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18. Juni 2012, 21:38 Uhr

Großbritannien

Rolls-Royce erhält Milliardenauftrag für Atom-U-Boote

Das britische Verteidigungsministerium hat einen Rüstungsauftrag in Milliardenhöhe an den Konzern Rolls-Royce vergeben. Das Unternehmen soll Reaktorkerne für die britische Flotte von nuklear angetriebenen U-Booten liefern. Das sorgt für Krach im britischen Parlament.

London - Der Technologiekonzern Rolls-Royce hat einen Milliarden-Auftrag zum Bau der nächsten Generation britischer Atom-U-Boote an Land gezogen. Der Vertrag mit dem britischen Verteidigungsministerium über ein Volumen von mehr als einer Milliarde Pfund (rund 1,2 Milliarden Euro) wurde am Montag offiziell bekannt.

Demnach sieht der Deal eine Modernisierung der Rolls-Royce-Fabrik im mittelenglischen Derby vor. Der Standort soll in den kommenden elf Jahren für 500 Millionen Pfund erneuert und so dessen Lebensdauer um 40 Jahre verlängert werden. Die übrigen rund 600 Millionen sollen in die Produktion von Reaktorherzen für die Antriebe der neuen Klasse von U-Booten fließen. Diese können im Rahmen des sogenannten Trident-Programms auch mit Atomraketen bestückt werden. Nach Regierungsangaben können dadurch 300 Jobs für Hochqualifizierte gesichert werden.

Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, sollen in Derby zwei Reaktoren gebaut werden - auch zur Versorgung der Astute-Klasse, die Jagd-U-Boote der britischen Marine. Die Meinungen zu dem neuen Deal gehen im britischen Parlament weit auseinander, heißt es in dem Bericht.

Die konservativ-liberale Regierung hatte zuletzt drastische Kürzungen im Rüstungssektor vorgenommen. Sie hatte die endgültige Entscheidung über die Erneuerung der U-Boot-Flotte, die in etwa 15 Jahren außer Dienst gesetzt werden soll, eigentlich bis nach der nächsten Parlamentswahl 2016 verschoben. Die Auftragsvergabe wird als Zeichen gedeutet, dass die Tories nun mit den Plänen dafür vorpreschen. Die Liberalen bevorzugen eine günstigere Alternative.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels war in der Fotostrecke auch vom Autobauer Rolls-Royce die Rede. Das ist falsch. Tatsächlich handelt es sich um den Technologiekonzern. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

bos/dpa

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