Russland Der Rohstoff-Weltmacht geht das Benzin aus

Bislang haben russische Ölfirmen ihren Kraftstoff gerne teuer ins Ausland verkauft, doch damit ist jetzt erst einmal Schluss. Der Kreml will im Mai keinen Sprit exportieren - weil er an heimischen Tankstellen knapp wird.

Moskau - Russische Mineralölkonzerne dürfen im Mai keinen Kraftstoff ins Ausland exportieren. "Wir haben mit den Ölfirmen vereinbart, dass sie ihre Lieferungen komplett dem Binnenmarkt zur Verfügung stellen", sagte Vize-Energieminister Sergej Kudrjaschow am Donnerstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax. Das Exportverbot gelte für die staatlich kontrollierten Ölkonzerne Rosneft und Gazprom Neft.

Seit dem Wochenende droht an den Tankstellen in mehr als 20 Regionen Russlands das Benzin auszugehen. Kritisch sei die Lage im Altai, der Gebirgsregion im Grenzgebiet zwischen Sibirien, Kasachstan, der Mongolei und China. Dort habe ein Großteil der Tankstellen am Wochenende den Betrieb eingestellt. Die noch geöffneten Stationen verkauften nur noch 20 Liter Sprit pro Fahrzeug, und das nur noch an Stammkunden.

Viele Staatskonzerne des Riesenreichs verkauften den Kraftstoff zuletzt lieber teuer ins Ausland als ihn an den heimischen Markt auszuliefern. Laut russischen Medienberichten habe die russischen Regierung die Mineralölkonzerne im Februar gedrängt, ihre Preise für das Inland zu senken, was den Export profitabler machte. Laut Kudrjaschow exportierten die russischen Unternehmen im vergangenen Jahr insgesamt drei Millionen Tonnen Benzin.

seh/AFP/dpa-AFX