Druck vom Kartellamt Amazon schafft Niedrigpreiszwang für Händler ab

Wenn ein Händler bei Amazon seine Produkte anbietet, darf er sie nirgendwo anders günstiger verkaufen. Diese Regel hat das Bundeskartellamt nun kritisiert. Die Aufseher fürchten, dass Amazon kleine Konkurrenten so aus dem Markt drängt. Das Internetkaufhaus hat bereits reagiert.

Amazon-Zentrale: Will der Internet-Gigant kleinen Händlern schaden?
REUTERS

Amazon-Zentrale: Will der Internet-Gigant kleinen Händlern schaden?


Bonn - Amazon Chart zeigen will nach Angaben des Bundeskartellamts auf Preisauflagen für Händler auf seinem Marktplatz verzichten. Das Unternehmen habe mitgeteilt, "die Preisparität auf dem Amazon Marketplace nicht mehr durchzusetzen", teilte das Kartellamt mit.

Amazon verbietet den Marketplace-Händlern auf seiner Seite bislang, das gleiche Produkt auf anderen Plattformen wie Ebay Chart zeigen oder eigenen Internetseiten günstiger anzubieten. "Um Kunden bei Amazon.de das bestmögliche Einkaufserlebnis zu bieten, dürfen Verkäufer, die sich entscheiden, Ihre Produkte bei Amazon anzubieten, bei Amazon keinen höheren Preis verlangen als anderswo", stand am Dienstagabend immer noch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf der Amazon-Webseite.

Die Wettbewerbsbehörde hatte im Februar ein Verfahren wegen den umstrittenen Preisklausel eingeleitet. Es sah darin eine Behinderung von neuen Konkurrenten, weil sie Händlern günstigere Provisionen für den Verkauf von Produkten anbieten könnten als der Platzhirsch Amazon, um bekannter zu werden. Amazons Preisklausel könne deshalb auch zu einem höheren Preisniveau zulasten des Verbrauchers führen.

Das Bundeskartellamt hatte die Klausel näher unter die Lupe genommen, da sie möglicherweise gegen das allgemeine Kartellverbot verstößt. Amazon gibt an, dass die Geschäftsbedingungen für manche Händler bereits geändert worden sind.

Das Kartellamt prüfe nun, ob die Änderungen "nach Form, Inhalt und Umfang ausreichen", um die Untersuchung einzustellen, sagte Andreas Mundt, Präsident der Behörde. Um die Untersuchung zu beenden, müsse aber eine "Wiederholungsgefahr" ausgeschlossen werden.

ade/dpa/AFP

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gesellschaftswandel 27.08.2013
1. Fdp
Und hier sieht man mal wieder, wie sich der Markt nach liberalen denken selbst reguliert. Der Stärkere gewinnt und der Verbraucher wäre der Verlierer, wenn nicht wie hier die Politik zurecht eingreifen würde. Ich wünsche der FDP max. 1,8%. Eine Partei die niemand brauch.
kölschejung72 27.08.2013
2. Früher war es so
Dass man die meisten Produkte im Marketplace ca. 2-3% teuer hatte als beim Händler direkt im eigenen Webshop. Solange Amazon die Rücknahmeregelen beibehält, wird kaum jemand wegen solch geringer Preisunterschiede, sich die Mühe machen, sich in einem anderen Shop neu zu registrieren. Insofern vergibt sich Amazon da nichts, wenn die die Regelung streichen.
sick-and-tired 27.08.2013
3. Endlich kann ich auch woanders kaufen,
ohne mehr als bei Amazon zu zahlen. Ich stimme dem 1. Beitrag in diesem Forum zu: Das freie Spiel der Kräfte des Marktes ist unsozial und oft pervers.
wird_licht 27.08.2013
4. Hohe Verkausgebühren bei Amazon
Bai Amazon zahle ich als gewerblicher Verkäufer ca. 15% des Verkauspreises als Provision an Amazon. Bei Ebay sind es unter 10% und im eigenen Online-Shop gen 0%. Wenn die Kunden so dämlich sind und bei lieber zu 100? bei Amazon kaufen anstatt zu 85? im Shop dann sind sie selbst schuld. Wenn ich im Shop für 100? anbiete biete ich dem Kunden aber keinen Vorteil zum Kauf bei Amazon, weswegen ich die Vorschrift von Amazon immer schon rechtlich fragwürdig fand. Übrigens: mit 15% Verkausprovision verdient Amazon häufig mehr als der Händler, der die eigentliche Arbeit hat...
Bitpull 27.08.2013
5.
Zitat von wird_lichtBai Amazon zahle ich als gewerblicher Verkäufer ca. 15% des Verkauspreises als Provision an Amazon. Bei Ebay sind es unter 10% und im eigenen Online-Shop gen 0%. Wenn die Kunden so dämlich sind und bei lieber zu 100? bei Amazon kaufen anstatt zu 85? im Shop dann sind sie selbst schuld. Wenn ich im Shop für 100? anbiete biete ich dem Kunden aber keinen Vorteil zum Kauf bei Amazon, weswegen ich die Vorschrift von Amazon immer schon rechtlich fragwürdig fand. Übrigens: mit 15% Verkausprovision verdient Amazon häufig mehr als der Händler, der die eigentliche Arbeit hat...
Verkaufe ebenfalls bei eBay, Amazon und Websop, habe mich niemals an die Preisparität gehalten und musste dennoch mit Erstaunen feststellen, dass die meisten Amazon Kunden wie geschildert zu dämlich sind, das 15% günstigere Shopangebot in Anspruch zu nehmen. Liegt wohl daran, dass ein Großteil des "typischen Amazon-Klientels" nur eine Handvoll etablierter Seiten wie Google, Facebook, Amazon, eBay etc. kennt und nur schwer über den Tellerrand sehen kann/will.
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