»Fadenscheinig und unbegründet« Russische Oligarchen wollen Sanktionen anfechten

Die EU hat Sanktionen gegen russische Milliardäre beschlossen. Die wollen sich »mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln« wehren: Dass sie enge Kontakte zu Putin hätten, weisen sie von sich.
Michail Fridman: Laut EU-Papier »Förderer von Putins innerem Kreis«

Michail Fridman: Laut EU-Papier »Förderer von Putins innerem Kreis«

Foto: Pavel Golovkin / REUTERS

Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die EU zahlreiche Sanktionen auch gegen Einzelpersonen verhängt. Betroffen ist das nähere Umfeld von Russlands Präsident Wladimir Putin sowie russische Oligarchen.

Einige der Milliardäre weisen die gegen sie verhängten Strafmaßnahmen als unberechtigt zurück – und bemühen sich um verbale Distanz zur Politik.

Die Geschäftsmänner Michail Fridman und Petr Aven wollen die Maßnahmen wie das Einfrieren von Vermögenswerten oder das Einreiseverbot in die Europäische Union anfechten.

Die Vorwürfe seien »fadenscheinig und unbegründet«, ließen die Geschäftsleute mitteilen. Dagegen wollen sie »energisch und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln« vorgehen.

Die EU hatte Aven als »einen der engsten Oligarchen von Wladimir Putin« bezeichnet. Fridman wurde als ein »führender russischer Finanzier und Förderer von Putins innerem Kreis bezeichnet«. Er wies die Vorwürfe zurück. Es sei unwahr, dass er »enge Beziehungen« zur Regierung von Präsident Putin gepflegt habe.

»Böswillige und vorsätzliche Unwahrheiten«

Beide Milliardäre bezeichneten es auch als nicht richtig, dass sie »inoffizielle Abgesandte der russischen Regierung« seien.

»Dies sind böswillige und vorsätzliche Unwahrheiten – schlicht und einfach das Produkt historischer Fantasien und Verschwörungstheorien, die von Privatpersonen mit ihren eigenen Absichten erdacht wurden«, ließen die beiden Geschäftsleute mitteilen.

Petr Aven: »Einer der engsten Oligarchen von Wladimir Putin«

Petr Aven: »Einer der engsten Oligarchen von Wladimir Putin«

Foto: Valery Sharifulin / imago images/ITAR-TASS

Mit etwas Zeitverzug forderte der in der Ukraine geborene Fridman dann noch, der Krieg müsse aufhören. Er erklärte zudem seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat des Mobilfunkunternehmens Veon.

Mit einem Anteil von knapp 48 Prozent ist er größter Aktionär des in Amsterdam börsennotierten Unternehmens, das auch Netzbetreiber in Russland und der Ukraine ist.

TUI-Großaktionär weist Nähe zur Politik von sich

Auch TUI-Großaktionär Alexej Mordaschow ist auf der Sanktionsliste gelandet. Er will einer Sprecherin zufolge Optionen mit Blick auf die Strafmaßnahmen prüfen. Er habe keine Nähe zur Politik, hieß es in einer von seinem Unternehmen Severstal verbreiteten Stellungnahme.

»Ich habe absolut nichts mit der Entstehung der aktuellen geopolitischen Spannungen zu tun, und ich verstehe nicht, warum die EU Sanktionen gegen mich verhängt hat.«

Alexej Mordaschow: »Für die Unterstützung von Handlungen oder politischen Maßnahmen verantwortlich«

Alexej Mordaschow: »Für die Unterstützung von Handlungen oder politischen Maßnahmen verantwortlich«

Foto: SERGEI KARPUKHIN/ REUTERS

Der Geschäftsmann ist Haupteigentümer des Stahlkonzerns Severstal. Mit seiner Firmengruppe Unifirm hält er inzwischen mehr als 30 Prozent am Reisekonzern TUI und hat sich an mehreren Kapitalerhöhungen beteiligt. Der Verwaltungssitz von Unifirm ist auf Zypern.

Die EU kritisierte in der Veröffentlichung der Sanktionsliste in ihrem Amtsblatt unter anderem Mordaschows Beteiligungen an einer Bank, die »als persönliche Bank hochrangiger Beamter der Russischen Föderation gilt«. Das Institut habe unter anderem Zweigstellen auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim – »und so deren Eingliederung in die Russische Föderation verfestigt«.

Brüssel hält Mordaschow für verantwortlich

Auch halte eine Firma Mordaschows Anteile an einer Medienholding, »die ihrerseits Fernsehsender kontrolliert, die aktiv die Politik der russischen Regierung zur Destabilisierung der Ukraine unterstützen«. Brüssel kommt insgesamt zu der Einschätzung: »Daher ist er für die Unterstützung von Handlungen oder politischen Maßnahmen verantwortlich, die die territoriale Unversehrtheit, die Souveränität und die Unabhängigkeit der Ukraine untergraben.«

Mordaschow sitzt auch im TUI-Aufsichtsrat. TUI-Chef Fritz Joussen hatte am Montag erklärt, es seien keine Auswirkungen auf das Unternehmen durch mögliche Sanktionen gegen den größten Anteilseigner zu erwarten. Aus Konzernkreisen hieß es weiter, es gelte, Fragen der Beteiligungen an TUI und Fragen der operativen Steuerung des Geschäfts zu trennen.

Eine Diskussion über Mordaschows Rolle gibt es dessen ungeachtet aber schon länger. So wurde etwa kritisisert, die staatlichen Milliardenhilfen für TUI zur Bewältigung der Coronakrise kämen vor allem den Großaktionären zugute, während Mitarbeiter ihre Jobs verlören.

Mordaschow bezeichnete den Ukrainekrieg als eine »Tragödie für zwei brüderliche Nationen. Ich hoffe aufrichtig, dass in sehr naher Zukunft ein Weg gefunden werden kann, der den Konflikt löst und das Blutvergießen beendet.«

Er sei nie nah an der Politik gewesen und habe sich immer darauf konzentriert, wirtschaftlichen Wert und Arbeitsplätze in Russland und im Ausland zu schaffen. Er selbst engagiere sich schon lange bei der Entwicklung wirtschaftlicher, kultureller und humanitärer Kooperation mit vielen europäischen Ländern. »Ich kann nicht begreifen, wie diese Sanktionen gegen mich zu einer Lösung des schrecklichen Konfliktes in der Ukraine beitragen sollen«, wurde Mordaschow zitiert.

Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die EU zahlreiche Sanktionen auch gegen Einzelpersonen verhängt. Betroffen davon ist etwa der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow. Dies geht aus einer Liste von 26 Personen hervor, die im EU-Amtsblatt veröffentlicht wurde.

Ebenfalls aufgelistet sind Igor Setschin, Chef der staatlichen Ölgesellschaft Rosneft, sowie sein Kollege von Transneft, Nikolai Tokarew.

mmq/Reuters/dpa