Regierungskrise in Italien Berlusconi geht, die Märkte zittern

Die Freude über Silvio Berlusconis Rücktrittsankündigung währte nur kurz: In Europa und den USA sind die Börsenkurse nach einem kurzen Hoch wieder auf Talfahrt. Investoren fürchten, dass auch die nächste italienische Regierung die Probleme nicht lösen kann - oder Berlusconis Rückzug gar eine Finte ist.

Börsianer in Frankfurt: Furcht vor der Dauerkrise
DPA

Börsianer in Frankfurt: Furcht vor der Dauerkrise


Frankfurt/New York - Silvio Berlusconi will abtreten. Doch ob und wie sein Land den Weg aus der Schuldenkrise findet, ist weiter unklar. Diese Unsicherheit hat am Mittwoch die internationalen Finanzmärkte erschüttert.

Am Morgen hatten die Aktienmärkte auf die Ankündigung Berlusconis noch mit vorsichtigen Käufen reagiert, im Laufe des Tages aber kippte die Stimmung. Der Dax Chart zeigen fiel um 2,2 Prozent auf 5829 Punkte. Der EuroStoxx 50 Chart zeigen verlor rund zwei Prozent. In Mailand sackte der Standardwerte-Index Mib um 3,8 Prozent ab. An den Devisenmärkten flohen die Anleger in Scharen aus dem Euro Chart zeigen. Die Gemeinschaftswährung verlor fast drei US-Cent auf Kurse unter 1,36 Dollar.

An der Wall Street drückte die Angst um die Zukunft Italiens ebenfalls die Kurse deutlich ins Minus. Der Dow Jones Chart zeigen folgte den schwachen europäischen Märkten und rutschte um 3,20 Prozent auf 11 780,94 Punkte ab. Der S&P 500 sank um 3,67 Prozent auf 1229,10 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq ging es für den Composite-Index Chart zeigen um 3,88 Prozent auf 2621,65 Punkte bergab.

Vor allem am Rentenmarkt kam es zu Turbulenzen, nachdem die Renditen für die italienischen Staatsanleihen auf Rekordniveau geklettert waren. Sowohl für die zehn- als auch für die fünfjährigen Papiere muss Italien nunmehr klar über sieben Prozent berappen - so viel wie noch nie seit der Einführung des Euro. "Der exorbitante Anstieg der Renditen für italienische Staatsanleihen ist schon sehr bedenklich", sagte ein Händler.

Als Grund für den Anstieg nannten Händler die Anhebung der Abschläge durch den britischen Wertpapier-Abwickler LCH Clearnet für italienische Anleihen. "Allein die Tatsache, dass die Rendite der zehnjährigen italienischen Anleihen die wichtige Marke von sieben Prozent übersprungen hat, deutet darauf hin, dass die Krise mit dem quälend langsamen Abgang Berlusconis nicht zu Ende ist", fasste Joshua Raymond, Chef-Marktstratege des Handelshauses City Index, die Lage zusammen. Metzler-Bank-Analyst Mario Mattera warnte, bei Renditen über sieben Prozent werde die Lage für ein Land derzeit kritisch. So sei es zumindest bei Irland und Portugal gewesen.

Auch Iran sorgt für Unruhe

Allerdings sorgte nicht nur Italien an den Märkten für Unruhe. Handelsvorstand Florian Weber von der Schnigge Wertpapierhandelsbank machte auch die politische Unsicherheit im Iran als einen der Hauptbelastungsfaktoren aus. Aus aktuellen Berichten hieß es, dass der Iran zumindest bis 2010 an einer Atombombe gebaut habe. Zudem betonte Präsident Mahmud Ahmadinedschad inzwischen, dass der Iran sein Atomprogramm fortsetzen werde.

Doch vor allem Italien steht im Fokus. Berlusconi will erst nach der Verabschiedung einer geplanten Haushaltsreform zurücktreten. Die Opposition will darüber in den nächsten Tagen abstimmen. "Es gibt keine Garantie, dass Berlusconis Nachfolger einen besseren Job macht", sagte Fondsmanager Christian Jimenez von der Vermögensverwaltung Diamant Bleu.

Andere Händler fürchten gar, Berlusconis Rückzug könnte eine Finte sein. Nach Ansicht von Jan Randolph, Leiter der Länder-Risikoanalyse beim Informationsdienst IHS, ist der Premier keineswegs aus dem Rennen. "Berlusconi ist der führende politische Taktierer", sagte er. "Und niemand wird glauben, dass er zurückgetreten ist, bis er wirklich zurückgetreten ist. Er hat Vertrauensabstimmungen überlebt und er hat Comebacks inszeniert. Niemand glaubt, dass er weg ist, bevor er gegangen ist."

Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano versuchte am Mittwoch, solche Bedenken zu zerstreuen. Es sei "eine Frage von Tagen", bis die von der Europäischen Union geforderten Reformen das Parlament passiert hätten. Er werde dafür arbeiten, dass eine längere Periode politischer Ungewissheit vermieden werde. Italien ist nach Griechenland das Mitglied mit der höchsten Staatsverschuldung, gemessen an der Wirtschaftsleistung. Inzwischen überwachen die Europäische Union und der IWF die Sanierung des Landes.

dab/dpa/Reuters

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systemfeind 09.11.2011
1. Eilmeldung : "kulturzeit" : google mächtiger als das Vaterland
Zitat von sysopDie Freude über*Silvio Berlusconis Rücktrittsankündigung währte nur kurz: In Europa und den USA sind die Börsenkurse nach einem kurzen Hoch wieder auf Talfahrt. Investoren fürchten, dass auch die nächste italienische Regierung*die Probleme nicht lösen kann*- oder Berlusconis Rückzug gar eine Finte ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,796885,00.html
gekaufte google Philosophen aus UK sagen : "google ist mächtiger als Deutschland" . kann sein . Aber Deutschland ist mächtiger denn Engeland . Soviel Zeit muss sein .
blog1 09.11.2011
2. Der Cavalliere
Was vorher nicht möglich erschien, nämlich dass ein - völlig korrupter Politiker, dem Verbindungen zur Mafia nachgesagt werden, - der Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung als Kavaliersdelikt bezeichnet , - der mehrere Gesetze geändert hat, um den Zugriff der Justiz auf ihn zu verhindern, - der die Meinungs- und Pressfreiheit mit Füßen tritt, - der sich an Minderjährigen vergreift, aus dem Amt gejagt wird, ist nun ausgerechnet durch die vielgescholten Kapitalmärkte zur Strecke gebracht worden. Wie ich schon sagte, das jetzige Finanzsystem explodiert nicht, es implodiert.
mr green 09.11.2011
3. lol
Zitat von sysopDie Freude über*Silvio Berlusconis Rücktrittsankündigung währte nur kurz: In Europa und den USA sind die Börsenkurse nach einem kurzen Hoch wieder auf Talfahrt. Investoren fürchten, dass auch die nächste italienische Regierung*die Probleme nicht lösen kann*- oder Berlusconis Rückzug gar eine Finte ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,796885,00.html
wie überraschend. genau so einen artikel hatte ich erwartet nachdem der erste artikel über steigende märkte im zusammenhang mit berlusconi erschienen ist. wie verkürzt kann man eigentlich denken?! faszinierend, lol, southpark!!!
rafkuß 09.11.2011
4. Das Entscheidende aber ist doch, dass besagter...
Zitat von blog1Was vorher nicht möglich erschien, nämlich dass ein - völlig korrupter Politiker, dem Verbindungen zur Mafia nachgesagt werden, - der Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung als Kavaliersdelikt bezeichnet , - der mehrere Gesetze geändert hat, um den Zugriff der Justiz auf ihn zu verhindern, - der die Meinungs- und Pressfreiheit mit Füßen tritt, - der sich an Minderjährigen vergreift, aus dem Amt gejagt wird, ist nun ausgerechnet durch die vielgescholten Kapitalmärkte zur Strecke gebracht worden. Wie ich schon sagte, das jetzige Finanzsystem explodiert nicht, es implodiert.
...Bungabungapolitiker und obig entsprechend Beschriebener noch immer ganz offensichtlich von ca. 1/3 der Italiener gestützt wird. Was für ein Volk! Ich weiss: Jedes Volk hat die Politiker, die es verdient... Umkehrschluss: Ein Großteil der Italiener hat es gar nicht anders verdient, als den Rest dieses Jahrhunderts als Galeereruderer der "Finanzmärkte" abzudienen! An die Ruder, los! Oder was?
Christian Wernecke 09.11.2011
5. Anti-Berlusconi-Geschrei rettet Italien nicht
Ich kann diese ganze Freude über Berlusconi's Rücktritt nicht verstehen. Ist ohne ihn Italien plötzlich wieder bärenstark? Die Märkte haben da wohl Zweifel und lassen sich von diesem Anti-Berlusconi-Geschrei nicht beeindrucken. Für sie zählt alleine die Frage, ob Italien den Weg aus dem Schuldensumpf schafft. Scheinbar glauben dies immer weniger Kapitalgeber und halten dafür die Hand auf. Verständlich.
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