Rosneft Russischer Ölgigant plant Großübernahme in Deutschland

Der russische Ölriese Rosneft will bei dem Unternehmen Ruhr Oel einsteigen, dem ein Viertel der deutschen Raffinerie-Kapazitäten gehören. Laut "Wall Street Journal" sind die Verhandlungen weit fortgeschritten. Es wäre der größte Zukauf eines vom Kreml kontrollierten Konzerns in Westeuropa.

Deutsche Ölraffinerie PCK in Schwedt: Bald unter dem Einfluss des Kreml?
REUTERS

Deutsche Ölraffinerie PCK in Schwedt: Bald unter dem Einfluss des Kreml?


Moskau - Die Strategie russischer Großkonzerne ist seit langem klar: Sie planen Übernahmen im Westen. Doch bisher ist kein einziger großer Coup geglückt. Immer wieder gab es etwa Gerüchte über einen Gazprom-Einstieg Chart zeigen beim deutschen Stromriesen RWE Chart zeigen, bewahrheitet haben sie sich bislang nie.

Nun könnten die Russen erstmals einen richtigen Erfolg verbuchen. Laut "Wall Street Journal" steht der Ölkonzern Rosneft Chart zeigen kurz davor, bei dem deutschen Unternehmen Ruhr Oel einzusteigen. Falls das Geschäft tatsächlich zustande kommt, wäre es der größte Zukauf eines staatlich kontrollierten russischen Konzerns in Westeuropa.

Rosneft ist eines der umsatzstärksten russischen Unternehmen überhaupt. Es fördert und raffiniert Erdöl, außerdem ist es im Gasgeschäft aktiv. Rosneft ist zwar an der Börse notiert, befindet sich aber mehrheitlich in Staatsbesitz. Aufsichtsratschef ist Igor Setschin, ein enger Vertrauter von Premierminister Wladimir Putin.

Nun plant der Konzern offenbar den Sprung nach Westeuropa. Rosneft sei in fortgeschrittenen Verhandlungen, einen 50-Prozent-Anteil an Ruhr Oel zu kaufen, berichtet das "Wall Street Journal". Der zum Verkauf stehende Anteil gehört bisher der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela (PdVSA).

Presseberichte, wonach Russland und Venezuela über die Beteiligung verhandeln, hatte es schon Anfang April gegeben. Anlass war damals eine Reise des russischen Regierungschefs Wladimir Putin nach Caracas. Doch nun scheint sich das Vorhaben zu konkretisieren, laut "WSJ" steht für den 50-Prozent-Anteil an Ruhr Oel ein Kaufpreis von ein bis zwei Milliarden Euro im Raum. Die Zeitung beruft sich auf Insider.

Auch der britische Ölkonzern BP ist involviert

Ruhr Oel wurde 1983 gegründet und besitzt die Raffinerien Scholven und Horst, die beide in Gelsenkirchen liegen. Zudem hält das Unternehmen Anteile an den Raffinerien PCK in Schwedt, Miro in Karlsruhe und Bayernoil in Vohburg. Insgesamt kontrolliert Ruhr Oel rund ein Viertel der Raffineriekapazitäten in Deutschland.

Die Transaktion hätte auch Auswirkungen auf den britischen Energiekonzern BP. Das Unternehmen hält die zweite Hälfte an Ruhr Oel und ein Vorkaufsrecht für den Anteil des venezolanischen Partners. Damit die Briten auf dieses Vorkaufsrecht verzichten, habe Rosneft ihnen ein attraktives Angebot gemacht, berichtet das "WSJ".

Das Angebot sieht demnach vor, dass Rosneft und BP die Ölreserven in der Arktis gemeinsam erforschen. Dies wäre ein wichtiges Signal, dass BP trotz der Ölkatastrophe im Golf Mexiko als Partner für neue Projekte weiter salonfähig sei. BP und Rosneft arbeiten schon bei einer Reihe von Projekten zusammen.

