Zu geringe Produktivität Studie warnt vor Wohlstandsverlust in Deutschland

Wachstum und Wohlstand werden deutlich leiden, sollte Deutschland nicht produktiver werden, warnt die Unternehmensberatung Deloitte. Zugleich präsentiert sie Vorschläge für einen »echten Wachstumsboost«.
Mitarbeiterin bei VW: Frauen soll Erwerbstätigkeit leichter gemacht werden

Mitarbeiterin bei VW: Frauen soll Erwerbstätigkeit leichter gemacht werden

Foto: Julian Stratenschulte/ DPA

Eigentlich ist die Bundesregierung mit Krisenbewältigung bereits genug beschäftigt. Doch Berater mahnen dazu, grundsätzliche Reformprojekte unbedingt voranzutreiben – sonst stehe der deutsche Wohlstand auf der Kippe.

Trotz technischen Fortschritts und Automatisierung habe sich das Produktivitätswachstum der Volkswirtschaft im vergangenen Jahrzehnt gegenüber der vorangegangenen Dekade halbiert, schreibt die Unternehmensberatung Deloitte in einer Studie.

Das sei für eine alternde Gesellschaft mit sinkender Erwerbsbevölkerung besonders schlecht.

Weichen müssen schnell gestellt werden

»Gelingt es nicht, den negativen Produktivitätstrend umzukehren, wird der Standort an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Wachstum und Wohlstand werden deutlich leiden«, warnte der Chefvolkswirt von Deloitte Deutschland, Alexander Börsch.

Die Empfehlung der Berater: mehr erwerbstätige Frauen, mehr Digitalisierung und mehr Firmengründungen.

»Wie die Weichen in den nächsten Jahren gestellt werden, entscheidet über den künftigen Wohlstand des Landes und die Lebensqualität nachfolgender Generationen«, sagte Volker Krug, Deutschlandchef von Deloitte.

Mit der richtigen Politik sei bis 2030 ein Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent jährlich und die Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 8600 Euro auf 51.600 Euro pro Kopf möglich.

Das empfehlen die Unternehmensberater

Mehr Frauen in Vollzeit:

Ein entscheidender Hebel sei der Arbeitsmarkt, schreiben die Berater. Die Automatisierung könne den zunehmenden Fachkräftemangel nicht kompensieren. Aber mit flexiblen Arbeitszeiten und umfassender Kinderbetreuung könnten mehr Frauen in Vollzeit arbeiten. Auch eine höhere Erwerbsquote ausländischer und älterer Bürger würde helfen.

Tempo bei der Digitalisierung:

Entscheidend für Wachstum und wettbewerbsfähige Standorte seien auch Softwareinvestitionen und ein rascher Breitbandausbau, rät Deloitte. »Deutschland muss die Digitalisierung entschlossener angehen und deutlich an Umsetzungsgeschwindigkeit gewinnen«, sagte Krug. Sonst »wird sich der Rückstand digitaler Technologien bemerkbar machen, und die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft wird darunter langfristig leiden«.

Weniger Bürokratie bei Firmengründungen:

Digitale Neuentwicklungen fänden vermehrt in Start-ups statt, schreibt Deloitte. »Allerdings bremsen strukturelle und regulatorische Schwierigkeiten junge Unternehmen hierzulande aus. Mehr Risikokapital-Investitionen und weniger administrativer Aufwand würden einen echten Wachstums-Boost nach sich ziehen«, heißt es in der Studie.

mmq/dpa