Rückruf-Serie Akio Toyoda entschuldigt sich bei den Opfern

Nach seinem US-Statthalter James Lentz will sich auch Toyota-Chef Akio Toyoda vor dem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses entschuldigen. "Toyota sei zu schnell gewachsen", heißt es in einer vorab verbreiteten Stellungnahme des Gründer-Enkels.
Toyota-Chef Toyoda: Fehlentwicklungen durch zu schnelles Wachstum

Toyota-Chef Toyoda: Fehlentwicklungen durch zu schnelles Wachstum

Foto: Franck Robichon/ dpa

Washington - Die tödliche Pannenserie erschüttert den japanischen Autobauer Toyota   in seinen Grundfesten. "Ich fürchte, das Tempo, in dem wir gewachsen sind, könnte zu schnell gewesen sein", heißt es in einer Stellungnahme von Konzernchef Akio Toyoda, die er an diesem Mittwoch vor einem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses verlesen will. Das Management habe verlernt, auf die Kunden zu hören, es habe die Ausbildung seiner Leute vernachlässigt und die Entwicklung des Unternehmens aus den Augen verloren. "Ich bedauere, dass dies zu den in den Rückrufen beschriebenen Sicherheitsproblemen geführt hat", sagte Toyoda. "Es tut mir sehr leid um jeden Toyota- Fahrer, der einen Unfall hatte."

Namentlich wandte er sich an die Hinterbliebenen der Familie Saylor und sprach ihnen sein Mitgefühl aus. Im August vergangenen Jahres waren vier Familienmitglieder bei einem Unfall mit einer Lexus-Limousine ums Leben gekommen, weil der Wagen sich nicht mehr stoppen ließ und in einen Geländewagen raste. Das Unglück hatte letztlich die Rückrufwelle ausgelöst. "Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, dass sich solch eine Tragödie niemals wiederholt", versprach Toyoda. "Mein Name steht auf jedem Auto", sagte der medienscheue Enkel des Firmengründers. Deshalb treffe ihn das Debakel besonders. "Ich wünsche mir mehr als irgendjemand anderes, dass Toyota-Autos sicher sind."

Der Konzern ruft weltweit insgesamt mehr als 8,5 Millionen Autos wegen diverser Defekte zurück. Die meisten Wagen drohen, ungewollt zu beschleunigen. Bei einigen Hybridmodellen können die Bremsen zeitweise aussetzen. Die USA sind besonders betroffen. Hier war Toyota in den vergangenen Jahren zum zweitbeliebtesten Hersteller aufgestiegen gleich nach General Motors.

Probleme nicht "total sicher" beseitigt

Insgesamt sollen 34 Menschen ihr Leben bei Unfällen verloren haben, weil sich ihre Wagen nicht mehr stoppen ließen. Toyota hat als Ursache klemmende Gaspedale und rutschende Fußmatten identifiziert und tauscht diese nun aus.

Der Chef von Toyotas US-Tochtergesellschaft, James Lentz, musste am Dienstag zum Auftakt der Anhörungen in Washington aber einräumen, dass die Gefahr trotz der laufenden Reparaturen nicht gänzlich gebannt ist. Es sei "nicht total" sicher, dass nach dem Rückruf alle Probleme beseitigt seien, sagte er. Es bestehe eine "sehr, sehr kleine Möglichkeit", dass Toyota-Autos weiterhin ungewollt beschleunigten. "Wir müssen weiter testen."

Die Ausschussvorsitzenden Henry Waxman und Bart Stupak hatten Toyota bereits im Vorfeld dafür gescholten, dass der Autobauer Probleme mit der Elektronik als Fehlerquelle frühzeitig ausgeschlossen hatte. "Sie haben die amerikanische Öffentlichkeit getäuscht", sagte Stupak. "Toyota hat den amerikanischen Bürgern, den Autobesitzern und Händlern viel zu erklären."

Stupak verwies darauf, dass es sehr viele Beschwerden von Kunden gebe, deren Wagen nicht zur Reparatur in die Werkstätten gerufen worden seien. Auch für diese Autos müsse Toyota eine Lösung finden, forderte er. Lentz gab auf Nachfrage zu, dass Toyota für 70 Prozent der Beschwerden über das plötzliche Beschleunigen von Autos keine Erklärung habe.

Dritte Anhörung für den 2. März geplant

Bei den meisten Toyota-Autos ist das Gaspedal über Sensoren und Chips mit dem Motor verbunden. Zwei geladene Sachverständige stützten die Vermutung der Parlamentarier, dass die Fehlerquelle hier zu suchen ist. "Wir sind überzeugt, dass es keine Probleme mit dem elektronischen Gaspedal-System in unseren Fahrzeugen gibt", sagte Lentz.

Toyota war bereits vor der Anhörung in die Defensive geraten. Über das Wochenende waren brisante Interna und neue Vorwürfe gegen den japanischen Autohersteller aufgetaucht. Toyota rühmt sich in einer Präsentation, die dem Ausschuss vorlag, durch gute Lobbyarbeit in den USA vor drei Jahren einen teuren Rückruf vermieden zu haben. Die gefürchtete Börsenaufsicht SEC und New Yorker Strafverfolger schalteten sich in den Fall ein.

"Es hat zu lange gedauert, bis wir ein seltenes aber ernstes Bündel an Sicherheitsproblemen in den Griff bekommen haben", sagte Lentz. "Wir gestehen diese Fehler ein, wir bitten um Entschuldigung dafür."

Neben Toyoda stellt sich am Mittwoch auch der zweite US-Landeschef, Yoshimi Inaba, den Fragen der Parlamentarier. Eine dritte und vorerst letzte Anhörung ist für den 2. März angesetzt.

mik/AFP/dpa/AP
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