Rundbrief RWE-Chef appelliert an alte Atom-Verbündete

Es ist ein Aufruf in eigener Sache: RWE-Chef Jürgen Großmann hat einen Brief an 40 Manager verfasst, die sich im vergangenen Jahr für die Kernkraft stark gemacht hatten. Die Botschaft sei weiter richtig, das Atom-Moratorium treffe "absolut sichere" Kraftwerke.
RWE-Chef Großmann: "Kein Anlass zu übereiltem Handeln"

RWE-Chef Großmann: "Kein Anlass zu übereiltem Handeln"

Foto: dapd

Düsseldorf - Japan hat alles verändert - dieser Satz war nach dem schweren Reaktorunglück in Fukushima häufig zu hören. RWE-Chef Jürgen Großmann stimmt ihm offenbar nicht nicht zu. Er kritisierte jetzt das Atom-Moratorium der Bundesregierung - in einem Brief an 40 Manager, die sich 2010 zusammen mit ihm in einem "Energiepolitischen Appell" für die Atomkraft stark gemacht hatten. Der Appell habe nach wie vor seine Berechtigung, schreibt Großmann. RWE bestätigte die Existenz des Schreibens.

"Bisher steht die deutsche Bundesregierung mit ihrer Ankündigung allein, sieben ältere, aus meiner Sicht absolut sichere, Kernkraftwerke zunächst für drei Monate stillzulegen", heißt es in dem Schreiben, aus dem die Agentur Reuters zitierte. Großmann betonte zwar, die Sicherheit der Reaktoren habe höchste Priorität. Dennoch bestehe aber "kein Anlass zu übereiltem Handeln und zu nationalen Alleingängen".

Zu den Unterzeichnern des Appells hatten neben Großmann unter anderem Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und der BASF- Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht gehört. Nach dem Reaktorunglück in Japan hatten sich mehrere Unterzeichner nachdenklich gezeigt. So sagte Bahn-Chef Jürgen Grube gegenüber SPIEGEL ONLINE, die Lehre aus Japan laute: "Wir müssen und werden den Umbau noch schneller anpacken."

Großmann warnt in seinem Schreiben hingegen vor den Folgen eines Atomausstiegs für die Industrie. "Wenn jetzt Beschlüsse gefasst würden, die eine sachliche Auseinandersetzung um den Betrieb der deutschen Kernkraftwerke erschweren oder sogar unmöglich machen, kann das massive Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland nach sich ziehen."

Von Wirtschaftsführern war in den vergangenen Tagen Kritik am Moratorium laut geworden. Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnten vor einem übereilten Ausstieg aus der Atomenergie. E.ON-Chef Johannes Teyssen kritisierte den Beschluss der Bundesregierung ebenfalls. "Es ist sicherheitstechnisch nicht begründbar, solche Anlagen vom Netz zu nehmen", sagte er. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) das Moratorium auf einem Treffen mit Industrievertretern als Wahlkampfmanöver entschuldigt hatte.

dab/Reuters
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