Sanktionen erschweren Rückzug Ausländische Banken in Russland suchen neues Personal

Eigentlich wollen sie den russischen Markt verlassen, doch die Behörden lassen sie nicht. Nun haben sich ausländische Banken offenbar mit der Situation abgefunden – und starten eine Einstellungsoffensive.
Blick auf das internationale Geschäftszentrum »Moskwa City«

Blick auf das internationale Geschäftszentrum »Moskwa City«

Foto: AP

Die amerikanische Citibank und die österreichische Raiffeisen Bank International schalteten im Juli zusammen hunderte Stellenanzeigen in Russland. Das zeigt nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters die Webseite des Jobportals Headhunter. Im April bis Juni seien es dagegen nur sehr wenige Stellen gewesen, erklärte der Personalvermittler. Der Hintergrund für die Personalsuche sei demnach, dass die russischen Behörden einen Rückzug der Kreditinstitute blockieren.

Nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine hatten viele westliche Banken russische Beschäftigte aus Führungspositionen entfernt und Möglichkeiten eines Rückzugs aus dem Markt eruiert. Doch die westlichen Sanktionen gegen Russland hätten den Spielraum für die Finanzinstitute eingeschränkt, heißt es Reuters zufolge in Branchenkreisen.

Ausländische Banken mit elf Prozent am gesamten Bankenkapital in Russland beteiligt

Denn im Gegensatz zu anderen Industrie- oder Handelsunternehmen wolle Russland die Banken nicht einfach gehen lassen. So sagte der stellvertretende Finanzminister Alexej Moisejew, dass Russland den Verkauf der russischen Tochtergesellschaften ausländischer Banken so lange blockieren werde, bis russische Geldhäuser im Ausland wieder komplett funktionsfähig seien. Zudem weigere sich die russische Zentralbank, die lokalen Geschäfte der Banken zu übernehmen. Insidern zufolge befürchte sie, Einleger könnten ihre Gelder bei einem solchen Schritt abziehen. Nachdem die Banken realisiert hätten, dass sie Russland nicht verlassen könnten, habe das Umdenken angefangen – und damit auch die Suche nach Personal, erläuterte laut Reuters ein Branchenvertreter.

Der Anteil ausländischer Banken am gesamten Bankenkapital in Russland lag Ende 2021 bei elf Prozent. Raiffeisen, Citi und die italienische Unicredit sind dabei die drei größten ausländischen Bankakteure auf dem Markt.

Citi wollte sich eigentlich komplett von ihren Aktivitäten mit russischen Privat- und Geschäftskunden trennen. Auch die Raiffeisen Bank prüfte die Optionen für die Zukunft des Geschäfts. Nun schrieben die Österreicher Headhunter zufolge im Juli 276 Stellen in Russland aus. Citi will demnach 86 neue Mitarbeiter einstellen.

Die US-Bank lehnte laut Reuters einen Kommentar ab, Raiffeisen war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Auch die italienischen Banken Intesa und die russische Tochter von Unicredit schrieben Stellenanzeigen aus.

tfb/Reuters
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