Opioidkrise in den USA Reckitt Benckiser schließt Vergleich über 700 Millionen Dollar

Die Pharmaindustrie soll die Opioidkrise in den USA mit mehr als 400.000 Toten ausgelöst haben. Im Streit über die Verantwortung hierfür hat mit Reckitt Benckiser nun ein weiteres Unternehmen einen Prozess abgewendet.
Suboxone-Tabletten: Hat Reckitt Benckiser Patienten und Ärzte getäuscht?

Suboxone-Tabletten: Hat Reckitt Benckiser Patienten und Ärzte getäuscht?

Foto: Brian Snyder/ REUTERS

Für viele Abhängige von starken Schmerzmitteln schien Suboxone eine Hoffnung zu sein. Das Präparat, so die Erwartung, könne sie von ihrer Sucht befreien. Doch in dem über den britischen Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser vertriebenen Mittel steckt selbst ein Opioid, das offenbar ebenfalls abhängig macht.

Reckitt Benckiser   wurde vorgeworfen, dieses Mittel über die bis 2014 zum Konzern gehörende Pharmafirma Individor unzulässigerweise als Ersatz vermarktet - und beworben zu haben. Im Streit mit mehreren US-Bundesstaaten über die dubiosen Marketingmethoden hat sich Reckitt Benckiser nun aber auf einen Vergleich geeinigt. Das Unternehmen habe im Rahmen des Kompromisses eine Zahlung von 700 Millionen Dollar akzeptiert, teilte New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James mit.

Es ist einer von bereits mehreren Vergleichen, mit denen Pharmakonzerne versuchen, aufwendige und womöglich teure Schmerzmittelprozesse durch Vergleiche abzuwenden. Erst vor wenigen Tagen schlossen die Firmen McKesson, AmerisourceBergen, Cardinal Health und Teva entsprechende Vereinbarungen - und sollen zusammen einen dreistelligen Millionenbetrag zahlen. Zuvor hatte auch Johnson & Johnson in dem Fall einen Vergleich erzielt, war im US-Staat Oklahoma aber auch zu einer Strafe von 572 Millionen Dollar verurteilt worden.

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Im Fall von Reckitt Benckiser sollen zudem Kunden und die staatliche Krankenversicherung Medicaid getäuscht worden sein. Indivior erschlich sich den Behörden zufolge Milliarden an Umsätzen, indem es Ärzte und Krankenkassen glauben gemacht habe, seine Arznei sei als Filmtablette sicherer und führe seltener zu Abhängigkeit. Im Juli hatte der Konzern wegen der Vermarktung dieses opioidhaltigen Medikaments bereits auch einen 1,4 Milliarden Dollar teuren Vergleich mit dem US-Justizministerium und der Handelsbehörde FTC erzielt.

In den USA starben in den vergangenen Jahren rund 400.000 Menschen an einer Überdosis. 2018 war die Zahl der Drogentoten in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten gesunken. 2018 starben laut US-Gesundheitsbehörden rund 68.600 Menschen an einer Überdosis, im Jahr 2017 gab es circa 72.200 Todesfälle. Besonders das Unternehmen Purdue Pharma - bekannt als Hersteller des berüchtigten Schmerzmittels Oxycontin - war wegen des Suchtproblems in die Kritik geraten.

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SPIEGEL TV
apr/dpa/Reuters
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