Rheinmetall Ex-Verteidigungsminister Jung ist neuer Aufsichtsrat

Früher Verteidigungsminister, nun neuer Aufsichtsrat bei Rheinmetall: Franz Josef Jung gehört künftig dem Kontrollgremium des Autozuliefer- und Rüstungskonzerns an. Noch sitzt er allerdings im Bundestag.
Franz Josef Jung

Franz Josef Jung

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) gehört künftig dem Aufsichtsrat des Autozuliefer- und Rüstungskonzerns Rheinmetall an. Die Aktionäre wählten den 68-Jährigen am Dienstag auf der Hauptversammlung in Berlin, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Jung stand von 2005 bis 2009 an der Spitze des Verteidigungsministeriums und ist noch Mitglied des Bundestages. Bei der Bundestagswahl im Herbst trete er aber nicht wieder an, sagte er vor den Aktionären. Ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach mögliche Interessenkonflikte durch das Bundestagsmandat an und gab ihm mit: "Schauen Sie, dass das nicht vermischt wird."

Jung ist nicht der erste Ex-Bundesminister bei Rheinmetall. Anfang 2015 wechselte der ehemalige Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) zu dem Konzern - ein Wechsel, der heftig kritisiert worden war. Der langjährige Aufsichtsratschef Klaus Greinert stellte sich am Dienstag nicht zur Wiederwahl. Seinen Posten nimmt künftig Ulrich Grillo ein. Grillo war von 2013 bis 2016 Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

Der neue Aufsichtsrat Jung wird auch einer der Aufseher über den geplanten Ausbau der Rheinmetall-Geschäfte in der Türkei, die am Rande der Hauptversammlung für Proteste sorgten. Demonstranten stellten einen ausgemusterten Panzer vor das Tagungshotel und forderten einen Stopp der Geschäfte.

"Wir wollen Rheinmetall entrüsten", sagte Lühr Henken, einer der Organisatoren der Demonstration. Sie forderten, Rheinmetall solle die Produktion militärischer Güter einstellen und sich rein auf zivile Produkte konzentrieren. Die Proteste von rund 150 Demonstranten verliefen nach Angaben der Polizei friedlich.

Die Demonstranten werfen Rheinmetall vor, in der Türkei Panzer produzieren zu wollen. Ein Rheinmetall-Sprecher sagte, geplant sei lediglich, bereits vorhandene "Leopard II"-Panzer des türkischen Militärs mit zusätzlicher Schutztechnologie zu modernisieren. Das Projekt sei noch nicht realisiert, sondern werde derzeit vom für Rüstungsexporte zuständigen Bundeswirtschaftsministerium geprüft. "Eine Panzerfabrik von Rheinmetall in der Türkei gibt es nicht." Über Gespräche zwischen Rheinmetall-Chef Armin Papperger mit Ministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte zuvor die "Rheinische Post" berichtet.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es an einer Stelle, dass Franz Josef Jung früher Außenminister gewesen sei. Das ist falsch, er war Verteidigungsminister, wie es an anderen Stellen des Textes auch richtig stand. Wir haben den Fehler korrigiert.

max/dpa
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