Rohstoffe China verliert Handelsstreit mit EU und USA

China muss seine Rohstoffe künftig günstiger verkaufen. Das fordert zumindest die Welthandelsorganisation. Europäer und Amerikaner feiern das Urteil des Schiedsgerichts - doch ob sich die Chinesen daran halten, ist fraglich.

Kohlemine in China: Der Rohstoff-Hunger der Volksrepublik steigt
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Kohlemine in China: Der Rohstoff-Hunger der Volksrepublik steigt


Genf - Beschwerden gab es schon lange - was fehlte, war ein klares Urteil. Das hat die Welthandelsorganisation (WTO) nun gesprochen: China verstößt mit Exportbeschränkungen für Rohstoffe gegen internationale Handelsvereinbarungen.

Das Urteil des WTO-Schiedsgerichts geht zurück auf eine Klage, die die EU zusammen mit den USA und Mexiko 2009 gegen China eingereicht hatte. Die Kläger stören sich an den hohen Ausfuhrzöllen, die China auf neun Rohstoffe erhebt, darunter Zink, Kohle, Bauxit, Magnesium, Mangan und Phosphor. Diese Rohstoffe sind zum Beispiel für die Auto- und Pharmaindustrie sehr wichtig. Auch für die Herstellung von Kühlschränken, CDs, Batterien und Getränkedosen werden sie benötigt.

China verstoße mit den Beschränkungen gegen seine Vertragsverpflichtungen bei der WTO, urteilte jetzt das Schiedsgericht. Legt die chinesische Regierung gegen die Entscheidung keine Berufung ein, muss sie die Handelshindernisse innerhalb einer angemessenen Frist abschaffen. In der Regel sind dies sechs bis zwölf Monate.

Die EU-Kommission erwartet jedenfalls auf Dauer sinkende Preise auf dem hart umkämpften Rohstoffmarkt. EU-Handelskommissar Karel De Gucht erklärte, das Urteil sei ein Signal für fairen Handel und unbehinderten Zugang zu Rohstoffen. "Ich erwarte, dass China nun seine Exportregeln mit den internationalen Regeln in Übereinstimmung bringt. Vor dem Hintergrund dieser Entscheidung sollte China auch freien und fairen Zugang zu Seltenen Erden gewährleisten." Diese etwa für die Herstellung von Flachbildschirmen benötigten Rohstoffe waren allerdings nicht Gegenstand der WTO-Entscheidung.

Die USA feierten das Urteil der Welthandelsorganisation als großen Erfolg. Die Entscheidung sei "ein bedeutender Sieg für Hersteller und Arbeiter in den USA und im Rest der Welt", sagte der US-Handelsbeauftragte Ron Kirk. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte, die Entscheidung könne auch dazu beitragen, die Rohstoffversorgung für die deutsche Wirtschaft zu verbessern.

Experten sind da skeptischer. So rechnet der Leiter der Rohstoffabteilung der Landesbank Baden-Württemberg, Frank Schallenberger, kaum mit Konsequenzen: "Wenn die Chinesen argumentieren, sie bräuchten die Rohstoffe eben selbst, kann sie niemand zum Export zwingen."

stk/dpa/dpad

insgesamt 31 Beiträge
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drspieler 05.07.2011
1. Merkantilismus und China
Zitat von sysopChina muss seine Rohstoffe künftiger günstiger verkaufen. Das fordert zumindest*die Welthandelsorganisation. Europäer und Amerikaner feiern*das Urteil des Schiedsgerichts - doch ob sich die Chinesen daran halten, ist fraglich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772591,00.html
Wenn sich China nicht daran hält, schlage ich vor, Einfuhrzölle auf chinesische Importwaren zu erheben. Entweder halten sich alle an die internationalen Spielregeln des Handelns oder niemand ist dazu verpflichtet. Wohin der Merkantilismus führt sollte klar sein.
Oberleerer 05.07.2011
2. .
Lachhaft, die westliche Welt, richtiggehend peinlich. Wollen die jetzt China boykottieren? Die sollen bei uns hohe Einfuhrzölle auf Rohstoffe erheben und Ausfuhrzölle ebenso. Dann wird hoffentlich: - weniger auf Halde produziert - weniger Schund und mehr langlebige Güter produziert - Rohstoffe aus den Abfällen zurückgewonnen
unente, 05.07.2011
3. wehren
Dann müssen die Chinesen ihre Rohstoffe eben verknappen - oder sie verkaufen nur denen, die auch die geforderten Preise zahlen wollen. Was soll denn diese internationale Erpressung, nur um den Kapitalismus des Westens zu bevorzugen? Ist jetzt schon der Weltkommunismus ausgebrochen - natürlich nur wenn es den Kapitalisten nützt?
JohnDoe24 05.07.2011
4. Warum?
Ja, warum eigentlich sollte sich China an so ein Urteil halten? Jeder weiss doch wessen Recht diese Institution spricht. China hat jedes Recht der WTO den Stinkefinger zu zeigen, wie man auch diesem sogenannten "Gericht" in DenHaag den Stinkefinger zeigen kann. Und einfach deshalb weil beisdes nichts anderes als Instrumente der USA sind. JD24
sappelkopp 05.07.2011
5. Krude Gedankenwelt...
Zitat von OberleererLachhaft, die westliche Welt, richtiggehend peinlich. Wollen die jetzt China boykottieren? Die sollen bei uns hohe Einfuhrzölle auf Rohstoffe erheben und Ausfuhrzölle ebenso. Dann wird hoffentlich: - weniger auf Halde produziert - weniger Schund und mehr langlebige Güter produziert - Rohstoffe aus den Abfällen zurückgewonnen
Warum sollten bei uns hohe Einfuhrzölle auf Rohstoffe erhoben werden? Meineserachtens kommt der Schund aus China, langlebige Güter werden wohl eher bei uns hergestellt. Da wäre Einfuhrzoll wohl wenig hilfreich, oder? Rohstoffe aus Abfällen zurückgewinnen ist sicherlich ein richtiger Weg.
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