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11. November 2011, 16:56 Uhr

Riesenfusion im Musikmarkt

Universal kauft EMI-Sparte für zwei Milliarden Dollar

Milliardendeal in der Musikbranche: Der angeschlagene britische Konzern EMI wird geteilt. Das CD-Geschäft geht für fast zwei Milliarden Dollar an den Konkurrenten Universal Music. Die Musikrechte soll Sony bekommen. Das deutsche Unternehmen Bertelsmann hat wohl das Nachsehen.

London - Das monatelange Feilschen um EMI ist entschieden. Das Tonträgergeschäft des britischen Musikkonzerns wird für 1,9 Milliarden Dollar an den Konkurrenten Universal Music verkauft. Das teilte die US-Großbank Citigroup als Verkäufer am Freitag mit.

EMI ist derzeit die kleinste der vier großen, weltweit agierenden Plattenfirmen nach Marktführer Universal, Sony Music und Warner und vertreibt unter anderem die Beatles, Coldplay, und Katy Perry.

Das zweite Standbein von EMI, der Musikverlag mit Rechten an 1,3 Millionen Songs, geht laut Medienberichten wohl an ein Konsortium um den japanischen Elektronikkonzern Sony. Der Preis soll 2,2 Milliarden Dollar betragen. Das ist durchaus eine Überraschung: Denn eigentlich galt BMG Music Publishing, ein Gemeinschaftsunternehmen des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann und des Finanzinvestors KKR, als aussichtsreichster Bieter. Am Ende sprach wohl das Geld für Sony: Der Konzern habe mit Hilfe eines Milliardenkredits der Schweizer Großbank UBS seine Offerte aufgebessert, hieß es in Verhandlungskreisen.

Mit einem Erlös von zusammen 4,1 Milliarden Dollar für Musikrechte und CD-Geschäft wäre die Citigroup am Ziel ihrer Vorstellungen. Der Käufer der Tonträgersparte, Universal, ist eine Sparte des französischen Konzerns Vivendi. Er hatte sich zuletzt als Höchstbietender herauskristallisiert. Vivendi-Konzernchef Jean-Bernard Lévy versprach den Künstlern und Mitarbeitern, sie würden in seiner Firma ein langfristiges und sicheres Zuhause finden. Zu EMI gehören unter anderem die Labels Blue Note, Nashville und Virgin Records.

Der Strukturwandel in der Branche mit einbrechenden CD-Verkäufen hatte EMI schwer zu schaffen gemacht. Zuletzt hatte EMI in kurzer Folge die Besitzer gewechselt und die Zukunft schien ungewiss. Der frühere Eigner, der Finanzinvestor Terra Firma von Guy Hands, musste das Unternehmen schließlich der Citigroup als Pfand überlassen. Die US-Großbank will nun auch die Pensionsverpflichtungen der EMI-Mitarbeiter übernehmen.

Als ernsthafter Käufer für Emi hatte auch der Milliardär Len Blavatnik gegolten, dem Warner Music gehört. Er hatte aber wegen des Streits um die Altersvorsorge einen Rückzieher gemacht.

Weil die Gebote für EMI als Ganzes zu niedrig waren, hatte die Citigroup beschlossen, den Konzern aufzuspalten. Neben dem Tonträgergeschäft und den Musikrechten bleiben noch Teile von EMI, die nicht zum Kerngeschäft zählen. Sie sollen für 500 Millionen Euro verkauft werden.

mmq/dapd/dpa

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