Rubel-Absturz Russland-Crash erreicht Deutschland

Der Verfall von Rubel und Ölpreis macht Anleger in Deutschland nervös. Firmen wie Adidas und Metro stehen massiv unter Druck. In Russland stürmen Kunden die Geschäfte: Sie wollen ihr Geld so schnell wie möglich loswerden.
Rubel-Absturz: Russland-Crash erreicht Deutschland

Rubel-Absturz: Russland-Crash erreicht Deutschland

Foto: Anatoly Maltsev/ dpa

Frankfurt am Main - Trotz einer drastischen Zinserhöhung in Russland fällt die Währung des Landes weiter. Die Nervosität infolge des Rubel-Absturzes und des Ölpreis-Verfalls hat auch den deutschen Aktienmarkt erfasst. Bis zum Nachmittag bewegten sich die Kurse hektisch auf und ab.

Der Dax lag zwischenzeitlich im Minus, erholte sich aber gegen Abend: Nach starken Kursausschlägen schloss der deutsche Leitindex schließlich mehr als zwei Prozent im Plus. Dennoch halte die Nervosität an, befinden Analysten.

Besonders Aktien von Unternehmen mit einem bedeutenden Geschäftsanteil in Russland gerieten an der deutschen Börse unter Druck. In den wichtigsten Indizes nennen Börsianer vor allem den Sportartikelhersteller Adidas   und das Handelsunternehmen Metro  , aber auch Stada   als diejenigen Werte, die besonders stark unter dem Verfall der russischen Währung leiden.

Für zusätzliche Unsicherheit sorgte die am Mittwoch anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank sowie die auffälligen Schwankungen vor dem großen Verfall an den Terminbörsen am Freitag - dem sogenannten Hexensabbat.

Russlands Zentralbank wollte in der Nacht auf Dienstag mit einem riesigen Zinsschritt den Verfall des Rubels stoppen, indem sie ihren Leitzins um 6,5 Punkte auf 17 Prozent erhöhte. Doch die Wirkung der drastischen Maßnahme ist verpufft.

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Furcht vor Staatspleite

Die russische Währung verlor am Dienstag zwischenzeitig dramatisch an Wert. Bekam man zum Handelsbeginn für einen Euro noch knapp 82 Rubel, waren es im Tagesverlauf bereits rund hundert. Am Abend waren es schließlich wieder etwa 85 Rubel.

Der Absturz des Rubels hat auch die Talfahrt an der Moskauer Börse weiter beschleunigt und den Aktienindex RTS auf ein neues Jahrestief gedrückt: Zeitweise brach er am Dienstag um fast 15 Prozent ein, nach Börsenschluss in Moskau lag er etwa zwölf Prozent im Minus bei rund 630 Punkten nach einem Tagestief von 578 Punkten.

Der Währungsverfall beschwört die Gefahr einer erneuten Staatspleite Russlands herauf. Notenbankchefin Elwira Nabiullina versicherte, sich im Schulterschluss mit der Regierung gegen eine weitere Rubel-Talfahrt zu stemmen.

Ministerpräsident Dmitrij Medwedew berief ein Krisentreffen im Kreml ein. Laut dem russischen Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew waren dabei Kapitalkontrollen kein Thema. Mit solchen Kontrollen würde der russische Staat massiv in den Devisenmarkt eingreifen und den Abfluss von Kapital verhindern.

Trotz der milliardenschweren Interventionen der Notenbank hat die Landeswährung dieses Jahr bereits 50 Prozent an Wert zum Dollar verloren. Das Land wird nun voraussichtlich seine Devisenreserven zur Stabilisierung der Währung zusehends aufbrauchen.

Russen stürmen Geschäfte

Für die russische Bevölkerung hat der Rubel-Crash dramatische Folgen: Aus Sorge vor einem weiteren Wertverfall stürmen viele Russen in Elektronikmärkte, Möbelgeschäfte oder sogar Autohäuser, wo sie ihre Ersparnisse loswerden wollen.

Auch Einkaufszentren erleben einen Ansturm. Ein Beispiel ist die schwedische Möbelkette Ikea, vor deren Kaufhäusern sich in den vergangenen Tagen lange Schlangen bildeten. Mehrere Stunden mussten die Kunden warten, bis sie eintreten konnten. Der Grund: Ikea hatte Anfang Dezember angekündigt, wegen der Talfahrt des Rubels in Kürze die Preise anzuheben.

Keine Vorwarnung gab es hingegen von Apple. Der Konzern hatte Ende November von heute auf morgen seine Preise angehoben: iPhones, iPads und MacBooks verteuerten sich im Schnitt um mehr als 20 Prozent.

Auch die Handelskette MVideo für Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik zählte Anfang Dezember mehr Kunden. Dies lag zum einen an den Weihnachtseinkäufen, zum anderen aber auch an der Talfahrt des Rubels.

Die Haushalte leiden unter dem Crash der Währung, die seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel ihres Wertes im Vergleich zum Euro verloren hat - was unter anderem an den westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise und dem fallenden Ölpreis liegt. Durch den Währungsverfall sind die Preise für russische Verbraucher erheblich gestiegen, sodass die Zentralbank für das Jahresende eine Inflationsrate von rund zehn Prozent annimmt.

bos/dpa/AFP