Reise-Buchungen Kartellamt mahnt Hotelportal HRS ab

Das Kartellamt hat Deutschlands größtes Buchungsportal HRS im Visier. Die Wettbewerbshüter kritisieren die strengen Verträge, die das Unternehmen Hoteliers auferlegt - und damit Konkurrenten aus dem Markt drängt.
HRS-Logo auf einer Tourismusmesse: Blauer Brief vom Kartellamt

HRS-Logo auf einer Tourismusmesse: Blauer Brief vom Kartellamt

Foto: dapd

Bonn - Auf der Jagd nach Hotel-Schnäppchen nutzen viele Bürger Buchungsportale im Internet. Doch Marktführer HRS hat nun Ärger mit dem Kartellamt bekommen: Die Behörde mahnte die Firma wegen Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht ab.

Grund ist die sogenannte Best-Preis-Klausel. Damit lässt sich HRS von seinen Hotelpartnern für das gesamte Angebot im Internet den günstigsten Preis, die höchste Zimmerverfügbarkeit und die günstigsten Stornierungskonditionen garantieren. Mit anderen Worten: Die Hoteliers dürfen ihren Kunden Dienstleistungen nicht günstiger anbieten als im Internet über HRS.

"HRS ist das mit Abstand führende Hotelportal in Deutschland", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. "Durch die Best-Preis-Klausel wird Konkurrenten die Möglichkeit genommen, durch bessere Konditionen Boden gutzumachen." Neuen Anbietern werde durch die Meistbegünstigungsklauseln der Markteintritt erschwert. "Deshalb stellen diese Klauseln eine Gefahr für den Wettbewerb dar", begründete Mundt die Abmahnung.

Damit sei aber noch keine abschließende Entscheidung getroffen worden. HRS habe nun Gelegenheit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Danach könnte das Kartellamt die Klauseln untersagen. Die Firma nehme die Bedenken ernst, hieß es in einer Erklärung von HRS-Geschäftsführer Tobias Ragge. HRS habe aber gute Argumente, die verdeutlichten, dass der Wettbewerb nicht beschränkt werde. Von der Bestpreis-Garantie profitierten letztlich die Verbraucher. "HRS ist überzeugt, die Bedenken des Amtes ausräumen zu können", hieß es mit Blick auf die Mahnung der Wettbewerbshüter.

Hotelverband lobt Einschreiten des Kartellamts

Ab März dieses Jahres wollte HRS die Meistbegünstigungsklausel sogar noch verschärfen, schreibt das Kartellamt. Auch an der Rezeption sollen die Hotels dann keine günstigeren Angebote mehr offerieren dürfen als bei HRS. In der Vergangenheit habe HRS bereits mehrfach Hotels, die diese Klausel nicht eingehalten haben, für weitere Buchungen gesperrt.

Der Hotelverband Deutschland (IHA) begrüßte das Einschreiten der Wettbewerbshüter. Der Verbandsvorsitzende Fritz Dreesen sagte, die HRS-Vertragsklauseln stellten einen massiven Eingriff in die unternehmerische Freiheit und eine eklatante Wettbewerbsbehinderung dar.

HRS hat seinen Sitz in Köln und beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit rund 600 Mitarbeiter. Das Unternehmen hatte erst im vergangenen Oktober den kleineren Rivalen Hotel.de übernommen und kurz darauf angekündigt, man werde ab März die Buchungsprovision erhöhen. Sie soll von 13 auf 15 Prozent steigen. Dagegen protestieren Hoteliers. Das Kartellamt betonte, seine Abmahnung beziehe sich nicht auf diese geplante Provisionserhöhung.

mmq/dapd
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