Drohende Rezession Bundesbank warnt vor schwerwiegenden Folgen bei Energieembargo gegenüber Russland

Der Krieg in der Ukraine schwächt die deutsche Wirtschaft laut Bundesbank erheblich. Bei einem Einfuhrstopp für russische Energie drohe erneut eine Rezession – jedoch weniger schlimm als im ersten Coronajahr 2020.
Station der Ostseepipeline Nord Stream 1: Liefert seit 2011 Gas aus Russland

Station der Ostseepipeline Nord Stream 1: Liefert seit 2011 Gas aus Russland

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Stefan Sauer / dpa

Eine weitere Zuspitzung des Konflikts mit Moskau könnte bei einem vollständigen Einfuhrstopp russischer Energie die deutsche Wirtschaft hart treffen. Nach Modellrechnungen der Bundesbank drohe dann eine Rezession.

»Im verschärften Krisenszenario würde das reale Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr gegenüber dem Jahr 2021 um knapp zwei Prozent zurückgehen«, hieß es im aktuellen Monatsbericht  der Notenbank.

Da es kurzfristig kaum möglich wäre, Lieferausfälle aus Russland durch erhöhte Einfuhren aus anderen Förderländern komplett zu ersetzen, dürfte es vor allem bei der Gasversorgung zu Engpässen kommen. Mehr als die Hälfte der Gasimporte in Deutschland stammen aus Russland.

Die Notenbanker berufen sich bei ihrer Einschätzung auf Simulationsrechnungen mit dem makroökonometrischen Modell der Bundesbank. Dies lässt nach Angaben der Institution eine detaillierte Analyse der Auswirkungen der einzelnen Schocks zu, vor allem auf die Verbraucherpreise. Ebenso lassen sich staatliche Maßnahmen vergleichsweise präzise implementieren.

Inflation womöglich bis 2024 hoch

Auch in den kommenden beiden Jahren würden demnach die Folgen eines Lieferstopps die deutsche Wirtschaft belasten und zu Wachstumseinbußen führen, schrieben die Ökonomen. Die Inflationsrate dürfte wegen steigender Energiepreise längere Zeit erheblich höher ausfallen.

Vor allem wegen steigender Energierohstoffpreise dürfte nach den Berechnungen die Teuerung in diesem Jahr um rund 1,5 Prozentpunkte höher liegen. »Im Folgejahr sind die Auswirkungen noch größer«, schreiben die Experten. Selbst 2024 wäre die Inflation noch erhöht, dann allerdings nicht mehr so stark.

Wie der SPIEGEL berichtete würde Europas größte Volkswirtschaft dennoch nach den im März erstellten Modellrechnungen in diesem Jahr nicht so stark schrumpfen wie im Coronakrisenjahr 2020. Die Bundesbank-Volkswirte führten dies auf die »vergleichsweise dynamische Erholungsphase« nach der Krise zurück. Im ersten Coronajahr 2020 war das Bruttoinlandsprodukt um 4,6 Prozent eingebrochen.

Im vergangenen Jahr fasste die deutsche Wirtschaft wieder Tritt und wuchs um 2,9 Prozent. Die Bundesbank wies darauf hin, dass die Modellrechnungen erheblichen Unsicherheiten unterliegen und die künftige Entwicklung »sowohl über- als auch unterzeichnen« können.

Coronaerholung wird gebremst

Grundsätzlich werden die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukrainekriegs nach Einschätzung der Notenbank »die eigentlich angelegte kräftige Erholung erheblich schwächen«. So belasteten unter anderem gestörte Lieferketten, drastisch gestiegene Energiepreise sowie eine erhöhte Unsicherheit Unternehmen und private Haushalte. Das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen des Krieges sei nach wie vor sehr unsicher und hänge von seinem weiteren Fortgang ab.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres erwartet die Notenbank in etwa eine Stagnation der Wirtschaftsleistung. Vor Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar hätten die Lieferengpässe in der Industrie wohl etwas nachgelassen. Zudem habe der Bau von der milden Witterung profitiert, begründeten die Volkswirte ihre Einschätzung.

Zum Ende vergangenen Jahres hatten die vierte Coronawelle und die verschärften Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie die Konjunkturerholung gestoppt. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im vierten Quartal um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

apr/dpa/Reuters
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