»Quadratisch. Praktisch. Blut.« Kritik an Russlandkurs von Ritter Sport wächst

Viele deutsche Firmen können oder wollen nicht vollständig auf ihr Russlandgeschäft verzichten – und riskieren so massive Reputationsschäden in der Heimat. Derzeit besonders in der Kritik: der Schokoladenhersteller Ritter Sport.
Ritter-Sport-Fertigung in Baden-Württemberg

Ritter-Sport-Fertigung in Baden-Württemberg

Foto: Marijan Murat / dpa

Die Kritik an in Russland weiterhin aktiven deutschen Firmen wächst. Derzeit besonders im Fokus ist Ritter Sport. Der Schokoladenhersteller liefert trotz des russischen Angriffes auf die Ukraine weiterhin Schokolade nach Russland. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, ließ das Unternehmen wissen. Ein Stopp der Lieferungen hätte zur Folge, dass die Produktion drastisch heruntergefahren müsste, »und damit auch ernsthafte Auswirkungen auf uns als unabhängiges mittelständisches Familienunternehmen«. Letztlich wären auch die Kakaobauern davon betroffen.

In sozialen Medien löste das Unternehmen damit eine Welle des Unmuts aus. »Quadratisch. Praktisch. Blut«, twitterte etwa Andrij Melnyk, der Botschafter der Ukraine in Deutschland. Er retweetete eine bei Twitter kursierende makabre Montage für eine fiktive »Kriegsedition« der Schokolade.

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Russland ist ein wichtiger Markt für den schwäbischen Schokoladenhersteller. Der Marktanteil von Ritter Sport in Russland liegt nach Firmenangaben bei sieben Prozent. Am Gesamtumsatz von Ritter Sport machten die Russlandgeschäfte etwa zehn Prozent aus. Weiter wie bisher könne es jedoch nicht gehen, sagte der Sprecher. So habe Ritter Sport bereits Anfang März die Entscheidung getroffen und umgesetzt, »nicht weiter in den russischen Markt zu investieren sowie Werbung dort zu stoppen«.

Am Donnerstag reagierte der Schokoladenhersteller auf die Kritik und kündigte an, den Gewinn aus dem laufenden Russlandgeschäft an humanitäre Hilfsorganisationen zu spenden. In einem Post an die »Ritter Sport Community« teilte das Familienunternehmen mit, es verurteile die grausame Aggression der russischen Armee in der Ukraine aufs Schärfste.

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Firmen von zwei Seiten unter Druck

Ritter Sport steht stellvertretend für zahlreiche deutsche Firmen mit umfangreichem Russlandgeschäft. Über die Jahrzehnte hat sich Russland für viele als lukrativer Markt erwiesen. Damit ist allerdings auch die Abhängigkeit gewachsen. Zuletzt waren noch etwa 3000 deutsche Unternehmen in dem Riesenreich aktiv. Einige haben nach Kriegsbeginn die Aussetzung von Neuinvestitionen angekündigt, viele auch die – zeitweilige – Einstellung ihres Geschäftsbetriebs. Aber nur wenige sind so weit gegangen wie die Tengelmann-Tochter Obi, die den vollständigen Rückzug aus Russland verkündet hat.

Die Firmen befinden sich in einem Dilemma: Einerseits müssen sie nicht nur den westlichen Sanktionen Folge leisten, sondern auch Reputationsverluste auf ihren Heimatmärkten fürchten. Auf der anderen Seite wird ihr Verhalten auch von russischer Seite genau beobachtet. So diskutiert das russische Parlament einen Gesetzentwurf, der die Enteignung westlicher Firmen ermöglichen könnte. Zahlreiche deutsche Unternehmen haben deshalb bislang eine Art Mittelweg beschritten: Sie haben ihre Geschäftstätigkeit zeitweilig auf Eis gelegt, bezahlen viele Mitarbeiter aber weiter – und hoffen, dass die Krise in einigen Monaten beigelegt sein könnte.

beb/dpa
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