Start-up-Fabrik Rocket Internet will Geld in Immobilien stecken

Für Rocket Internet wird es immer schwieriger, vielversprechende Start-ups zu finden. Deshalb will die Firmen-Schmiede ins Immobiliengeschäft einsteigen. Aktionäre betrachten den Schritt mit Skepsis.

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer (Archivbild)
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Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer (Archivbild)


Auf der Suche nach vielversprechenden Investments erkundet die Berliner Start-up-Fabrik Rocket Internet neue Geschäftsfelder. Die Start-up-Fabrik will künftig die Anzahl seiner Immobiliengeschäfte erhöhen und technologische Versicherungs- und Gesundheitsdienstleistungen anbieten. Das sieht eine Satzungsänderung vor, die auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag beschlossen wurde.

Bei dem Aktionärstreffen wurde deshalb die Sorge laut, dass die Firma den Mietenanstieg in Berlin befeuern und dadurch das Ansehen des Unternehmens Schaden nehmen könnte. Die Bewohnerin eines Kreuzberger Mietshauses äußerte die Befürchtung, durch steigende Mieten aus ihrer Wohnung verdrängt zu werden. Das Haus in der Urbanstraße war von der Rocket-Tochter GRC1-Germany gekauft worden. "Sorgen sie dafür, dass dieser Turm nicht zu einem weiteren Symbol wird für den Mietenwahnsinn in Berlin", forderte der Verband Kritische Aktionäre.

Vorstandschef Oliver Samwer sagte, man werde sich an geltendes Recht halten. Rocket Internet stehe am Anfang seiner Immobilienstrategie und wisse, dass das derzeit ein sensibles Thema sei. "Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst", sagte Samwer.

In der Vergangenheit waren aus Rocket Internet Unternehmen wie Zalando, Hello Fresh und Home24 hervorgegangen. Doch zuletzt blieben große Erfolge aus. "Wir haben ein paar Blockbuster gehabt", sagte Samwer. "Im Moment ist die Pipeline in der Mitte ein bisschen leer."

Als Geldgeber für Gründer sieht sich das MDax-Unternehmen wachsender Konkurrenz ausgesetzt. Es sei schwieriger geworden, Gründer und Ideen zu finden, um mit ihnen Unternehmen aufzubauen, sagte Samwer. Rocket könne 3,1 Milliarden Euro investieren - man habe mehr Kapital als Ideen.

hej/dpa-AFX



insgesamt 18 Beiträge
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Dudenquatscher 06.06.2019
1. Ja die Samwers,
früher haben sie Kids mit Klingelton-Abos abgezockt, dann wertlose Start-ups hip gemacht und für viel Kohle verklingelt. Nun also das Immobiliengeschäft! Rücksichtslos und grausam genug dafür sind sie sicherlich, davon können ihre derzeitigen und ehemaligen Angestellten ganze Lieder singen, obwohl man sich ja um die Jobs gerissen hat, zugegeben. Bis zum Burnout dann halt... Wer da Mieter ist, kann nur noch das Weite suchen, wenn es denn möglich ist.
OberstSL 06.06.2019
2. Ja, investiert nur...
...bald wird es einen Volkssturm gegen immer steigende Mieten geben. Ich hoffe, den Immobilienkonzernen wird so der Garaus gemacht. Vielleicht kriegen die Eigentümer auch mal "Besuch" von den Mietern. Aber so einfach ist es nicht. Die Mietkonzerne verstecken sich hinter mehrfach verschachtelten Unternehmen. Es ist nicht leicht, die wahren Aktionäre dahinter zu ermitteln und festzusetzen.
berlin333 06.06.2019
3. Eine Firma, die so viel Kapital hat,
dass sie nicht weiß wohin damit, kann in Immobilien investieren. Dass hierbei die Rendite stimmen muss, versteht wohl jeder. Wer nicht in Immobilien investieren kann, ist ein Mieter –er zahlt u.U. im Leben so viel an Miete, dass er die bewohnte Wohnung schon längst hätte kaufen können. Da aber die meisten kein (Eigen)kapital besitzen, müssen sie eben Miete zahlen, an den Investor. Deutschland fördert kein Wohneigentum, es fördert Spekulation mit Wohnungen.
Mr. Swiss 06.06.2019
4. Soziale Marktwirtschaft
wann wir Firmen wie diesen endlich untersagt in Immobilien zu investieren? Die sollen das überflüssige Geld an ihre Aktionäre zurückzahlen. Sie haben es ja ursprünglich nicht erhalten, um Immobilien zu kaufen. Zum Kotzen was in Deutschland dem Kapital erlaub wird!!
sake2013 06.06.2019
5. "Marktwirtschaft"
als Mieter bist du wie eine Kuh, die gemolken wird. Alles für die Rendite sag ich nur! und sich dann wundern wenn die "Ränder" stärken werden. Das System dreht sich gerade tot. Überall finden Zusammenschlüsse statt, um die Preise diktieren zu können, und zu Krönung werden die Gewinne dann in Steueroasen verbracht.
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