Reaktion auf Sanktionen Reederei Maersk stoppt Containerverkehr mit Russland

Die weltgrößte Containerreederei Maersk zieht Konsequenzen aus den Sanktionen gegen Russland. Das Unternehmen setzt Frachterfahrten von und zu allen russischen Häfen aus. Für bestimmte Güter gelten aber Ausnahmen.
Maersk-Containerschiff (Archivbild): Russland wird nicht mehr angelaufen

Maersk-Containerschiff (Archivbild): Russland wird nicht mehr angelaufen

Foto: Sina Schuldt / dpa

Der Schifffahrtskonzern Maersk wird als Reaktion auf die westlichen Sanktionen vorübergehend den gesamten Containerverkehr von und nach Russland einstellen. »Da die Stabilität und Sicherheit unserer Abläufe bereits direkt und indirekt durch die Sanktionen beeinträchtigt wird, werden neue Buchungen von Maersk im See- und Landverkehr von und nach Russland vorübergehend ausgesetzt«, teilte Maersk mit.

Die Entscheidung betreffe alle russische Häfen. Lebensmittel, medizinische und humanitäre Lieferungen seien aber ausgenommen.

Maersk betreibt Containerschifffahrtsrouten nach St. Petersburg und Kaliningrad in der Ostsee, Novorossiysk im Schwarzen Meer und nach Wladiwostok und Wostochny an der russischen Ostküste.

Der Konzern besitzt 31 Prozent des russischen Hafenbetreibers Global Ports, der sechs Terminals in Russland und zwei in Finnland betreibt. Zu den Aktionären von Global Ports gehören auch das staatliche russische Atomunternehmen Rosatom und der russische Geschäftsmann Sergej Schiskarew.

»Mit Global Ports prüfen wir, wie wir die sich ständig weiterentwickelnden Sanktionen und Beschränkungen einhalten können und bereiten mögliche nächste Schritte vor«, erklärte Maersk.

Das in Kopenhagen ansässige Unternehmen hat rund 500 Mitarbeiter in Russland. Vergangene Woche hatte es vorübergehend alle Hafenanläufe in der Ukraine gestoppt, wo es in Odessa rund 60 Mitarbeiter beschäftigt.

Maersk trifft damit ähnliche Entscheidungen wie zuvor das in Singapur ansässige Logistikunternehmen Ocean Network Express (ONE), die deutsche Reederei Hapag Lloyd und die in der Schweiz ansässige Reedereigruppe MSC.

Die Fahrpläne der Linienreedereien wurden in den vergangenen Monaten bereits durch die Folgen der Coronapandemie kräftig durcheinandergewirbelt. Das sorgte auch für große Probleme bei Lieferketten. Schiffe und Container sind schon jetzt oft nicht da, wo sie sein sollen – zum Leidwesen von Verbrauchern und Unternehmen, die seit Monaten zum Teil sehr lange auf bestellte Ware warten müssen.

Nun kommen noch die Folgen des Ukrainekrieges hinzu. In der deutschen Industrie ziehen große Konzerne bereits Konsequenzen. Daimler will seine Aktivitäten in Russland bis auf Weiteres ruhen lassen.

Auch der niederländisch-britische Ölkonzern Shell will seine Zusammenarbeit mit dem russischen Gasmonopolisten Gazprom und damit verbundenen Unternehmen beenden. Betroffen davon ist unter anderem die Beteiligung an der Sachalin-II-Flüssiggasanlage.

Der britische Energiekonzern BP hat sich infolge des Ukrainekrieges bereits von seinen Anteilen am russischen Ölunternehmen Rosneft getrennt. BP hatte seit 2013 einen Anteil von 19,75 Prozent der Rosneft-Aktien gehalten. Britischen Medienberichten zufolge gab BP mit dem Schritt Druck aus der Regierung in London nach.

Die Post-Tochter DHL teilte mit, sie befördere keine Sendungen mehr nach Russland. »Einfuhren nach Russland haben wir (…) bis auf Weiteres ausgesetzt, weshalb wir aktuell auch keine Sendungen entgegennehmen, die für Russland bestimmt sind«, teilte DHL mit. Transportleistungen in die und aus der Ukraine hatte DHL bereits zuvor vorübergehend eingestellt.

Ifo meldet wieder mehr Lieferprobleme

Bereits jetzt haben viele Unternehmen in Deutschland Schwierigkeiten, weil ihnen wichtige Teile fehlen. Nach einer vorübergehenden Entspannung im Januar haben sich die Lieferprobleme im Einzelhandel laut einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts im vergangenen Monat wieder verschärft. Wie das Wirtschaftsforschungsinstitut mitteilte, gaben 76,3 Prozent der befragten Einzelhändler im Februar an, dass nicht alle bestellten Waren geliefert werden konnten. Im Januar waren es noch 57,1 Prozent gewesen.

»Die Entspannung im Januar war nicht nachhaltig«, erklärte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. »Vereinzelte Lücken in den Regalen bleiben somit vorerst bestehen.«

Laut der Erhebung, die auf den monatlichen Ifo-Konjunkturumfragen bei Unternehmen basiert, klagten im Februar deutlich mehr Supermärkte als noch im Vormonat über Versorgungsengpässe: Der Anteil stieg von 18,4 auf 60,5 Prozent.

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Angespannt bleibt die Lage demnach bei den Händlern von Spielwaren, Fahrrädern und Autos. Jeweils rund 95 Prozent berichteten von Lieferproblemen. Auch im Möbelhandel habe sich die Lage wieder verschlechtert, erklärte das Ifo weiter. Der Anteil stieg von 66,6 auf 90 Prozent.

»Der Handel muss sich gegenwärtig vielen Herausforderungen stellen«, erklärte Wohlrabe. »Auf der einen Seite verbessern sich die Aussichten mit Blick auf die Lockerungen der Covid-Einschränkungen«, erläuterte er. »Auf der anderen Seite belasten die Lieferengpässe und die Inflation die Lage.«

mmq/Reuters