Dieselskandal Audi-Chef Stadler droht Ablösung

Volkswagen-Chef Matthias Müller und VW-Aufsichtsräte sind wegen neuer Erkenntnisse im Dieselskandal sauer auf den Boss der Konzerntochter Audi. Nach SPIEGEL-Informationen muss Rupert Stadler mit einer raschen Abberufung rechnen.
Audi-Chef Rupert Stadler (Archiv)

Audi-Chef Rupert Stadler (Archiv)

Foto: Sebastian Gollnow/ picture alliance / dpa

Bisher konnte sich Rupert Stadler trotz der Dieselaffäre an der Spitze von Audi halten. Jetzt aber könnte ihm zum Verhängnis werden, dass das Verkehrsministerium verbotene Abschalteinrichtungen bei Audi-Modellen entdeckt hat.

"Wir werden über diesen Vorgang mit Herrn Stadler im Aufsichtsrat zu reden haben. Das ist sicherlich im gemeinsamen Interesse von Herrn Müller und uns", sagte ein Vertreter der Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat. Nach SPIEGEL-Informationen muss Rupert Stadler nun mit einer raschen Abberufung rechnen.

Konzernchef Matthias Müller und die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hatten den Vertrag des umstrittenen Audi-Chefs erst vor wenigen Wochen um fünf Jahre verlängert. Sie glaubten den Versicherungen Stadlers, dass Audi den Abgasskandal sauber aufgeklärt habe. Sie wurden überrascht durch die Erklärung von Verkehrsminister Alexander Dobrindt, dass Audi bei den Modellen A8 und A7 "unzulässige Abschalteinrichtungen" verwendet habe.

Ein hochrangiger VW-Manager sagte dem SPIEGEL dazu: "Das ist das Allerletzte."

Audi-Chef Stadler hat in dem Abgasskandal bereits mehrfach schwerwiegende Fehler begangen. Nachdem das US-Justizministerium Ende 2015 verkündete, dass auch Audi eine verbotene Software bei seinen Dieselmotoren einsetzt, ließ Stadler dies zunächst heftig dementieren. Wenige Wochen später musste Audi einräumen, dass die US-Behörden mit ihrem Vorwurf richtig lagen. Das verstärkte bei ihnen den Eindruck, der VW-Konzern wolle weiter vertuschen und verschleiern.

Die Milliardenstrafe für den VW-Konzern fiel nach Überzeugung von VW-Juristen wegen dieses Verhaltens des Audi-Chefs höher aus.

Seinen Posten durfte Stadler vor allem behalten, weil der VW-Konzern über keinen geeigneten Kandidaten für die Nachfolge verfügte. "Das Argument darf jetzt nicht mehr zählen", sagte ein Audi-Aufsichtsrat.

Damit dürfte die Karriere Stadlers, der seit 2007 die Tochter Audi führt, im VW-Konzern bald beendet sein.