Rösler-Besuch Deutsche Firmen versprechen Griechenland Milliarden

70 Unternehmer hat Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler auf seine Griechenland-Reise mitgenommen - und sie geben sich generös: Die deutsche Wirtschaft will Milliarden in das geschundene Land investieren, vor allem im Energiesektor. Ganz selbstlos ist die versprochene Hilfe allerdings nicht.

Wirtschaftsminister Rösler, Amtskollege Chrysochoidis: Hilfe beim Aufbau der Verwaltung
DPA

Wirtschaftsminister Rösler, Amtskollege Chrysochoidis: Hilfe beim Aufbau der Verwaltung


Athen - Die deutsche Solarbranche will die Sonne Griechenlands nutzen: Die deutsche Wirtschaft ist zu milliardenschweren Investitionen in dem südeuropäischen Krisenstaat bereit. Am Rande eines deutsch-griechischen Unternehmertags in Athen haben Solarunternehmen angeboten, fünf Prozent zu den 20 Milliarden Euro des "Helios"-Plans der griechischen Regierung beizusteuern. Zudem will der Energiekonzern E.on Ruhrgas gemeinsam mit Partnern eine Gaspipeline durch Griechenland bauen.

Die milliardenschweren Versprechungen gaben die Industrievertreter aus Anlass der Reise von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nach Athen ab. Am Vormittag traf der FDP-Politiker mit dem griechischen Ministerpräsidenten Georgios Papandreou, Finanzminister Evangelos Venizelos und Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis zusammen.

Bereits jetzt trage die deutsche Unternehmerschaft zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt in seinem Land bei, sagte Chrysochoidis - und versprach die Bedingungen für weitere Investitionen zu verbessern. "Wir wollen ein effizientes, außenwirtschaftlich orientiertes und produktives Griechenland." Sein Land habe "schmerzhafte Maßnahmen für das Volk ergriffen" und wolle alles tun, um die Krise zu überbrücken, bis es wieder Wachstum gebe.

Allerdings ist die versprochene Hilfe der Deutschen nicht ganz selbstlos: Der Chef des Alternativenergie-Konzerns Solarworld, Frank Asbeck, machte Fördermittel der EU für die Investition seiner Branche in große Sonnenstromprojekte in Griechenland zur Bedingung. Die griechische Regierung solle die Grundstücke stellen und bürokratische Hürden abräumen.Wenn diese Voraussetzungen erfüllt werden, ist es laut Asbeck denkbar, dass bis 2020 rund 10.000 Megawatt Leistung installiert würden. Dies entspräche bei optimaler Sonneneinstrahlung der Leistung von rund zehn Atomkraftwerken.

Rösler will beim Aufbau einer funktionierenden Verwaltung helfen

Künftig könnten demnach 2500 Megawatt aus den Solarstormprojekten ohne zusätzliche Leitungen exportiert werden - über jene Verbindungen nach Mazedonien und Italien, über die Griechenland bislang acht bis zehn Prozent seines Stroms importiere. "Das Schöne ist: Die Sonne hat schon garantiert, weiterhin 300 Tage im Jahr zu scheinen", sagte Asbeck.

Die Gaspipeline, an der E.on Ruhrgas beteiligt ist, heißt Trans-Adriatic Pipeline und soll 1,5 Milliarden Euro kosten. Die Leitung solle Gas aus Aserbaidschan via Türkei und Griechenland nach Süditalien bringen, von den insgesamt 800 Kilometern würden 478 Kilometer durch Griechenland führen. Für den ab 2015 geplanten Bau sollen 2000 Arbeitsplätze geschaffen werden, ab 2018 würden dann die ersten Gastransporte durch die Pipeline erwartet. E.on hat demnach allerdings nur Anteile von 15 Prozent an dem Projekt, die norwegische Staatsfirma Statoil und die Schweizer Handelsfirma EGL sind jeweils mit 42,5 Prozent beteiligt.

