Rubel-Abwertung Russische Zentralbank sorgt sich um Kapitalflucht

Investoren reißen sich um Euro und Dollar: Russlands Zentralbank verzeichnet einen "dramatischen Anstieg" der Nachfrage nach ausländischen Währungen. Die Schwäche des Rubels spüren zunehmend auch Firmen in Deutschland.
Russische Zentralbank in Moskau: "Dramatischer Anstieg" der Kapitalflucht

Russische Zentralbank in Moskau: "Dramatischer Anstieg" der Kapitalflucht

Foto: Yuri Kochetkov/ picture alliance / dpa

Hamburg/Moskau - Die Wirtschaft in Russland steuert auf eine tiefe Krise zu. Der Rubel verlor in den ersten drei Monaten des Jahres rund neun Prozent an Wert zum Dollar und gut acht Prozent zum Euro. Die Folge: Investoren wenden sich immer stärker von der russischen Währung ab, die Nachfrage nach ausländischen Währungen in Russland - vor allem nach Euro und Dollar - steigt auf einen neuen Rekordwert: im März auf 14,9 Milliarden Dollar, wie aus Daten der russischen Zentralbank hervorgeht.

Dies ist der höchste Stand seit Januar 2009 und ein Plus von 50 Prozent zum Vormonat. Die Zentralbank sprach von einem "dramatischen Anstieg". Die Russen hätten auch in Rekordtempo ausländische Bargeldanlagen von ihren Konten abgezogen - insgesamt rund 6,9 Milliarden Dollar. Rund die Hälfte davon stamme von ihren Dollar-Konten.

Mit dem Rubel ging es am stärksten im März bergab, als das umstrittene Referendum zur Krim stattfand und Russland sich die Halbinsel trotz Kritik des Westens einverleibte. Am Wochenende gab es erneut ein international nicht anerkanntes Referendum: In der Ostukraine sprach sich nach Angaben der Separatisten eine überwältigende Mehrheit für die Unabhängigkeit von der Ukraine aus.

Auch wenn die Probleme nur zu einem Teil Folge der Krim-Krise sind, dürften dies für die Wirtschaftsstrategen des Kreml weitere unerfreuliche Nachrichten nach Wochen voller Hiobsbotschaften sein: Bereits Ende März warnte die Weltbank vor einer schweren Rezession in Russland, die Wirtschaft werde um 1,8 Prozent schrumpfen. Mit dem Absturz des Rubels und der Kapitalflucht ins Ausland gehen auch die Investitionen zurück.

Rückgänge bei den deutschen Ausfuhren nach Russland

In Deutschland spüren exportorientierte Firmen zunehmend die Schwäche der russischen Währung: Der Wert des Rubels ist zum Euro im Vergleich zum ersten Quartal 2013 um ein Fünftel gefallen. Produkte "made in Germany" werden in Russland damit merklich teurer.

"Viele Exporteure sehen bereits deutliche Bremsspuren in ihrem Russlandgeschäft", sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Auch wenn sich der Ukraine-Konflikt nicht weiter verschärft, rechnen wir mit rund 10 Prozent Minus im Gesamtjahr - das sind mehr als 3 Milliarden Euro."

Dem Statistischen Bundesamt zufolge gibt es seit einem Jahr durchweg monatliche Rückgänge bei den deutschen Ausfuhren nach Russland. Die russische Wirtschaft schwächelt seit einiger Zeit. Allein im ersten Quartal 2014 schrumpfte sie laut Internationalem Währungsfonds (IWF) um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal - auch ohne harte Wirtschaftssanktionen. Das macht sich bemerkbar.

bos/dpa/Reuters