wal/dpa-AFX/Reuters



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politik_politik_politik 14.07.2010
1.
Russland wird mehr bieten müssen. Dies ist für uns auch eine große Chance. Es ist auch sehr unwahrscheinlich das sich Russland auf dieses eine Standbein verlassen wird. Ein gesunder Mix aus Entwicklung, Produktion, Dienstleistung,Industrie, Handwerk Rohstofflieferant macht eine Volkswirtschaft erst stark und attraktiv. Nicht zu vergessen Rechtssicherheit.
Knippi2006 14.07.2010
2.
Zitat von sysopDie russische Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren stärker gewachsen als die deutsche. Aber wie zukunftsträchtig ist das ökonomische Modell des Landes? Kann Russland mehr bieten als Erdgas?
Von einem niedrigen Niveau aus ist eine Steigerung immer leichter als von einem hohen, das sieht man ja auch an China recht gut. Natürlich kann/könnte Russland mehr bieten als Erdgas, nur hält anscheinend die Entwicklung der russischen Zivilgesellschaft kaum Schritt mit der Wirtschaft. Im übrigen nicht alleine ein russisches Problem, nur während sie sich in Russland und anderen Schwellenländern langsam entwickelt, versucht man in Westeuropa derzeit genau das Gegenteil zu erreichen.
Berg 16.07.2010
3. Versäumnis
Es war eines der fatalen Versäumnisse nach der Wende, dass das vereinte Deutschland den Riesenmarkt im Osten aufgegeben hat, in dem Tausende Betriebe eingebunden waren. Man hätte mit allen finanziellen, diplomatischen, handelspolitischen Mitteln diesen Absatzmarkt pflegen, zielgerichtet auf die neue Weltmarktsituation umstellen und für Deutschland nutzbar machen sollen. Erst nach vielen Jahren überheblichen Lamentierens vom "zusammengebrochenen Ostmarkt" (Kohl liebte das, obwohl er selber an diesem "Zusammenbruch" beteiligt war) machten sich Sachsen, Thüringen bis Siemens und Bombardier wieder auf, um Lieferungen anzubieten, die die neuen Staaten mit Erdöl- oder Erdgaserlösen bezahlen können. Es wird Zeit, dass nun endlich unter Merkel eine grundsätzliche Verbesserung für den Absatz deutscher Exporte in den Osten angestrebt wird. Firmen haben sich einzeln bemüht (Arzneimittelanlagen, Telekommunikation), nun müssen Staatsvereinbarungen, Bankverträge usw. her. Russland IST VIEL mehr, als nur Erdgaslieferant - der ganze Osten ist ABSATZMARKT für die deutsche Überproduktion/Exportwirtschaft.
matthias schwalbe, 16.07.2010
4.
Zitat von BergEs war eines der fatalen Versäumnisse nach der Wende, dass das vereinte Deutschland den Riesenmarkt im Osten aufgegeben hat, in dem Tausende Betriebe eingebunden waren. Man hätte mit allen finanziellen, diplomatischen, handelspolitischen Mitteln diesen Absatzmarkt pflegen, zielgerichtet auf die neue Weltmarktsituation umstellen und für Deutschland nutzbar machen sollen. Erst nach vielen Jahren überheblichen Lamentierens vom "zusammengebrochenen Ostmarkt" (Kohl liebte das, obwohl er selber an diesem "Zusammenbruch" beteiligt war) machten sich Sachsen, Thüringen bis Siemens und Bombardier wieder auf, um Lieferungen anzubieten, die die neuen Staaten mit Erdöl- oder Erdgaserlösen bezahlen können. Es wird Zeit, dass nun endlich unter Merkel eine grundsätzliche Verbesserung für den Absatz deutscher Exporte in den Osten angestrebt wird. Firmen haben sich einzeln bemüht (Arzneimittelanlagen, Telekommunikation), nun müssen Staatsvereinbarungen, Bankverträge usw. her. Russland IST VIEL mehr, als nur Erdgaslieferant - der ganze Osten ist ABSATZMARKT für die deutsche Überproduktion/Exportwirtschaft.
Ihr ganzer Vortrag ist von vorn bis hinten falsch. Der "Ostmarkt" wurde nach der Wende nie aus dem Auge verloren. Eher das Gegenteil ist der Fall. Seit den 1990er Jahren z.B. hat Wintershall ihr Engagement im Erdgashandel verstärkt. So traf man z. B. im Herbst 1990 mit der russischen OAO Gazprom eine langfristige Vereinbarung über die Vermarktung von russischem Erdgas in Deutschland. Dabei stellte der "Vertrag über die gaswirtschaftliche Zusammenarbeit" kurz vor der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten die Basis für ein absolutes Novum in der Erdgaswirtschaft. Eine "...zielgerichtete Umstellung..."