Medienberichte Renault will Nissan offenbar Fusion vorschlagen

Die Affäre um den ehemaligen Renault-Chef Ghosn belastet die Beziehung des Autobauers zu seinem Partner Nissan. Nun wollen sie offenbar reden - dabei sollen verschiedene Optionen ausgelotet werden.

Logos von Renault und Nissan in Frankreich (Archiv)
Christian Hartmann/ REUTERS

Logos von Renault und Nissan in Frankreich (Archiv)


Der französische Autohersteller Renault steht Medienberichten zufolge kurz davor, seinem japanischen Partner Nissan eine Fusion unter einer neuen Beteiligungsgesellschaft vorzuschlagen.

Die Aktionäre von Nissan und Renault sollten Informationen des "Wall Street Journals" aus Unternehmenskreisen zufolge in dem Fall jeweils rund 50 Prozent der Anteile an dem neuen Unternehmen erhalten. Nissan kenne aber noch keine Details. Dies sei eine von mehreren Möglichkeiten, über die diskutiert werden solle.

Auch die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet unter Berufung auf eingeweihte Personen, dass der seit wenigen Monaten amtierende Verwaltungsratschef Jean-Dominique Senard eine Holding mit gleichen Anteilen anstrebt.

Nissan hat offenbar Vorbehalte

Ziel der Struktur sei es, die Allianz zu stärken und Kosten einzusparen, hieß es von Bloomberg. Der Vorschlag mit einer gleichberechtigt geführten Holding sei nur einer von mehreren. Weder Renault noch Nissan wollten sich der Nachrichtenagentur gegenüber zu den Informationen äußern.

Seit geraumer Zeit gibt es Medienberichte, wonach die Franzosen auf eine engere Verzahnung mit den Japanern drängen. Senards Vorgänger Carlos Ghosn soll das Vorhaben bereits vor Jahren betrieben haben.

Die "Financial Times" berichtete am Mittag von anhaltendem Widerstand aus dem Nissan-Lager. Vorstandschef Hiroto Saikawa habe es abgelehnt, sich mit von Renault beauftragten Bankvertretern zu treffen.

Die Partnerschaft zwischen Renault und Nissan wird derzeit durch die Affäre um den Manager und ehemaligen Renault-Chef Ghosn belastet. Ghosn hatte 1999 den Einstieg von Renault bei Nissan eingefädelt. In die bis dato beispiellose Allianz wurde dann auch Mitsubishi Motors eingebunden.

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Im November vergangenen Jahres war der Automanager in Tokio wegen angeblicher Verstöße gegen Börsenauflagen erstmals in Haft genommen worden. Zudem soll der gebürtige Brasilianer private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben.

Nur wenige Tage nach seiner Verhaftung feuerten Nissan und Mitsubishi ihn als Verwaltungsratschef. Kürzlich warf ihn Nissan dann auch ganz aus dem Verwaltungsrat. Derzeit ist Ghosn unter strengen Auflagen erneut auf freiem Fuß, er bestreitet die Vorwürfe.

Während Nissan nur 15 Prozent an Renault hält, ist der französische Autohersteller umgekehrt mit rund 43 Prozent an Nissan beteiligt. Manager der japanischen Firma hatten das in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, auch im Zuge der Ghosn-Affäre.

Eine mit der Sache vertraute Person aus dem Umfeld von Renault sagte dem "Wall Street Journal", die Allianz könne nicht so bleiben, wie sie ist. Zu den anderen Optionen bei einer Erneuerung der Partnerschaft sagte sie: "Es gibt Verhandlungen, in denen es heißt, dass wir entweder die Kapitalstruktur ändern müssen, oder eine bessere Integration des Managements schaffen oder eine bessere Komplementarität der Projekte sicherstellen müssen."

Die Personen sagten dem "Journal", Renault handele mit dem Vorstoß schneller als ursprünglich geplant, auch aus Sorge über die Nissan-Bilanz. Nissan hatte seine Gewinnziele am Mittwoch angesichts schlecht laufender Geschäfte in den USA nach unten korrigiert. Für das Geschäftsjahr 2018 stellte Nissan einen zum Vorjahr um 45 Prozent niedrigeren Betriebsgewinn von umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro in Aussicht. Das wäre der niedrigste Wert seit fast einem Jahrzehnt.

brt/kko/dpa-AFX



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