Rösler bot zudem deutsche Hilfe beim Aufbau einer funktionierenden Verwaltung an - insbesondere in der Energiewirtschaft. Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt würden helfen, marktgerechte Strukturen aufzubauen. Die beiden Minister hätten auch darüber gesprochen, wie die Finanzierungsmöglichkeiten für investitionswillige Firmen verbessert werden könnten. Bereits am Vortag hatte der deutsche Wirtschaftsminister angekündigt, Griechenland beim Aufbau einer Förderbank für den Mittelstand zu helfen - ein Anliegen, das sein Amtskollege aus Athen vor wenigen Wochen auch im Interview mit SPIEGEL ONLINE angesprochen hatte.

Der deutsche Wirtschaftsminister schlug außerdem vor, Sonderwirtschaftszonen in Griechenland mit niedrigeren Unternehmenssteuern einzurichten. Polen habe damit gute Erfahrungen bei seinem Transformationsprozess gemacht. "Aber das muss jeder Staat selber entscheiden", fügte Rösler hinzu.

fdi/dapd

insgesamt 82 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
markus_wienken 07.10.2011
1. .
Zitat von sysop70 Unternehmer hat Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler auf seine Griechenland-Reise mitgenommen*- und sie geben sich generös: Die deutsche Wirtschaft will Milliarden in das geschundene Land investieren, vor allem*im Energiesektor. Ganz selbstlos ist die versprochene Hilfe allerdings nicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,790534,00.html
Natürlich ist die Hilfe auch nicht selbstlos, immerhin sind Firmen keine Wohlfahrtsunternehmen oder die Heilsarmee. SPON wird auch immer schwächer... :-(
PZF85J 07.10.2011
2. -
Zitat von sysop70 Unternehmer hat Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler auf seine Griechenland-Reise mitgenommen*- und sie geben sich generös: Die deutsche Wirtschaft will Milliarden in das geschundene Land investieren, vor allem*im Energiesektor. Ganz selbstlos ist die versprochene Hilfe allerdings nicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,790534,00.html
Den von (von mir) unterstrichenen Satz finde ich gut: Wäre das nämlich selbstlos (was das Wort "ganz" dort verloren hat, erschliesst sich mir eh nicht), dann bekämen die Ärger mit Ihren Aktionären und höchstwahrscheinlich sogar mit dem Gesetzgeber.
n.holgerson 07.10.2011
3. Allerdings ist die versprochene Hilfe der Deutschen nicht ganz selbstlos?
Das sind Unternehmer und das ist nicht die Wohlfahrt. Man fragt sich, warum dies überhaupt erwähnt wird....? Oder hat der Autor sich schon wieder "falsch" ausgedrückt? Meinte er nicht "selbstlos", sondern die Unternehmer stellen Bedingungen? Wäre ja was ganz anderes....
demophon 07.10.2011
4. Dankbarkeitsbekundung auf griechisch
... und zum Dank wurde Rösler in einer griechischen TV-Sendung als Nazi beschimpft und die Kanzlerin bei Protesten mit einem Hitlerbart versehen. Quelle: RTL-Nachrichten
Argentinien_Holdout 07.10.2011
5. Die Staatsanleihe muss wieder die sicherste Anlageform werden.
Davon profitieren alle Staaten. Deswegen sollten die Griechen und alle andere Pleitekandidaten unterstützt werden. Auch der einzige Default eines G20 Staates (Argentinien) sollte beendet werden. Staaten sollten Vorbilder für Recht und Vertragserfüllung und nicht für Enteignungen und Vertragsbruch sein. Das Vertrauen in Staatsanleihen muss wieder hergestellt werden. Früher hat man Staatsanleihen gekauft, und so für das Alter vorgesorgt. Nicht von ungefähr nannte man diese Papiere "Rentenpapiere". Staatliche Pleiten bedrohen Investitionen in Staatspapiere insgesamt, auch in angeblich sichere Staatsanleihen. Die Obama Administration hat jetzt den einzigen im Default befindlichen G20 Mitglied Argentinien unmissverständlich aufgefordert, den Default endlich zu beenden, auch hinsichtlich des möglichen Dominoeffekts in Europa.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.