- wie Sie sie beschreiben- konnte aber erst mit der Einführung von einer halbwegs verlässlichen Regierung beginnen. Alles noch erschwert durch den Zerfall der SU in einzelnen Teilstaaten bis nach Asien und vor allem die Begerlichkeiten der Russen auf die Rohstoffe dort- arauf hatte Kohl + deutsche Industrie nie einen Einfluß ! Das Autos, Züge und alle anderen von Ihnen angeführten Exporte nicht mit Transferrubel zu bezahlen sind dürfte Ihnen ja klar sein. Außerdem galt dieses System bis 1991 und wurde erst auf der 45.Tagung des RGW's auf Devisenzahlung umgestellt. Was Sie Kohl unterstellen, dass er es liebte und er am Zusammenbruch der Ostmärkte mit beteiligt war halte ich ebenfalls für völlig aus der Luft gegriffen. Wenn es für ostdeutsche Betriebe- z.B. für die Verarbeitung von Kupfer in Transformatoren- Kupfer nur gegen Devisen gab hat das herzlich wenig mit Kohl zu tun ! Das ostdeutsche Betriebe erst einmal in markttaugliche Unternehmen umgewandelt werden mussten und all dies nicht über Nacht möglich war (Eigentumsverhältnisse,Rückforderung von Grundastücken etc.) ist auch eine Binse. Wie Sie auf Überproduktionen kommen ist mir schleierhaft. Die gab es zur Zeit nach der Wende noch nicht mal im Automobilbau. Und noch etwas Freund Berg, dass die deutsche Industrie- auch wenn diese sich Exportweltmeister nennt- nicht alleine am Start sind dürfte Ihnen auch einleuchten.
Berg 16.07.2010
5.
Zitat von matthias schwalbeIhr ganzer Vortrag ist von vorn bis hinten falsch. Der "Ostmarkt" wurde nach der Wende nie aus dem Auge verloren. Eher das Gegenteil ist der Fall. Seit den 1990er Jahren z.B. hat Wintershall ihr Engagement im Erdgashandel verstärkt. So traf man z. B. im Herbst 1990 mit der russischen OAO Gazprom eine langfristige Vereinbarung über die Vermarktung von russischem Erdgas in Deutschland. Dabei stellte der "Vertrag über die gaswirtschaftliche Zusammenarbeit" kurz vor der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten die Basis für ein absolutes Novum in der Erdgaswirtschaft. Eine "...zielgerichtete Umstellung..."- wie Sie sie beschreiben- konnte aber erst mit der Einführung von einer halbwegs verlässlichen Regierung beginnen. Alles noch erschwert durch den Zerfall der SU in einzelnen Teilstaaten bis nach Asien und vor allem die Begerlichkeiten der Russen auf die Rohstoffe dort- arauf hatte Kohl + deutsche Industrie nie einen Einfluß ! Das Autos, Züge und alle anderen von Ihnen angeführten Exporte nicht mit Transferrubel zu bezahlen sind dürfte Ihnen ja klar sein. Außerdem galt dieses System bis 1991 und wurde erst auf der 45.Tagung des RGW's auf Devisenzahlung umgestellt. Was Sie Kohl unterstellen, dass er es liebte und er am Zusammenbruch der Ostmärkte mit beteiligt war halte ich ebenfalls für völlig aus der Luft gegriffen. Wenn es für ostdeutsche Betriebe- z.B. für die Verarbeitung von Kupfer in Transformatoren- Kupfer nur gegen Devisen gab hat das herzlich wenig mit Kohl zu tun ! Das ostdeutsche Betriebe erst einmal in markttaugliche Unternehmen umgewandelt werden mussten und all dies nicht über Nacht möglich war (Eigentumsverhältnisse,Rückforderung von Grundastücken etc.) ist auch eine Binse. Wie Sie auf Überproduktionen kommen ist mir schleierhaft. Die gab es zur Zeit nach der Wende noch nicht mal im Automobilbau. Und noch etwas Freund Berg, dass die deutsche Industrie- auch wenn diese sich Exportweltmeister nennt- nicht alleine am Start sind dürfte Ihnen auch einleuchten.
Von Ostdeutschland war in meinem Beitrag gar nicht die Rede, sondern vom vereinten Deutschland, einem Land mit gewaltiger Überschussproduktion, verbrämt als Exportweltmeister. - Und Erdöl/Erdgaslieferungen nach dem Westen sind eben KEIN Indiz für eine Pflege des Ostmarktes, sondern lediglich eine Importsicherung der Energieriesen gegen Bares. - Ich bekräftigte, was Merkel und Medwedjew gestern gesagt haben. - Und Kohl hat Gorbatschow beschwatzt, und zwar in politisch-ideologischer Siegermanier, ohne auf die wirtschaftlichen Folgen zu achten. Das alles ist nun, nach 20 Jahren (!) hoffentlich korrigiert
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