Ermittlungsverfahren gegen Zahlung einer Geldbuße einzustellen. Der Kampf zwischen Bank und Erben geht weiter, Ausgang offen.

ssu/bos/dpa/Reuters
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