Rohstoff-Crash Hedgefonds verbrannte 100 Millionen Dollar pro Tag

Der Crash des Ölpreises lässt Autofahrer hoffen - viele Spekulanten hat er kalt erwischt. Der weltweit größte Rohstoff-Hedgefonds, Clive Capital, hat binnen vier Tagen rund 400 Millionen Dollar verloren. Auch andere Finanzfirmen machten hohe Verluste.
Ölhandel in New York: Warum fiel der Preis so rasch so tief?

Ölhandel in New York: Warum fiel der Preis so rasch so tief?

Foto: Mary Altaffer/ AP

Hamburg - Hedgefonds gehen bei ihren Investitionen stets ein hohes Risiko ein, um die Rendite zu maximieren. Umso schmerzhafter sind die Verluste, wenn die Investoren einmal nicht den richtigen Riecher für die Entwicklung der Märkte haben. Der Crash an den Rohstoffmärkten vergangene Woche hat viele Hedgefonds kalt erwischt - allen voran Clive Capital, den größten Rohstoff-Hedgefonds der Welt.

Rund 400 Millionen Dollar Verlust machte das Unternehmen - binnen vier Tagen. Das berichtet die britische "Financial Times"  ("FT") unter Berufung auf einen Unternehmensinsider. Demnach habe Clive Capital seine Investoren am Freitag über den Blitzverlust informiert. Insgesamt habe das Unternehmen fast zehn Prozent seines Investitionsvolumens verbrannt. Dieses werde auf rund fünf Milliarden Dollar geschätzt.

Andere Hedgefonds hätten ähnlich hohe Verluste hinnehmen müssen, berichtet die "FT". Manche müssten gar ein Minus hinnehmen, das deutlich im zweistelligen Prozentbereich liege.

Der Ölpreis war vergangene Woche rapide gesunken. Am Donnerstag stürzten die Preise für europäisches Brent-Öl um bis zu zwölf Dollar ab, bei amerikanischem WTI-Öl betrug der Verlust zehn Dollar. Am Freitag gaben die Preise erneut nach. Auch andere Rohstoffe verloren rasch an Wert. Der Kurs für Silber   büßte binnen Wochenfrist mehr als ein Viertel ein. Auch andere Edelmetalle wie Kupfer   verloren an Wert, ebenso Agrar-Rohstoffe wie Kakao oder Zucker.

Kurse stabilisieren sich vorerst

Mittlerweile scheint der Kursrutsch fürs Erste gestoppt zu sein. Die Ölpreise stiegen am Montag im asiatischen Handel. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 110 Dollar, etwas mehr als am Freitag; auch die US-Sorte WTI verteuerte sich. Der Silberpreis stabilisierte sich ebenfalls.

Warum die Rohstoffpreise vergangene Woche so stark eingebrochen sind, ist vielen Experten noch immer ein Rätsel. Börsianer begründeten den Kursverfall mit einer zunehmenden Furcht vor einer Abkühlung der Weltkonjunktur. Schwache US-Arbeitsmarktdaten hatten Anleger beunruhigt. Außerdem kursierten Gerüchte über bevorstehende Zinserhöhungen in China und Indien.

Andere begründeten den Preissturz zum Teil mit dem Tode Osama Bin Ladens - durch dessen Ableben sei eine implizite Terrorprämie weggefallen, die in den Ölpreis stets mit eingerechnet worden sei. Wieder andere sagen, der rasche Kursrutsch sei vor allem darauf zurückzuführen, dass immer mehr Händler ihre Positionen über superschnelle Computersysteme abwickelten, die binnen kurzer Zeit gewaltige Volumina bewegen können.

ssu
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