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09. November 2011, 11:41 Uhr

Reaktion auf Schuldenschnitt

Ackermann warnt Euro-Staaten vor Geldmangel

Vor wenigen Wochen hat Josef Ackermann den Schuldenschnitt für Griechenland noch selbst mit ausgehandelt. Jetzt weist der Deutsche-Bank-Chef auf die Schattenseiten der Lösung hin. Man habe damit die "Büchse der Pandora" geöffnet. Für die Finanzierung der Staaten könne das schwere Folgen haben.

London - Als Durchbruch war der Euro-Gipfel Ende Oktober von der Politik gefeiert worden - vor allem, weil die Staats- und Regierungschefs den internationalen Banken einen Schuldenschnitt von 50 Prozent abgerungen hatten. Noch ist der Schnitt nicht vollzogen, da warnen die Banken schon vor negativen Folgen für die künftige Finanzierung von Staaten.

"Wenn man die Büchse der Pandora öffnet, wer wird dann noch in Staatsanleihen investieren?", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Interview mit der britischen Zeitung "Financial Times". "Die schwere Störung einer risikofreien Anlageklasse wird langfristige Folgen haben."

Im Klartext heißt das: Die Banken werden künftig vorsichtiger sein beim Kauf von Staatsanleihen - und den Regierungen nicht mehr blind Geld leihen. Die Staaten müssen sich das Geld also entweder woanders besorgen, oder einfach mehr sparen.

Schon jetzt bekommen einige Staaten diese Auswirkungen des griechischen Schuldenschnitts zu spüren. Seit klar ist, dass die Banken auf 50 Prozent ihrer Griechenland-Anleihen verzichten sollen, haben sie sich auch verstärkt von Papieren anderer Problemländer getrennt - insbesondere von italienischen Anleihen.

Das hat dazu geführt, dass die Kurse für italienische Staatspapiere seit dem Euro-Gipfel deutlich gesunken und die Risikoaufschläge stark gestiegen sind. Am Mittwoch stieg der Zinssatz, den Anleger für den Kauf der Anleihen verlangen, erstmals über sieben Prozent. Eigentlich hatten sich die Politiker von dem Gipfel Ende Oktober eine beruhigende Wirkung auf die Finanzmärkte erhofft.

Der Verzicht der Banken im Falle Griechenlands dürfe nicht zum Präzedenzfall werden, sondern müsse eine Ausnahme bleiben, sagte Ackermann, der auch Präsident des Internationalen Bankenverbandes IIF ist.

stk/Reuters/dpad

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