Künftig nur noch zwei Astra-Werke Opel-Chef bereitet Mitarbeiter auf Sparkurs vor

Beim kriselnden Autobauer Opel werden die Sparpläne konkreter. Bei einer Betriebsversammlung verkündete Unternehmenschef Karl-Friedrich Stracke nun, das viel verkaufte Modell Astra werde künftig nur noch in zwei statt bisher drei Werken gefertigt - und heizte damit die Spekulationen an.


Rüsselsheim - Für die Opel-Arbeiter in Deutschland könnten bald schwere Zeiten anbrechen. Firmenchef Karl-Friedrich Stracke kündigte am Montag an, die Produktion des Astra von bisher drei Werken auf zwei Werke zu konzentrieren.

"Angesichts der erwarteten Nachfrage sind wirtschaftlich nur zwei Astra-Werke sinnvoll", sagte Stracke während der Betriebsversammlung, zu der rund 8000 Beschäftigte in Rüsselsheim gekommen waren. "Wenn wir diese zwei Werke im Dreischichtbetrieb laufen lassen, werden die Produktionskosten für die nächste Astra-Generation deutlich unter den heutigen liegen."

Bisher wird das aktuelle Astra-Modell in drei Werken im Zweischichtbetrieb gefertigt - in Rüsselsheim, im britischen Ellesmere Port und im polnischen Gleiwitz (Gliwice). Im Bochumer Werk laufen zudem noch Versionen des Vorgängermodells als Astra Classic für den Export nach Osteuropa vom Band. Nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen erwägt der Konzern, die Astra-Produktion aus Rüsselsheim abzuziehen und dem Stammwerk als Ausgleich den bisher in Bochum gefertigten Zafira zu geben. Das könnte für das Bochumer Werk mit 3200 Opel-Mitarbeitern das Aus bedeuten.

Stracke äußerte sich dazu nicht. Er sagte lediglich, man wolle auch künftig das Rüsselsheimer Werk auslasten. Es müsse aber auch wettbewerbsfähig bleiben. Dazu müssten die Produktionskosten je Fahrzeug sinken, zudem werde mehr Flexibilität benötigt.

"Die Stimmung ist angespannt"

Stracke blieb auch die Antwort auf die Frage schuldig, ob sein Sanierungsplan weitere Werksschließungen oder einen neuerlichen Stellenabbau in Europa vorsieht. Der Unternehmensplan solle im Juni dem Aufsichtsrat vorgelegt werden, sagte Stracke: "Er ist keineswegs ein Sparplan, sondern eine umfassende Strategie, mit der wir schnell wieder in die Gewinnzone fahren werden, ganz egal ob mit oder ohne Rückenwind des Marktes." Damit werde Opel bis 2016 seine Margen, Marktanteile und den Umsatz deutlich steigern.

Auf der Betriebsversammlung soll es nach Angaben von Teilnehmern häufig sehr laut geworden sein - vor allem dann, wenn die Belegschaft die Antworten ihres Chefs für unzureichend hielt. "Die Stimmung ist angespannt", betonte Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Die Betriebsversammlung müsse bald fortgesetzt werden.

Stracke präsentierte einen Zehn-Punkte-Plan, wonach die Materialkosten gesenkt und die bislang weitgehend auf Europa beschränkte General-Motors-Tochter neue Exportmärkte erschließen soll. Zudem werde aktuell geprüft, ob Modelle der Konzernschwester Chevrolet in Europa gebaut werden könnten.

Beides fordert der Betriebsrat seit Jahren als wichtigen Baustein, um Werksschließungen zu vermeiden. "Wir sind weiter der Auffassung, dass es Möglichkeiten gibt, die Werke hier auch in Dreischicht auszulasten, wenn man entsprechendes Volumen hat, wenn man Chevrolet-Fahrzeuge hier produziert, wenn man die Fahrzeuge, die im Moment außerhalb der europäischen Werke vorgesehen sind, nach Europa holt", sagte Schäfer-Klug.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt allerdings nicht, dass diese Vorschläge viel Aussicht auf Erfolg haben: "GM wird das wegen der Kostenunterschiede nicht machen, denn Chevrolet soll in Europa als Billigmarke etabliert werden."

stk/dpa/AFP



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
chrimirk 14.05.2012
1. Warum nicht nur ein Werk?
Zitat von sysopdapdBeim kriselnden Autobauer Opel werden die Sparpläne konkreter. Bei einer Betriebsversammlung verkündete Unternehmenschef Karl-Friedrich Stracke nun, das viel verkaufte Modell Astra werde künftig nur noch in zwei statt bisher drei Werken gefertigt - und heizte damit die Spekulationen an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833105,00.html
Wenn Opel nicht mehr gekauft wird, reicht vielleicht denen sogar 1 Werk fü alles. Eine gutte Mutter ist was wert. Opel hatte damit riesiges Pech. Schade. Werde meine 2 Kapitäne + 2 Monza in guter Erinnerung behalten. Andere bauen auch gute Autos, ohne ständig "wir leben Autos" betonen zu müssen.
Mo2 14.05.2012
2. Darauf ein Astra!
Zitat von sysopdapdBeim kriselnden Autobauer Opel werden die Sparpläne konkreter. Bei einer Betriebsversammlung verkündete Unternehmenschef Karl-Friedrich Stracke nun, das viel verkaufte Modell Astra werde künftig nur noch in zwei statt bisher drei Werken gefertigt - und heizte damit die Spekulationen an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833105,00.html
Eigentlich müsste die Nachfrage bei zunehmender Überalterung der Gesellschaft doch steigen. Nicht nur ich muss bei "Astra" (außer an brauchbares Hamburger Bier) an hässliche Rentnerkisten denken, daher könnte ich niemals ein Auto mit diesem Namen fahren - auch wenn die aktuellen Modelle zugegebenermaßen optisch etwas flotter geworden sind. Aber wahrscheinlich viel zu avantgardistisch (haha) für die Stammkundschaft.
wolfi7777 14.05.2012
3. Warum mussten die Autos auch immer größer und teurer werden ?
Ich habe viele Jahre Kadett und Astra gefahren - gefielen mir immer besser als z. B. die Golfs. Dann wurden sie mir zu groß und ich habe einen Meriva A gekauft - der B ist auch wieder größer. Das nächste Auto wird dann wohl ein Chevrolet sein - oder ein anderer "Kleinwagen". Schade um Opel!
didi41 14.05.2012
4. optional
@Mo2 Selten so einen Unsinn gelesen. Besser mal die letzten Tests der Automobil-Fachpresse anschauen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.