Reckitt Benckiser Kondomhersteller bietet 16,7 Milliarden Dollar für Babynahrungskonzern

Versagt das eine Produkt, kann man Geld mit dem anderen verdienen: Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser will den US-Babynahrungshersteller Mead Johnson für 16,7 Milliarden Dollar kaufen.

Reckitt-Benckiser-Chef Rakesh Kapoor (2013)
REUTERS

Reckitt-Benckiser-Chef Rakesh Kapoor (2013)


Bislang verdient Reckitt Benckiser daran, Geburten zu verhindern: Zu seinen vielen Produkten zählen auch Kondome der Marke Durex. Nun will der britische Konsumgüterkonzern sein Portfolio um Babynahrung erweitern und bietet 16,7 Milliarden Dollar für das US-Unternehmen Mead Johnson Nutrition. Es gebe fortgeschrittene Verhandlungen, teilte Reckitt mit.

Dass sich Reckitt damit theoretisch in die Lage bringt, vom Versagen eines seiner Produkte zu profitieren, dürfte bei dem geplanten Deal allerdings höchstens eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Vielmehr würde der Hersteller von Produkten wie Sagrotan, Nurofen-Fiebersaft oder Durex-Kondomen damit seine Präsenz in Asien stärken und zudem in ein völlig neues Geschäftsfeld vorstoßen. Bislang hat der Konzern noch keine Säuglingsnahrung im Angebot. Die Top-Marken sind vor allem Reinigungsmittel und freiverkäufliche Gesundheitsprodukte.

An dem Konsumgüterkonzern hält die deutsche Milliardärsfamilie Reimann wesentliche Anteile. Ihr Vermögen geht auf den Ludwigshafener Spezialchemiekonzern Benckiser und dessen Fusion 1999 mit der britischen Reckitt zurück. Mead Johnson ist in den USA bekannt für seine Säuglingsnahrungsmarke Enfamil. Allerdings macht das Unternehmen den meisten Umsatz inzwischen in Asien. 2016 setzte 2016 Mead Johnson gut 3,7 Milliarden Dollar um. Zum Vergleich: Reckitt kam 2015 auf einen Umsatz von knapp 8,9 Milliarden Pfund (Ende 2015 waren das rund 13,2 Milliarden Dollar).

An der Börse stieg der Kurs der Reckitt-Aktien Chart zeigen nach der Ankündigung um fünf Prozent. Reckitt will pro Mead-Johnson-Aktie 90 Dollar zahlen. Das entspricht einem Aufschlag von knapp 30 Prozent auf den Schlusskurs von Mittwoch. Der Kurs der Mead-Johnson-Aktien stieg nach Bekanntgabe der Übernahmeabsicht um 22 Prozent.

Mead Johnson wurde 2009 vom US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb abgespalten. Weil der Babynahrungskonzern in den stark wachsenden Märkten Asien und Lateinamerika hohe Marktanteile hat, galt er schon länger als Übernahmekandidat. Allerdings hatten Branchenbeobachter eher mit Danone oder Nestlé als potenziellen Käufern gerechnet.

fdi/Reuters



insgesamt 2 Beiträge
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noalk 02.02.2017
1. Kaufpreis-Umsatz-Verhältnis
16,7 G$ Kaufpreis für 3,7 G$ Jahresumsatz? Da muss die Umsatzrendite aber sehr ansehnlich sein, vorsichtig ausgedrückt. Mit anderen Worten: Die Firmenprodukte sind offensichtlich überteuert.
thequickeningishappening 02.02.2017
2. # 1
Das ist die Tulpomanie der Nullzinsphase! Mich würde interessieren ob die 90 Dollar/Share in Cash oder in eigenen Aktien bezahlt werden? Obwohl, ist ja Beides Papier!
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