Frachtverkehr bei Niedrigwasser Behörde hält Einstellung des Schiffsverkehrs auf dem Rhein für unwahrscheinlich

Das Niedrigwasser auf dem Rhein ist für die Wirtschaft einem Ökonomen zufolge schmerzhaft. Trotz der anhaltenden Trockenheit können laut Wasserstraßenbehörde aber Schiffe auch dieses Jahr durchgehend fahren.
Trockengefallenes Schiff am Rhein in Düsseldorf: Wichtiger Schifffahrtsweg für Rohstoffe wie Getreide, Chemikalien, Mineralien, Kohle und Ölprodukte

Trockengefallenes Schiff am Rhein in Düsseldorf: Wichtiger Schifffahrtsweg für Rohstoffe wie Getreide, Chemikalien, Mineralien, Kohle und Ölprodukte

Foto: Federico Gambarini / dpa

Trotz der anhaltenden Dürre hält der Präsident der Wasserstraßen- und Schiffsverwaltung des Bundes den Frachtverkehr auf dem Rhein weiter für möglich. Er rechne nicht mit einer Einstellung des Schiffsverkehrs auf dem Rhein, sagte Hans-Heinrich Witte, der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« (»FAS«) laut einem Vorabbericht. »Theoretisch ist das möglich, aber ich halte es nicht für wahrscheinlich«, sagte der Behördenchef.

Witte verwies darauf, dass auch im Dürrejahr 2018 der Schiffsverkehr auf dem Rhein weitergegangen sei. Allerdings könnten die Schiffe bei niedrigem Wasserstand erheblich weniger Fracht transportieren. Dies erschwere auch den Transport von Kohle und Öl auf dem Rhein, der wegen des Erdgasmangels als wichtig gilt. Der Rhein ist ein wichtiger Schifffahrtsweg für Rohstoffe wie Getreide, Chemikalien, Mineralien, Kohle und Ölprodukte wie Heizöl.

»Da muss dann viel über Straße und Schiene laufen«, sagte er. Das Verkehrsministerium hatte bereits mitgeteilt, dass es zusammen mit dem Wirtschaftsministerium daran arbeite, auch einen Transport wichtiger Güter auf der Schiene sicherzustellen.

Pegel in Kaub noch bei 42 Zentimetern

Der heiße Sommer und ausbleibende Regenfälle haben zu stark sinkenden Pegelständen an den deutschen Wasserstraßen geführt. Am Rhein wurden an der Engstelle Kaub südlich von Koblenz am Freitag nach Angaben der Wasserstraßen- und Schiffsfahrtverwaltung des Bundes nur noch 42 Zentimeter gemessen – und damit rund fünf Zentimeter niedriger als zum gleichen Zeitpunkt des Vortags. Für Montag wird ein Stand von 33 Zentimetern erwartet.

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) hatte kürzlich erklärt, bis zu einem Wasserstand von etwa 30 bis 35 Zentimetern am Pegel Kaub könnten flachgehende Binnenschiffe die Mittelrheinstrecke noch passieren. Prognosen gehen aber von Pegelständen Richtung 30 Zentimeter bis Anfang nächster Woche am Pegel Kaub aus.

Witte sagte der »FAS«, dass Investitionen in Wasserstraßen wichtig seien. So sei unter anderem eine Vertiefung der Fahrrinne am Mittelrhein bei Kaub geplant, was bei Niedrigwasser den Schiffsverkehr erleichtern würde. Witte rechnet aber erst Anfang des nächsten Jahrzehnts mit der Fertigstellung der Mittelrheinvertiefung.

Probleme für die Produktionsketten

Klar ist aber auch: Das Niedrigwasser ist für die Wirtschaft schmerzhaft. Der Ökonom Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft sagte: »Berechnungen zu den Folgen des Niedrigwasser 2018 im Rhein zeigen, dass die Industrieproduktion um etwa ein Prozent abnimmt, wenn die Pegelstände an der Messstelle Kaub die kritische Marke von 78 Zentimetern für einen Zeitraum von 30 Tagen unterschritten haben.«

Rhein, in der Nähe von Bad Honnef: Investitionen in die Wasserstraßen dringend benötigt

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Foto:

IMAGO/Sepp Spiegl / IMAGO/Bonnfilm

Zwar wird in Deutschland nur ein kleiner Anteil der beförderten Güter per Binnenschiff transportiert: 2017 waren es laut IfW sechs Prozent. Aber für einzelne Gütergruppen wie Kohle, rohes Erdöl und Erdgas, Kokerei- und Mineralölerzeugnisse sowie chemische Produkte entfielen auf die Binnenschifffahrt 10 bis 30 Prozent der Beförderungsmenge. »Diese Güter stehen am Anfang vieler Produktionsketten, sodass Ausfälle bei deren Transport zu Produktionsbehinderungen in nachgelagerten Produktionsstufen führen können«, so Kooths.

In der Spitze sei die Industrieproduktion 2018 um etwa 1,5 Prozent gedrückt worden, so Kooths. Auf Jahressicht dürfte das Niedrigwasser etwa 0,4 Prozent an Wirtschaftsleistung gekostet haben. »Allerdings ist die damalige Situation nicht eins zu eins auf heute übertragbar«, sagte der Wissenschaftler. So sei die »Fallhöhe« für die deutsche Industrieproduktion damals viel größer gewesen. Deutlich schlimmer für die Industrie seien heute weiter die negativen Auswirkungen der Lieferengpässe.

apr/Reuters/dpa
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