Machtkampf wegen Russlandaffäre Facebook stellt Sicherheitschef kalt

Facebook hat laut "New York Times" Sicherheitschef Alex Stamos entmachtet. Er wollte Russlands Propaganda für Donald Trump schon 2016 öffentlich machen - doch Mark Zuckerbergs Top-Management war anderer Meinung.
Alex Stamos bei einem Auftritt (Archivbild)

Alex Stamos bei einem Auftritt (Archivbild)

Foto: Steve Marcus/ REUTERS

Laut einem Bericht der "New York Times" hat es bei Facebook intern massive Auseinandersetzungen gegeben. Entzündet hat sich der Streit demnach an der Frage, wie das Unternehmen mit der eigenen Rolle in der Russlandaffäre umgehen sollte. Den Machtkampf verloren hat laut "New York Times" der Sicherheitschef von Facebook, Alex Stamos.

Stamos und sein Team hatten dem Bericht zufolge schon 2016 entdeckt, dass russische Akteure im US-Wahlkampf massiv Berichte über gehackte E-Mails der demokratischen Partei lancierten und Facebook benutzten, um Stimmung für Donald Trump zu machen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg habe dem allerdings entschieden widersprochen. Im gleichen Monat, in dem Stamos seine Entdeckung meldete, trat Zuckerberg öffentlich auf und nannte die Vorstellung, Fake News auf Facebook hätten den Wahlausgang beeinflusst "eine ziemlich verrückte Idee".

Führungsriege wollte Russland lieber nicht erwähnen

Sicherheitschef Stamos - "Chief Information Security Officer" lautet sein Titel offiziell - habe sich in der Folge dafür starkgemacht, die Öffentlichkeit möglichst umfassend zu informieren. Laut "New York Times" wurde er dabei aber ausgebremst. Das Top-Management des Konzerns habe es vorgezogen, Russland nicht zu erwähnen.

Die Zeitung berichtet von einem Beispiel: Anfang 2017 habe Stamos detailliert russische Einflussversuche in einem Papier aufgelistet. Veröffentlicht worden sei das Dokument dann aber erst im April 2017, als Eintrag in einem Blog - und ohne jede Erwähnung Russlands.

Nach Informationen der Zeitung wurde Stamos bereits im Dezember von seinen Aufgaben weitgehend entbunden. Sein ehemals rund 120 Mitarbeiter starkes Team sei auf drei Personen zusammengestrichen worden. Stamos habe angekündigt, das Unternehmen zu verlassen, sei dann aber überredet worden, bis August zu bleiben.

Stamos erklärte gegenüber der Zeitung, er habe "einige Meinungsverschiedenheiten mit allen meinen Kollegen gehabt, einschließlich der Führung". Auf Twitter ließ er wissen, er sei dennoch der Arbeit "bei Facebook weiter voll verpflichtet". Allerdings habe sich seine Rolle verändert.

Facebook steht derzeit im Kreuzfeuer der Kritik wegen des Umgangs des Unternehmens mit Nutzerdaten im US-Wahlkampf. Die "New York Times" und der britische "Observer" hatten enthüllt, dass die für Trumps Wahlkampagne aktive Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica illegal 50 Millionen Facebook-Profile ausgewertet hatte (Mehr zu den Hintergründen der Affäre: Facebook-Daten im US-Wahlkampf - Unbemerkt ausgespäht )

Der Aktienkurs von Facebook ist durch die Entwicklungen stark unter Druck geraten. Am Montag lag das Minus bei sieben Prozent, der Börsenwert des Konzerns schrumpfte damit binnen weniger Stunden um fast 40 Milliarden Dollar.

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