Verdacht auf Preismanipulation EU lässt größte europäische Ölkonzerne durchsuchen

Razzia bei mehreren Ölfirmen in Europa: Laut EU-Kommission wurden Geschäftsräume in drei Ländern durchsucht. Unter anderem geht es um die Konzerne Shell, BP und Statoil. Die Unternehmen könnten Preise auf den Öl- und Kraftstoffmärkten manipuliert haben - mit Folgen für die Verbraucher.
Ölplattform vor der norwegischen Küste (Archivbild): Der Konzern Statoil ist betroffen

Ölplattform vor der norwegischen Küste (Archivbild): Der Konzern Statoil ist betroffen

Foto: A3131 epa Scanpix Hagen/ dpa

Brüssel - Auf Geheiß der EU-Kommission haben europäische Behörden an diesem Dienstag Razzien bei mehreren Ölkonzernen durchgeführt. Ermittler hätten am Dienstag Firmen in zwei Mitgliedstaaten sowie in einem weiteren europäischen Land durchsucht, teilte die Kommission mit. Sie nannte keine Namen, es gehe aber um Geschäfte mit Rohöl, Biokraftstoffen und raffinierten Ölprodukten.

Die betroffenen Unternehmen gingen selbst in die Offensive: Der norwegische Ölkonzern Statoil sowie die britische BP und die niederländisch-britische Shell teilten mit, dass sie zu den durchsuchten Unternehmen gehören. Statoil gab an, die Aufsicht der Europäischen Freihandelszone habe gemeinsam mit norwegischen Ermittlern Geschäftsräume am Hauptsitz Stavanger inspiziert. Alle drei Konzerne kündigten an, sie wollten mit den Behörden zusammenarbeiten. Ob noch weitere Unternehmen betroffen sind, war zunächst unklar.

Laut EU-Kommission geht es um den Verdacht der Manipulation von Preisen. Die Firmen könnten zusammengearbeitet haben, um die Daten bei einer Agentur zu verzerren, die Preise von Öl und Ölprodukten veröffentlicht. Zudem habe die Kommission den Verdacht, die durchsuchten Unternehmen könnten andere Ölfirmen davon abgehalten haben, am Preisfindungsmechanismus teilzunehmen.

Bei der Agentur handelt es sich offenbar um den weltgrößten Energieinformationsdienst Platts. Er gehört zur amerikanischen Konzerngruppe McGraw Hill, der Muttergesellschaft der Rating-Agentur Standard & Poor's. Platts teilte mit, die Kommission habe "eine Untersuchung in ihren Geschäftsräumen in London durchgeführt, die mit dem Preissetzungsprozess von Platts zusammenhängt". Man werde mit den Behörden kooperieren.

Die von Platts veröffentlichten Preise gelten als Richtwerte für milliardenschwere Ölgeschäfte weltweit - einschließlich entsprechender Wertpapiere auf den Finanzmärkten. "Sogar kleine Verzerrungen der angesetzten Preise können einen riesigen Einfluss auf die Preise von Rohöl, raffinierten Ölprodukten sowie Käufe und Verkäufe von Biokraftstoffen haben", erläuterte die EU-Kommission. Potentiell würden dabei auch die Verbraucher geschädigt.

Die Razzien zeigen, dass die Aufsichtsbehörden sensibler geworden sind - vor allem, wenn es um Preisfindungsprozesse geht. In den vergangenen Monaten hatten Behörden weltweit bereits harte Strafen gegen Banken verhängt, die Referenzzinssätze wie den britischen Libor oder den europäischen Euribor manipuliert haben sollen.

Drei Banken haben bereits dreistellige Millionenbeträge bezahlt: die UBS, Barclays und die Royal Bank of Scotland. Es wird erwartet, dass noch mehrere Institute folgen, unter anderem die Deutsche Bank.

stk/AFP/Reuters
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