Aus für Bilfinger-Chef Das Scheitern des Roland Koch

Die jüngste Gewinnwarnung war nur der Anlass: Roland Koch muss sein Scheitern als Top-Manager eingestehen - nachdem bereits seine politische Laufbahn in einer Sackgasse endete. Das eine ist mit dem anderen untrennbar verbunden.
Ex-Bilfinger-Chef Koch: Wiederholt vereinbarte Ziele verfehlt

Ex-Bilfinger-Chef Koch: Wiederholt vereinbarte Ziele verfehlt

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Berlin - Aufsichtsratschef Bernhard Walter brachte auf den Punkt, was später wohl als Bilanz der Managerkarriere von Roland Koch in Erinnerung bleiben wird. Der Top-Manager habe wiederholt die mit dem Aufsichtsrat vereinbarten Ziele verfehlt, erklärte der Chefkontrolleur am Dienstag. Zugleich habe der Aufsichtsrat die Gewinnziele immer wieder als zu ehrgeizig eingeschätzt. Die Vertreter der Anteilseigner hätten Koch deshalb den Rücktritt nahegelegt.

Doch die Erklärung klingt zu einfach, um das ganze Drama des ehemaligen CDU-Hoffnungsträgers abzubilden. Mit 56 Jahren steht der gelernte Rechtsanwalt, der auch in der Politik immer als umtriebiger Macher galt, plötzlich vor dem vorläufigen Ende seiner beruflichen Laufbahn.

Vor drei Jahren hatte er den für deutsche Verhältnisse außergewöhnlichen Umstieg von der Politik auf den Chefsessel eines großen Konzerns geschafft. In seiner ersten Karriere hatte er es bis zum Ministerpräsidenten gebracht. Doch als ihm klar wurde, dass sich seine Ambitionen auf den Einzug ins Kanzleramt kaum bewahrheiten würde, hatte er die Brocken hingeworfen, nach dem Motto "Alles oder nichts".

"Alles oder Nichts"

Und zunächst schien es auch so, als sei ihm seine neue Rolle bei Bilfinger auf den Leib geschrieben. Die Gepflogenheiten des Baugeschäfts lernte er schnell, seine angeborenen Machtinstinkte nutzte er, um sich den nötigen Rückhalt im Konzern zu schaffen.

Da fiel es kaum auf, dass er gar keine eigene Vision hatte, wohin Bilfinger - damals noch Bilfinger-Berger - steuern sollte. Koch übernahm einfach die längst eingeschlagene Strategie, das traditionelle, aber riskante Baugeschäft zu Gunsten von Dienstleistungen wie technischer Beratung, Wartung oder Immobilienmanagement zurückzufahren.

Im Rückblick wirkt Kochs Art, Bilfinger zu führen, wie ein großes Missverständnis. Er traf Entscheidungen in der Manier eines Menschen, der glaubt, von der Last der mühsamen Kompromissfindung befreit zu sein, wie sie in der Politik üblich ist. Führung per Dekret - das war laut Insidern das Muster, an dem sich der neue Bilfinger-Chef orientierte. "Koch hat zu viel auf einmal angepackt und das System so unter Stress gesetzt", analysierte IG-Metall-Vorstand Holger Timmer das Problem vergangene Woche in der "Wirtschaftswoche", als der Quasi-Rausschmiss noch nicht absehbar war.

Hintergrund der Kritik ist die Vielzahl von Umstrukturierungsmaßnahmen und Sparprogrammen, die Koch in seiner kurzen Amtszeit gleichzeitig umzusetzen versuchte. Doch statt die durch Übernahmen inzwischen auf rund 75.000 Mitarbeiter angewachsene Belegschaft auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören, säte er Zwietracht, Misstrauen und Frust.

Bestes Beispiel dafür ist die Neuorganisation der Industrieservice-Sparte BIS, die bislang fast die Hälfte des Konzernumsatzes verantwortete. Koch schasste die Manager der bis dahin recht autonom agierenden Münchner Tochter und sorgte für einen Exodus hochqualifizierter Mitarbeiter. Bis der Know-how-Verlust wieder ausgeglichen ist, dürfte noch einige Zeit vergehen.

Gewinnwarnung als Todsünde

Ähnlich rigide diktierte Koch auch die Planzahlen, die die Abteilungsleiter zu liefern hatten - und ignorierte in der Mannheimer Zentrale die Warnsignale aus der Provinz. "Die zwei Gewinnwarnungen hätten vermieden werden können, wenn man nur auf die Verantwortlichen gehört hätte", sagt ein Bilfinger-Manager.

Aus Anlegersicht mag der autoritäre Umgang mit den Mitarbeitern noch als Petitesse durchgehen. Wenn als Konsequenz daraus aber Gewinnwarnungen für Kurseinbrüche an den Börsen sorgen, werten Investoren das als Todsünde. Umso mehr, wenn sie Cevian Capital heißen und 20 Prozent der Bilfinger-Anteile besitzen.

Doch selbst die trüben Aussichten hätte ein gelernter Manager noch einmal mit den komplizierten Strukturreformen begründen können. Andere haben schon weit schwächere Zahlen ausgesessen.

Womöglich hätte er auch noch punkten können, wenn sein Einfluss noch ausreichend groß gewesen wäre, als es um die Ausgestaltung der Energiewende ging. So jedoch sorgt das Gesetzeswerk dafür, dass die Energieversorger ihre Investitionen derzeit massiv zurückfahren. Leidtragende ist auch die Kraftwerkssparte von Bilfinger.

Der Ex-Politiker Koch war erfahrenen Managern vorgezogen worden, weil er in den Augen der Investoren eine Schlüsselqualifikation besaß, die Bilfinger im entscheidenden Fall helfen sollte: die guten Verbindungen nach Berlin. Sie haben sich im Nachhinein nicht als gut genug erwiesen.

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