Rückstellungen für Rückrufe Massiver Gewinneinbruch bei Ford

Nach General Motors schlagen auch bei Ford die Kosten für Rückrufe ins Kontor. Unter anderem wegen Aufwendungen für Gewährleistungsfälle musste der zweitgrößte US-Autobauer im Auftaktquartal einen massiven Gewinneinbruch hinnehmen.

Produktion bei Ford in Köln: Bis zur Mitte des Jahrzehnts schwarze Zahlen
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Produktion bei Ford in Köln: Bis zur Mitte des Jahrzehnts schwarze Zahlen


Detroit - Schadenfreude wegen millionenfacher Rückrufe kann sich kein Autobauer leisten - zu groß ist die Gefahr, dass es auch ein Modell aus dem eigenen Hause erwischen könnte. Die Qualitätsprobleme machen auch Ford Chart zeigen zu schaffen, wie die Rücklagen für Rückrufe und Garantieansprüche belegen. Die Spuren in der Bilanz sind deutlich sichtbar: Um 39 Prozent fiel der Nettogewinn auf knapp eine Milliarde Dollar, wie der Konzern am Freitag bekanntgab.

Dass Ford damit noch besser dasteht als GM, ist nur ein schwacher Trost. Die Kosten der tödlichen Pannenserie wegen fehlerhafter Zündschlösser hatten bei der Opel-Mutter zu Jahresbeginn fast den kompletten Gewinn aufgefressen. Der US-Autobauer stellte 1,3 Milliarden Dollar für den Rückruf von Millionen Fahrzeugen zurück. Verglichen damit kam Ford mit 400 Millionen Dollar fast günstig davon.

Trotzdem ist die Summe ungewohnt hoch, wie auch Ford-Finanzchef Bob Shanks freimütig einräumte. Rückrufe und Kundenbeschwerden hätten in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Von diesem Trend sei die ganze Pkw-Branche betroffen. Die Zahl der Rückrufe steigt, weil in der Produktion aus Kostengründen mehr gleiche Teile verwendet werden und mehr Elektronik in den Fahrzeugen steckt. Wenn es bei einem Lieferanten zu Problemen kommt, sind davon schnell viele Fahrzeuge betroffen. Ford hatte jüngst Halter von 434.700 Autos vor allem in Nordamerika wegen verschiedener technischer Probleme angeschrieben. In einem Fall könnten Rostschäden dazu führen, dass die Lenkkontrolle beeinträchtigt wird.

Europa-Tochter macht Fortschritte

An der Börse kam die Bilanz nicht so gut an. Die Aktie verlor zunächst an Boden. Trotz des enttäuschenden Quartals hält Ford an seiner Prognose für das Gesamtjahr fest und peilt vor Steuern einen Gewinn von sieben bis acht Milliarden Dollar an. Von Januar bis März waren es 1,4 Milliarden Dollar - ein Minus von 36 Prozent.

2014 plant der Autobauer 23 Modellneuheiten - so viel wie noch nie in einem Jahr. Darunter ist auch der neue Pick-up F-150, der im Herbst auf den Markt kommen soll. Es ist der am meisten verkaufte Wagen dieser Art in den USA und das Auto, mit dem Ford am meisten Geld verdient. Bei den Neuheiten sei Ford auf Kurs, sagte Shanks.

Während die Rückstellungen in den USA und Währungsschwankungen in Venezuela den Konzern belasteten, kommt Ford in Europa langsam voran. So wurde der Vorsteuerverlust hier auf 194 Millionen Dollar verringert. Ein Jahr zuvor waren es noch 425 Millionen Dollar. Die Sanierung in Europa mache Fortschritte, hieß es bei Ford. Es würden dort auch wieder mehr Autos verkauft. Im März legten die Pkw-Verkaufszahlen in der EU den siebten Monat in Folge zu. Allerdings ist das Absatzniveau nach vielen Krisenjahren noch vergleichsweise gering.

Wie bei General Motors Chart zeigen ist Europa für Ford weltweit die Region mit den größten Problemen, da der Markt als gesättigt gilt. Die Werke sind wegen der Flaute kaum ausgelastet. Ford hatte ein Sparprogramm aufgelegt, um bis zur Mitte des Jahrzehnts in Europa wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Tausende Arbeitsplätze fallen weg, drei Werke in Belgien und Großbritannien werden geschlossen.

mik/Reuters



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