Rekordgehalt VW-Chef Winterkorn kassiert 17 Millionen Euro

Da kommt kein Ackermann mit und wohl auch kein Anshu Jain: Deutschlands Top-Verdiener 2011 ist VW-Chef Martin Winterkorn. Der Automanager erhielt im abgelaufenen Jahr mehr als 17 Millionen Euro - so viel hat noch nie ein Chef eines Dax-Konzerns verdient.
Vw-Chef Winterkorn: Top-Verdiener unter den Dax-Chefs

Vw-Chef Winterkorn: Top-Verdiener unter den Dax-Chefs

Foto: DPA

Wolfsburg - Beim teilstaatlichen Volkswagen-Konzern explodieren die Gehälter. Mit 17,4 Millionen dürfte VW-Chef Martin Winterkorn derzeit der bestverdienende Manager in Deutschland sein. Auch die übrigen Vorstandsmitglieder sahnten kräftig ab: Ihr Gehalt lag zwischen 7,3 und 8,1 Millionen Euro. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Geschäftsbericht für 2011 hervor. Insgesamt zahlte VW seinen acht obersten Managern im vergangenen Jahr 70,6 Millionen Euro, doppelt so viel wie im Vorjahr.

Noch haben nicht alle deutschen Großkonzerne ihren Geschäftsbericht für 2011 veröffentlicht. Doch Winterkorn dürfte mit seinem Verdienst ganz vorne liegen. Bereits im Jahr zuvor war er mit 9,3 Millionen Euro der bestverdienende Konzernchef - knapp vor Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Nur dessen Nachfolger, der bisherige Chef der Investmentbankingsparte, Anshu Jain, kam damals auf noch mehr Geld: Er strich rund zwölf Millionen Euro ein.

Grund für Winterkorns Gehaltsanstieg ist ein Bonus von elf Millionen Euro, mit dem die langfristige Entwicklung des Unternehmens belohnt wird. Volkswagen hatte im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 15,8 Milliarden Euro eingefahren - mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Weltweit hatte das Unternehmen 8,3 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert.

Für dieses Jahr hat sich Winterkorn noch mehr vorgenommen. "Wir werden 2012 mehr Fahrzeuge verkaufen als im Vorjahr", sagte der Vorstandsvorsitzende am Montag auf der Bilanz-Pressekonferenz. Volkswagen will unter der Führung des Aufsichtsratschefs und Konzernpatriachen Ferdinand Piëch in den kommenden Jahren Weltmarktführer werden - und motiviert sein Management mit entsprechenden Anreizen.

Nur Wiedeking bekam noch mehr Geld

Auch die Mitarbeiter profitieren vom Rekordgewinn. Die Tarifbeschäftigten der Volkswagen AG in den sechs westdeutschen Werken werden mit einer Prämie von 7500 Euro brutto belohnt - fast 90 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Angaben des Betriebsrats ist es die höchste Erfolgsbeteiligung, die der Konzern seinen tarifgebundenen Mitarbeitern bislang gezahlt hat.

Die Aktionäre werden ebenfalls belohnt: Vorstand und Aufsichtsrat schlagen für die Hauptversammlung am 19. April eine Erhöhung der Dividende um 80 Cent je Papier vor. Pro Volkswagen-Stammaktie   sollen dann 3,00 Euro, pro Vorzugsaktie 3,06 Euro ausgeschüttet werden. Darüber kann sich auch das Land Niedersachsen freuen, das mit gut 20 Prozent größter Teilhaber des Konzerns ist.

Mit seinen 17,4 Millionen Euro liegt Winterkorn sowohl über seinem eigenen Rekordverdienst von 12,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2008 als auch über Ackermanns Bestmarke von rund 14 Millionen Euro aus 2007. Doch einer verdiente in diesen Jahren noch viel besser alle anderen Konzernchefs: Der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking strich damals geschätzt 77 Millionen Euro ein - weil er mit riskanten Optionsgeschäften den viel größeren Partner VW übernehmen wollte und dabei vorübergehend auch den eigenen Aktienkurs in ungeahnte Höhen trieb.

Mittlerweile hat VW den Spieß umgedreht und will Porsche   als weitere Marke in den Konzern integrieren. Einer Verschmelzung beider Unternehmen stehen bislang aber rechtliche Unwägbarkeiten entgegen. Hierbei geht es um die Frage, ob das frühere Porsche-Management beim Versuch, VW zu übernehmen, unsauber gearbeitet und dadurch Aktionäre geschädigt hat. Die Forderungen der Kläger belaufen sich auf mehrere Milliarden Euro. VW-Chef Winterkorn, der mittlerweile auch die Dachgesellschaft Porsche SE führt, gab sich am Montag überzeugt: "Der integrierte Konzern von Volkswagen und Porsche wird kommen."

stk/Reuters/dapd/dpa