Rolls-Royce-Zahlung an Qantas 70 Millionen Euro für ein explodiertes Triebwerk

Es war die größte Panne in der jungen Geschichte des A380, jetzt kommt die Explosion eines Triebwerks die Motorenfirma Rolls-Royce teuer zu stehen: Sie zahlt an die Fluglinie Qantas 70 Millionen Euro. Eine ganze Flotte der Airline musste nach dem Unglück wochenlang auf dem Boden bleiben.

Qantas-Airbus nach der Notlandung im November 2010: Imageschaden und Umsatzverlust
dpa

Qantas-Airbus nach der Notlandung im November 2010: Imageschaden und Umsatzverlust


Sydney - Der Unfall hätte in einer Katastrophe mit 469 Toten enden können: Am 4. November 2010 explodierte an einem Airbus A380 der australischen Fluglinie Qantas Chart zeigen in 2100 Metern Höhe ein Triebwerk. Flammen schlugen hoch, die Maschine musste in Singapur notlanden. Wenige Wochen nach dem Unglück geriet der Triebwerksbauer Rolls-Royce ins Visier der Unfallermittler. Denn nach Erkenntnissen der Luftsicherheitsbehörden war ein Ölleck im Triebwerk die Ursache für die Explosion.

Qantas hatte umgehend eine Klage gegen Rolls-Royce angekündigt. Doch nun ersparen sich beide Firmen die Auseinandersetzung vor Gericht. Denn die australische Fluggesellschaft hat einem Vergleich mit dem Triebwerkshersteller zugestimmt. Qantas-Chef Alan Joyce sagte, die Airline habe ein Angebot von 95 Millionen australischen Dollar (70 Millionen Euro) von Rolls-Royce angenommen.

Qantas hatte durch das Triebwerksunglück nicht nur einen enormen Imageschaden. Als Vorsichtsmaßnahme hatte das Unternehmen nach dem Unglück den Betrieb seiner gesamten A380-Flotte vorübergehend eingestellt. Wochenlang mussten die Maschinen auf dem Boden bleiben.

Mehrere Rolls-Royce-Triebwerke an A380 mussten ausgewechselt werden - auch die Lufthansa Chart zeigen war betroffen: Anfang Dezember 2010 tauschte die deutsche Airline ein A380-Triebwerk auf Anordnung der australischen Luftfahrtbehörde aus.

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Die australische Luftsicherheitsbehörde ATSB hatte in einem Untersuchungsbericht zu dem Unfall erklärt, die 469 Menschen an Bord der Qantas-Maschine seien nur dank des Könnens der fünf Piloten im Cockpit einer tödlichen Katastrophe entkommen. Für Qantas war es der heikelste Vorfall, den das Unternehmen mit Passagierflugzeugen erlebt hatte.

Details zu dem Vergleich mit Rolls-Royce wollte Qantas nicht nennen. Damit seien die juristischen Auseinandersetzungen aber beendet, sagte Airline-Chef Joyce. Rolls-Royce zeigte sich erleichtert über den Vergleich. "Qantas ist ein geschätzter Kunde und wir sind froh, dass diese Angelegenheit geklärt ist", teilte das britische Unternehmen mit. Die Airline erklärte, sie freue sich nun auf eine weitere enge Zusammenarbeit mit Rolls-Royce.

Der britische Motorenbauer arbeitete nach dem Triebswerksunglück monatelang unter Hochdruck an Verbesserungen der Motoren. Rolls-Royce bezifferte seinen Schaden durch die Probleme auf 56 Millionen britische Pfund für 2010. Auch 2011 rechne man noch mit kleineren Zusatzkosten durch die Pannenserie.

Nicht nur die Triebwerksexplosion bescherte der Fluggesellschaft Qantas in den vergangenen Monaten Umsatzeinbußen. Auch ein Erdbeben in Neuseeland kostete die Fluggesellschaft mehrere Millionen australische Dollar. Aktuell zwingt eine Aschewolke eines chilenischen Vulkans viele Maschinen der Airline auf den Boden.

mmq/dapd/AP



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Seite 1
franksterling 22.06.2011
1. -
Das wundert mich kaum. Ich habe vier Jahre in England gelebt und die Engländer als auch deren Produkte als sehr unzuverlässig und qualitativ minderwertig kennengelernt. Allein dass es kein Ausbildungssystem mit Berufsschule wie in Deutschland gibt sagt einiges. War nur ne Frage der Zeit bis da etwas nicht funktioniert.
rodelaax 22.06.2011
2. Da ist Rolls Royce aber billig davon gekommen
Die Reparatur des A380 wurde ursprünglich mit über 125 Millionen US Dollar veranschlagt.
moby-dick 22.06.2011
3. So what
70 Millionen sind ja nix, 20% von dem was ein A380 kostet und nur 1,75% von S21 ;-)
JaguarCat 22.06.2011
4. War wohl doch nicht so teuer ...
Zitat von rodelaaxDie Reparatur des A380 wurde ursprünglich mit über 125 Millionen US Dollar veranschlagt.
Am Ende war es wohl doch nicht ganz so teuer... Jag
martin74 22.06.2011
5. Berufsschule?
Zitat von franksterlingDas wundert mich kaum. Ich habe vier Jahre in England gelebt und die Engländer als auch deren Produkte als sehr unzuverlässig und qualitativ minderwertig kennengelernt. Allein dass es kein Ausbildungssystem mit Berufsschule wie in Deutschland gibt sagt einiges. War nur ne Frage der Zeit bis da etwas nicht funktioniert.
Nimand wird ernsthaft behaupten, dass die Triebwerke von Berufsschülern gebaut werden. Kein einziges Teil davon. Und ich glaube auch nicht, dass die Ingenieure schlechter als unsere sind.
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