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Reaktion auf EU-Sanktionen: Teherans Warnungen und Waffenspiele

Foto: Kamran Jebreili/ AP

Reaktion auf Embargo Iran will Europa den Ölhahn zudrehen

In sechs Monaten tritt das EU-Embargo gegen Iran in Kraft, doch die Führung in Teheran kommt Europa zuvor: Die Öl-Exporte sollen sofort gestoppt werden. Besonders für die angeschlagenen Volkswirtschaften Südeuropas wäre das eine große Gefahr.

Teheran/London - Die iranische Regierung macht offenbar Ernst. Noch an diesem Wochenende will sie dem Parlament einen Gesetzentwurf vorlegen, der einen sofortigen Stopp der Öllieferungen nach Europa vorsieht. Das berichten mehrere Medien unter Berufung auf die staatliche iranische Nachrichtenagentur "Mehr". Zuvor hatte die Regierung in Teheran bereits mit einem solchen Schritt gedroht.

"Wenn der Entwurf angenommen wird, wird die Regierung ihre Ölverkäufe nach Europa stoppen müssen, bevor die EU das Ölembargo gegen Iran startet", zitiert die britische Zeitung "Financial Times" (FT) den Sprecher der Energiekommission des Teheraner Parlaments, Emad Hosseini. Bis Sonntag solle das Gesetz im Parlament sein.

Der geplante Lieferstopp ist eine Reaktion auf die in dieser Woche beschlossenen Wirtschaftssanktionen der EU gegen Iran. Sie sehen unter anderem vor, spätestens ab dem 1. Juli alle Öllieferungen des Landes in die Europäische Union zu stoppen.

Die Übergangszeit wurde vereinbart, um vor allem den wirtschaftlich angeschlagenen südeuropäischen Staaten Gelegenheit zu geben, sich neue Öllieferanten zu suchen. Sollte Iran nun seinerseits einen sofortigen Lieferstopp beschließen, könnte dies für Länder wie Italien, Griechenland oder Spanien zum Problem werden.

Viele Staaten der EU sind bisher stark auf das iranische Öl angewiesen. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg flossen im ersten Halbjahr 2011 täglich 450.000 Barrel aus dem Land nach Europa. Ein Barrel entspricht 159 Litern. Große Abnehmer sind die südeuropäischen Staaten. Laut "FT" bezieht Griechenland ein Drittel seiner Ölimporte aus Iran. Würde diese Versorgungsquelle abrupt versiegen, könnte dies die wirtschaftlichen Probleme in dem hochverschuldeten Land weiter verschärfen.

Am Mittwoch hatte bereits der Internationale Währungsfonds (IWF) vor den wirtschaftlichen Folgen des geplanten Embargos gewarnt. Der Lieferstopp des fünftgrößten Produzenten der Welt könnte den Ölpreis um 20 bis 30 Prozent nach oben treiben.

Am Donnerstag stiegen die Preise für verschiedene Ölsorten leicht an. Am Morgen kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent 110,73 Dollar. Das waren 92 Cent mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI legte um 81 Cent auf 100,21 Dollar zu.

stk
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