Rechtsstreit mit Dresden Immobiliengigant Gagfah klagt zurück

Die Gagfah wehrt sich. Im März hatte Dresden eine milliardenschwere Klage gegen Töchter des Wohnungskonzerns eingereicht - nun verklagt der Immobiliengigant seinerseits die Stadt. Streitwert: bis zu 800 Millionen Euro.

Gagfah-Immobilie in Dresden: Klage der Stadt aus rein wirtschaftlichem Interesse?
dapd

Gagfah-Immobilie in Dresden: Klage der Stadt aus rein wirtschaftlichem Interesse?


Dresden - Der finanziell angeschlagene Immobilienkonzern Gagfah geht auf Konfrontationskurs: Die von der Stadt verklagten Töchter des Wohnungsunternehmens hätten ihrerseits Widerklagen gegen die Stadt Dresden eingereicht, teilte die Gesellschaft am Dienstag mit. Darüber hinaus habe eine der Gesellschaften, die Woba Dresden, eine Klage gegen den Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) eingereicht. Die Stadt Dresden wollte die Vorgänge mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht kommentieren.

Das zum US-Finanzinvestor Fortress gehörende Unternehmen unterstellt der Stadt egoistische Motive: In den Klageerwiderungen und Widerklagen wird laut Gagfah Chart zeigen dargelegt, dass die Klagen der Stadt Dresden unbegründet und darüber hinaus rechtsmissbräuchlich sind. Ihre Erhebung diene nicht dem Mieterschutz, sondern habe vor allem handfeste wirtschaftliche Aspekte.

Durch die Klagen solle geklärt werden, ob den Tochtergesellschaften in Zusammenhang mit der Klage Ansprüche gegen die Stadt zustehen, hieß es weiter auf der Internetseite des Unternehmens. Wie hoch diese im Erfolgsfall wären, lasse sich noch nicht vorhersagen. Nach vorläufigen internen Schätzungen könnten sie sich auf bis zu 800 Millionen Euro belaufen.

Gagfah erhebt persönliche Vorwürfe gegen Finanzbürgermeister Vorjohann wegen "schwerwiegender Sorgfaltspflichtverletzungen" als Aufsichtsrat der Gesellschaft: Er habe Anfang März, nachdem Dresden die Klage öffentlich angedroht hatte, als Gegenleistung für ein Unterbleiben der Klageerhebung unter anderem die Forderung aufgestellt, dass die Stadt an einem sich dann einstellenden Kursanstieg der Gagfah-Aktie partizipiere. Anfang Mai hatte die Gagfah ihn aus dem Aufsichtsrat entlassen.

In der juristischen Schlacht geht es um viel Geld: Die Stadt Dresden fordert in ihrer Klage gegen die Gagfah-Töchter wegen angeblichen Vertragsbruchs nach Gerichtsangaben rund 1,08 Milliarden Euro. Beklagt werden die zwei Dresdner Wohnungsunternehmen, die 2006 unter einem gemeinsamen Dach an den Gagfah-Eigentümer Fortress verkauft wurden.

fdi/dpa/dapd



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mimas1789 14.06.2011
1. Wen wundert es?
Soziale Aufgaben privatisieren. Wer so etwas unternimmt ist ein Volksschädling und muss seiner Ämter enthoben werden und ist schadensersatzpflichtig. Frage: wem gehört den der Grüne Punkt? Wem zahlen wir da die Gebühren? Antwort: einem US Investor. Ursprüngliche Aufgabe: Umweltschutz Heutige Aufgabe: Shareholder Value. Genauso ists bei der Gagfah. Wen wundert es? Mich nicht.
Hardliner 1, 14.06.2011
2. Ehrentitel
Zitat von sysopGagfah wehrt sich. Im März hatte Dresden eine milliardenschwere Klage gegen Töchter des von einem US-Finanzinvestor übernommenen Wohnungskonzerns eingereicht*- nun verklagt der Immobiliengigant seinerseits die Stadt. Streitwert:*bis zu 800 Millionen Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,768319,00.html
Wenn ein Unternehmen den Ehrentitel "Heuschrecke" verdient, dann die Gagfah/Fortress. Von den ehemaligen Vorstandsmitgliedern nach der Gründung der Gagfah (ich glaube vor 5 oder sechs Jahren) ist kein einziges mehr im Amt. Ein Amerikaner hat nun das Sagen.
Wer ich wirklich bin, 14.06.2011
3. !
Zitat von Hardliner 1Wenn ein Unternehmen den Ehrentitel "Heuschrecke" verdient, dann die Gagfah/Fortress. Von den ehemaligen Vorstandsmitgliedern nach der Gründung der Gagfah (ich glaube vor 5 oder sechs Jahren) ist kein einziges mehr im Amt. Ein Amerikaner hat nun das Sagen.
Der Käufer war aber vorher bekannt. Insofern darf sich die Politik an die eigene Nase fassen. Selbst die Linke hat ja dem Verkauf zugestimmt.
buddelflinkfg 14.06.2011
4. Das liebe Geld
Tja, das hat man nun davon, wenn man das Tafelsilber verramscht. Schuldenfrei ist halt nicht alles. Ist doch klar das sich so ein Konzern nicht von ein paar pobeligen Stadträten auf der Nase herumtanzen lässt
sam07 14.06.2011
5. Gagfah-Mutationen
Wen wundert's? Es ist doch das erklärte Ziel des Neoliberalismus, so viel wie möglich zu privatisieren, dem Staat die Verantwortung zu entreißen, dem Götzen "Markt" zu huldigen und jeden Bürger für sein Leben selbst verantwortlich zu machen. Damit werden die sozialen Netze gesprengt und die, welche nicht mithalten können - das muss keineswegs Faulheit oder Bequemlichkeit sein - bleiben auf der Strecke. Für das allgemeine Wohl soll kein Geld mehr ausgegeben werden, nur wenn die Gier der Neoliberalen mal wieder größer war als ihre Fähigkeiten (Banken), dann soll der Steuerzahler für die Spekulationen aufkommen. Gegenleistungen? Keine. So lange wir uns widerstandslos ergeben und nur in Foren herumlabern, so lange werden Unternehmen wie die Gagfah und andere ihr perverses und menschenverachtendes Spiel weiter treiben. Und irgendwann wird aus der derzeitigen Scheindemokratie eine echte Diktatur.
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