Kartellverdacht Fahnder filzen Gebäudetechnik-Firmen

Die Staatsanwälte wurden an fast 50 Adressen vorstellig: Wegen des Verdachts auf Preisabsprachen hat es Razzien bei zahlreichen Unternehmen aus der Gebäudetechnik gegeben. Im Zentrum der Ermittlungen steht die niederländische Firma Imtech.

Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg: Zahlreiche Projekte unter Verdacht
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Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg: Zahlreiche Projekte unter Verdacht

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München - Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen "wettbewerbswidriger Absprachen" bundesweit gegen insgesamt 18 Unternehmen aus dem Bereich der Gebäudetechnik. Gestern durchsuchten die Fahnder 48 Objekte, unter anderem in Berlin, Stuttgart, Köln, Gießen, Bergisch Gladbach, Oberhausen, Ulm und Dresden. Das Verfahren richtet sich derzeit gegen rund 30 Beschuldigte. Im Fokus der Ermittlungen steht der Energie- und Gebäudetechnik-Spezialist Imtech.

Die Firma mit Hauptsitz in den Niederlanden soll mit diversen Konkurrenten, vor allem aus dem süddeutschen Raum, von 2007 an illegale Preisabsprachen getroffen haben. Betroffen von dem Kartell sind nach ersten Erkenntnissen der Ermittler vor allem Kraftwerksprojekte unter anderem in Lünen, Mannheim, Hamburg-Moorburg und Wilhelmshaven.

Allein beim Bau eines Kraftwerks im westfälischen Hamm soll der Betreiber RWE Chart zeigen durch das Kartell um Millionen gebracht worden sein. Aber auch bei Großprojekten in Frankreich, Schweden, Dänemark, den Niederlanden und Nigeria soll es illegale Absprachen gegeben haben. Die Fahnder gehen davon aus, dass die Kartellpartner Imtech in einigen Fällen überteuerte Aufträge überließen und dafür mittels Scheinrechnungen ihren Anteil kassierten.

Imtech bestätigte die Durchsuchungen. In der Deutschland-Zentrale hieß es weiter, das Unternehmen habe "bereits am 4. November 2014 und darauf folgend am 13. Januar 2015 die Märkte über einen möglichen Verstoß gegen das deutsche Kartellrecht in den Jahren 2008 bis 2010 unterrichtet". Eine interne Untersuchung unter Beteiligung externer Berater und Experten habe jedoch "keine Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht festgestellt".

Imtech sorgte wiederholt für Schlagzeilen

Imtech ist mit rund 30.000 Mitarbeitern und fünf Milliarden Euro Umsatz eines der größten Unternehmen in den Niederlanden. Zuletzt aber geriet der Konzern nicht nur wegen seiner schlechten Wirtschaftszahlen immer wieder in die Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt seit 2013 wegen Betrugsverdacht gegen ehemalige Top-Manager des Unternehmens.

Dabei ging es um fragwürdige Zahlungen in Höhe von gut als 30 Millionen Euro. Angeblich flossen diese für technische Dienstleistungen. Fahnder vermuten jedoch, dass es für die Überweisungen "keinen stichhaltigen geschäftlichen Grund" gab. Dubiose Zahlungen an den Zweitliga-Fußballclub VfR Aalen brachten das Unternehmen erst im vergangenen November wieder ungewollt in die Öffentlichkeit.



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