Tengelmann-Übernahme Rewe bot bis zu 450 Millionen Euro

Also doch: Rewe hat SPIEGEL-Informationen zufolge Tengelmann-Chef Haub vergangenes Jahr angeboten, seine defizitären Supermärkte zu übernehmen. Haub hatte bislang immer abgestritten, dass es noch Interessenten außer Edeka gebe.

Tengelmann-Chef Haub: Vergiftetes Klima
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Tengelmann-Chef Haub: Vergiftetes Klima


Es war das, was Experten ein Non-binding-offer nennen, das Anzeigen einer ernsthaften Kaufabsicht: Nach SPIEGEL-Informationen hat Rewe-Vorstand Lionel Souque am 28. Juli 2014 ein Schreiben an Tengelmann-Besitzer Karl-Erivan Haub geschickt. Darin bestätigt er das "Interesse an einem vollständigen Erwerb des Supermarktgeschäftes im Wege eines Share Deals" und in diesem Zusammenhang die Übernahme "sämtlicher Märkte samt Mitarbeiter, Vorräte sowie der Verwaltung, Logistik, Produktion und zugehörige Immobilien". Dafür veranschlage man "einen Kaufpreisrahmen in Höhe von 400 bis 450 Millionen Euro".

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Heft 29/2015
Annäherung an ein seltsames Volk

Im Oktober hatte Haub angekündigt, seine 451 Filialen an Edeka verkaufen zu wollen. Das hatte das Bundeskartellamt aber Anfang April untersagt. Tengelmann und Edeka hoffen nun auf eine Ministererlaubnis - mit dem Argument, niemand sonst wolle die Supermärkte als Ganzes übernehmen. Gegen dieses Argument hatte sich Rewe-Chef Alain Caparros in den vergangenen Wochen immer wieder vehement gewehrt - allerdings nie offen über das eigene Angebot gesprochen. Experten gehen deshalb davon aus, dass in dem Non-Binding-Offer eine Vertraulichkeitsvereinbarung enthalten ist.

Auf SPIEGEL-Anfrage sagte Haub, Rewe habe erst Vorschläge unterbreitet, als der Abschluss mit Edeka bereits zum Greifen nah war. "Während Edeka sich von der ersten Ansprache an proaktiv und in Person des Vorstandsvorsitzenden, Markus Mosa, um den Abschluss bemüht hat, war diese Ernsthaftigkeit so bei Rewe nicht zu spüren", sagte Haub. Allerdings liegt der Brief Ende Juli zeitlich weit vor der Verkündung des Edeka-Deals Anfang Oktober.

Das zeigt, wie vergiftet das Klima zwischen den Handelskollegen aus Köln, Mülheim und Hamburg ist. Erst gestern hatte Rewe in verschiedenen Zeitungen einseitige Anzeigen geschaltet, um das Angebot an Haub zu wiederholen. Haub und Edeka argumentieren in ihrem Antrag auf Ministererlaubnis, sollte die Übernahme durch Edeka scheitern, würden 16.000 Arbeitsplätze wegfallen. Allerdings wurde vor kurzem bekannt, dass der Kaufvertrag einen höheren Kaufpreis vorsieht, sollte Haub schon vor Vollzug knapp 2000 Stellen streichen.

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insgesamt 3 Beiträge
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tkedm 10.07.2015
1.
Ich finde das lustig, wenn sich Konzerne in der Öffentlichkeit streiten und gegenseitig beleisugen. Erinnert mich ein bisschen an Mannesmann und Vodafone.
laranagustavo 11.07.2015
2. kein Haendler
Haub junior ist im Gegesatz zu senem Vater kein Haendler. Er hat keine Anlage solche Unternehmen zu fuehren. PLUS verramscht, A&P in Us in die Pleite getrieben und nun als letztes Kaisers Tengelmann. Eine Null der Mann. Die Gruppe war vor 20 Jahren unter den Top 5. Schade schade.
jihaaa 11.07.2015
3.
Jetzt kommt also ans Licht, was im dunkeln hinter verschlossenen Türen gemauschelt wurde und was man der Öffentlichkeit und den Mitarbeitern an "Wahrheit" gegönnt hat. Was sind das für Menschen, die eine Bonusklausel für vorab entlassene Mitarbeiter in einen Kaufvertrag einbauen? Soviel zu "guten Sitten" unter Kaufleuten..
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