Rewe-Chef zum Tengelmann-Zoff "Das ist eine Schweinerei"

Im Streit um Kaiser's Tengelmann wird der Ton schärfer. Rewe-Chef Caparros wirft Tengelmann-Boss Haub vor, eine Einigung absichtlich zu torpedieren - und fordert Wirtschaftsminister Gabriel als Schlichter.

Einkaufswagen mit dem Kaiser's Logo
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Einkaufswagen mit dem Kaiser's Logo

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Nach dem Scheitern der Gespräche um die Rettung von Kaiser's Tengelmann schieben sich die Beteiligten gegenseitig die Schuld zu. Zunächst unterstellte die Tengelmann-Gruppe dem Kaufinteressenten Rewe unlautere Absichten, nun holt Rewe-Chef Alain Caparros zum Gegenschlag aus.

Caparros wirft seinen Kontrahenten, Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub und Edeka-Chef Markus Mosa, eine gezielte Verweigerungstaktik vor. "Wir befürchten, dass Haub und Mosa von Anfang an einen Plan B hatten und nur Zeit gewinnen wollten", sagte Caparros SPIEGEL ONLINE. "Gegenüber den eigenen Mitarbeitern von Tengelmann, die um ihre Jobs bangen, ist das einfach eine Schweinerei. Wir haben wirklich großes Interesse an einer Einigung. Aber irgendwann ist auch für uns Schluss."

In dem Streit geht es um die Zukunft der angeschlagenen Supermarktkette mit mehr als 15.000 Beschäftigten und rund 400 Filialen. Kaiser's Tengelmann gehört zur Tengelmann-Gruppe, ist aber seit Längerem defizitär. Tengelmann-Chef Haub will die Kette deshalb loswerden. Sein ursprünglicher Plan, sie an Deutschlands größten Lebensmittelhändler Edeka zu verkaufen, war zunächst durch ein Veto des Bundeskartellamts gestoppt worden. Die Behörde befürchtete eine zu große Marktmacht von Edeka.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte das Kartellamtsveto zwar überstimmt - war aber seinerseits vom Oberlandesgericht Düsseldorf ausgebremst worden, nachdem Rewe und die beiden anderen Konkurrenten Norma und Markant dort Beschwerde gegen die Ministererlaubnis eingelegt hatten.

Edeka und Rewe sollten die Tengelmann-Märkte unter sich aufteilen

Zuletzt war dennoch Hoffnung auf eine Rettung aufgekommen. So hatten sich die Chefs aller beteiligten Firmen unter Vermittlung von Ver.di-Boss Frank Bsirske am 6. Oktober zu einem großen Krisengipfel getroffen und eine vorläufige Einigung erzielt. Demnach sollten nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen Norma und Markant entschädigt und die verbliebenen Tengelmann-Filialen unter den Rivalen Rewe und Edeka aufgeteilt werden.

So wären die Märkte in den Regionen Nordrhein-Westfalen und Berlin an Rewe und die Filialen in Bayern an Edeka gegangen. Um den Kaufpreis zu ermitteln, sollten die beiden Unternehmen Informationen von Kaiser's Tengelmann erhalten.

Rewe-Chef Caparros
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Rewe-Chef Caparros

Genau an diesem Punkt ist die Einigung aber offenbar gescheitert. Nach Darstellung von Rewe-Chef Caparros habe Tengelmann schlicht nicht die nötigen Daten geliefert. "Dieser Teil der Abmachung wurde nicht eingehalten", sagt Caparros. "Wir haben bis heute von Haubs Leuten keine aussagekräftigen Daten zu Mitarbeiterzahlen oder Mietverträgen einzelner Filialen bekommen." Dabei sei dies bei einer Übernahme eigentlich ein völlig üblicher Vorgang. "Wir können ja nicht einfach die Katze im Sack kaufen, das würde unser Aufsichtsrat nie genehmigen."

"Wir sind zu einem letzten Anlauf für eine Einigung bereit"

Bei Tengelmann hingegen zweifelt man nach eigener Aussage an der Ernsthaftigkeit der Bemühungen von Caparros. Nachdem Rewe zwei Gesprächstermine nicht wahrgenommen habe, sei "der Eindruck, dass es hier vielmehr darum ging, Informationen für eine spätere Filialaufteilung zu bekommen", sagte eine Tengelmann-Sprecherin.

Tatsächlich hatte Rewe wegen der fehlenden Daten geplante Treffen platzen lassen. Konzernchef Caparros hatte aber noch am Mittwoch in einem Brief an Tengelmann-Eigentümer Haub seinen Willen zur Einigung betont.

Rewe stehe bereit, nicht nur Märkte zu übernehmen, sondern die Arbeitsplätze zu sichern, wie in der Ministererlaubnis vorgegeben. Zudem biete man an, auch das Kartellrisiko zu übernehmen und sogar die "operativen Verluste von Kaiser's Tengelmann bis zum Closing im Rahmen des rechtlich Zulässigen zu tragen", heißt es in dem Brief, dessen Inhalt SPIEGEL ONLINE vorliegt. Tengelmann hatte das Angebot jedoch als unseriös zurückgewiesen.

Nun will Caparros einen weiteren Versuch starten. "Wir sind zu einem letzten Anlauf für eine Einigung bereit", sagte er, "allerdings nur mit einem Mediator, einem unabhängigen Dritten, der auch die entsprechende Autorität besitzt, zum Beispiel Bundeswirtschaftsminister Gabriel."

Ob es so weit noch kommt, ist nach der jüngsten Eskalation eher unwahrscheinlich.

insgesamt 14 Beiträge
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gersois 14.10.2016
1.
Aber als Ganzes wollte er Kaisers Tengelmann schlucken! Auch ohne die Zahlen? Oder braucht er die dann nicht?
giorgio-pietro 14.10.2016
2. Juniorrabatt
In den Neunzigern forderte Karl-Erivan Haubs Vater von seinen Lieferanten einen Juniorrabatt. Damals löste der nun in Kalamitäten befindliche Karl-Erivan seinen Vater an der Spitze des Unternehmens ab und die Lieferanten sollten eine "finanzielle Anerkennung für den reibungslosen Generationswechsel" leisten. Es wundert mich nicht, dass eine Branche, die ihre Kreativität auf dermaßen abstruse Forderungen konzentriert, längst jegliches Maß verloren hat und nun ein solches Schmierentheater aufführt. Schade für die Mitarbeiter, aber dem früheren Junior gönne ich sein Scheitern aus vollem Herzen. Leider sind die anderen in diesem Theaterstück auch kaum besser.
GoaSkin 14.10.2016
3. die Wirtschaft schreit nach dem Staat
Gabriel soll als Schlichter her? Soviel zum Thema "Die Wirtschaft regelt alles von selbst".
satissa 14.10.2016
4. @gersois
Nein, für das Ganze braucht er es nicht. Die hat er da, das nennt sich Bilanz. Es gibt Fillialen die machen Gewinn, andere Verluste. Wenn er nur einen Teil übernimmt, braucht er natürlich die Daten.
satissa 14.10.2016
5. @GoaSkin
Der Staat hat sich eingemischt. Nach der Ministerialerlaubnis gibt es keine Einigung mehr ohne die Politik. Der Schachzug von Alain Caparros ist sehr klug. Er bietet Gabriel die Möglichkeit, ohne großen Gesichtsverlust aus der Sache herauszukommen und für Rewe ein besseres Ergebnis als den Status quo.
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