Reaktion auf Rating-Watsche China kritisiert Kreditsucht der USA

Die alte Weltmacht USA wird von der Rating-Agentur S&P herabgestuft - der Rivale China reagiert prompt. Pekings amtliche Nachrichtenagentur Xinhua kritisiert die Schuldenabhängigkeit der Vereinigten Staaten in deutlichen Worten - und stellt Forderungen an die Parteien in Washington.
Flaggen in Peking: "Kurzsichtiges politische Gezerre"

Flaggen in Peking: "Kurzsichtiges politische Gezerre"

Foto: AFP

Peking - Es ist die erste offizielle Reaktion aus China - und sie ist deutlich: Nach der Herabstufung der US-Bonität durch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat China Washington heftig wegen der US-Schuldenpolitik attackiert. Außerdem stellt Peking die Rolle des Dollars als globale Leitwährung in Frage.

Es müsse über Alternativen zum Dollar als Reservewährung nachgedacht werden, hieß es am Samstag in einem Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. "Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen."

Als größter Gläubiger Amerikas habe China jedes Recht, zu verlangen, dass die USA ihre strukturellen Schuldenprobleme in den Griff bekommen und die Sicherheit chinesischer Dollar-Anlagen sicherstellen, hieß es weiter. "Die US-Regierung muss die schmerzhafte Tatsache anerkennen, dass die guten, alten Tage vorbei sind, in denen sie sich in selbstverschuldeten Problemlagen einfach mehr Geld leihen konnte."

"Aufgeblähte Sozialausgaben"

Nach dem Schritt von S&P hatte die chinesische Rating-Agentur ihrerseits die US-Bonität von A+ auf A zurückgestuft. Weitere Schritte würden folgen, falls die USA ihre "riesigen Militärausgaben und aufgeblähten Sozialausgaben" nicht eindämmten, schrieb der Kommentator weiter. Meinungsbeiträge der Agentur Xinhua spiegeln oft die Ansichten der chinesischen Regierung wider.

Die Rating-Agentur S&P hatte zuvor die US-Bonität von der Bestnote AAA auf AA+ herabgestuft. Zugleich warnte die Agentur, der langfristige Ausblick sei negativ. Falls die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen sollten, "könnten wir das langfristige Rating innerhalb der nächsten zwei Jahre auf AA herabstufen", hieß es in einer Mitteilung. Die Regierung wehrte sich gegen die Einstufung und warf der Agentur einen Rechenfehler vor.

Unterstützung für Washington kam hingegen aus Europa. Frankreichs Wirtschaftsminister François Baroin gab an, keine Sorgen um die US-Wirtschaft zu haben. "Frankreich hat ein uneingeschränktes Vertrauen in die Stabilität der amerikanischen Wirtschaft", sagte er am Samstag. Baroin lobte die US-Regierung für ihr "entschlossenes Vorgehen", um die Schulden in den Griff zu bekommen.

Die Herabstufung der US-Bonität durch S&P dürfe man nicht überbewerten. Schließlich würden die USA von den anderen beiden Rating-Agenturen Moody's und Fitch weiterhin mit der Bestnote AAA bewertet, betonte der Minister.

"Einfach mal die Klappe halten"

Die deutsche Bundesregierung wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben. "Einfach mal die Klappe halten", wäre ein gutes Motto der Stunde, hieß es am Samstag aus deutschen Regierungskreisen lediglich.

Als Konsequenz schließen Experten weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten nicht aus. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in den USA sowie in Europa erhebliche Kursverluste gegeben. In der Bundesregierung gab es bereits am Vortag Verärgerung über den Vorstoß aus Brüssel, den Rettungsschirm für die schuldengeplagten Euro-Länder aufzustocken.

ore/dapd/dpa/AFP
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